„Philosyndikat“

In Frankfurt geht die Diskussion um das Philiosphicum in die nächste Runde – dieses Mal in eine kreative. Die Institutsgebäude von Ferdinand Kramer, der zwischen 1952 und 1964 Universitätsbaumeister in Frankfurt war, stehen vor einer ungewissen Zukunft. Die Universität ist größtenteils auf den Campus Westend umgezogen. Eine Stadteilinitiative engagiert sich seit 2010 dafür, den leerstehenden Kramer-Bau als Mietersyndikat umzunutzen. Sozialwohnungen, ein Stadteilbüro, eine Kindertagesstätte, Ateliers und barrierearme Inklusionsangebote könnten hier entstehen.

Doch scheint der Verkauf des Philosophicums an die Initiativgruppe vorerst gescheitert. Vor diesem Hintergrund haben sich Jessica Sehrt, Martin Stiehl, Siw Umsonst, Jeronimo Voss mit dem Werkbund Hessen zusammengetan, um einen künstlerischen Blick auf das umstrittene Baukunstwerk und seine Zukunft zu werfen. Bis zum 19. September 2014 ist ihre Ausstellung „Philosyndikat“ in den Räumen des Frankfurter Werkbunds (Inheidener Strasse 2) zu sehen. In der Regel wird die Schau mittwochs von 16 bis 20 Uhr geöffnet. Weitere Termine können vereinbart werden unter 0177/8389891. (kb, 5.8.14)

Die Ausstellung „Philosyndikat“ (Bild: Werkbund Frankfurt)

1914: die Welt in Farbe

Als die Pariser „Moulin Rouge“ auf Fotografien immer nur schwarz-weiß erschien, sammelte der französische Bankier Albert Kahn (1860-1940) bereits Farbaufnahmen. Um 1914 trug er aus der ganzen Welt Farbfotografien zusammen, um seine „Les Archives de la planète“ zu gründen. Die internationalen Aufnahmen sollten das Fremde verständlich werden lassen, während die großen europäischen Nationen zum Ersten Weltkrieg rüsteten.

In Gedenken an den Kriegsausbruch zeigt der Berliner Martin-Gropius-Bau bis zum 2. November 2014 die Ausstellung „Die Welt um 1914. Farbfotografie vor dem Großen Krieg“. Präsentiert werden fast schon vergessene Aufnahmen aus einer Sammlung von insgesamt 70.000 Motiven. Veranstaltet wird die Ausstellung durch die Berliner Festspiele mit dem LVR-LandesMuseums Bonn. Begleitend ist im Hantje Cantz Verlag der Katalog „1914 – Welt in Farbe. Farbfotografie vor dem Krieg“ erschienen, der auch Bezüge zu Farbaufnahmen von Sergej Michailowitsch Prokudin-Gorskii und Adolf Miethe aufzeigt. (kb, 1.8.14)

Le Moulin Rouge, 1914 (Bild: Musée Albert-Kahn, Departement des Hauts-de-Seine, Foto: Stephane Passet)

Lina Bo Bardi: Together

Mit ihrem Mann, dem Architekten, Kunstkritiker und -sammler Pietro Maria Bardi ging die Italienerin Lina Bo Bardi (1914-92) im Jahr 1946 nach Brasilien. Das Paar war enttäuscht, dass im Nachkriegseuropa wieder die konservativen Kräfte regierten. Mit der Schau „Lina Bo Bardi: Together“ ehrt das Deutsche Architektur Zentrum in Berlin noch bis zum 17. August das vielfältige Werk der Architektin und Designerin. In der neuen südamerikanischen Heimat öffnete sie sich für die fremde Kultur und nutzte sie für ihre eigene Arbeit.

Lina Bo Bardis stammte aus einem liberalen Elternhaus, das ihr ein Architekturstudium ermöglichte. Im neuen Land plante sie Wohnhäuser und Kulturbauten – darunter das von ihrem Mann geleitete Museu de Arte de Sao Paulo (1968). In der Berliner Ausstellung beleuchten u. a. die Künstler Madelon Vriesendorp und Tapio Snellman das Werk der italienisch-brasilianischen Architektin aus einem neuen Blickwinkel. Die Fotografin Ioana Marinescu zeigt auch die Kunstwerke und Gegenstände, die Bo Bardi sammelte – und mit denen sie lebte. Zum 100. Geburtstag startet das Architekturmuseum der TU München am 13. November 2014 ebenfalls eine Ausstellung: „Lina  Bo Bardi 100“. (kb, 30.7.14)

Museu de Arte de Sao Paulo (Bild: Morio)