Ausstellungen

Erich Kaufmann/Ulrich Müther, Messehalle „Bauwesen und Erdöl“ in Rostock-Schutow, 1966 (Bild: © Müther-Archiv, Hochschule Wismar)

Der Schwung der Schale

Seit Kurzem rückt das Werk von Ulrich Müther (1934–2007) wieder in den Blick der Öffentlichkeit. Der Bauingenieur und Bauunternehmer machte besonders mit seinen schwungvollen Schalenbauten von sich reden. Mit der Rettungswache in Binz, dem Berliner Ahornblatt und der Magdeburger Hyparschale plante er ikonische Bauten der DDR. In den 1960er Jahren hatte er sich auf diese besondere Bauform spezialisiert. Er folgte damit einem internationalen Trend, dem u. a. Félix Candela in Mexiko, Pier Luigi Nervi in Italien, Eero Saarinen oder Heinz Isler zuzurechnen sind. Müther hinterließ – vor allem in Mecklenburg-Vorpommern – insgesamt rund 70 Solitärbauten.

Im Welt-Erbe-Haus Wismar (Lübsche Straße 23, 23996 Wismar) startet am 28. Mai 2019 um 17 Uhr die Ausstellung „Der Schwung der 60er. Frühe Schalenbauten von Ulrich Müther“, die im Anschluss bis zum 15. Sepember 2019 zu sehen sein wird. Hier dreht sich alles um die Anfänge Müthers im Schalenbau – von seinem ersten umgesetzten Projekt am Ende seines Studiums bis hin zu prominenten Gesellschaftsbauten wie dem „Teepott“ in Warnemünde. Diese Entwicklung wird anhand von Modellen, Zeichnungen, Fotografien und weiteren Zeitdokumenten überwiegend aus dem Müther-Archiv der Hochschule Wismar lebendig. (kb, 11.5.19)

Erich Kaufmann/Ulrich Müther, Messehalle „Bauwesen und Erdöl“ in Rostock-Schutow, 1966 (Bild: © Müther-Archiv, Hochschule Wismar)

Leipzig, Versöhnungskirche (Bild: Wolfram Friedrich)

Die Weiße Stadt in der Weißen Kirche

Die Versöhnungskirche in Leipzig-Gohlis gehört zu den bemerkenswertesten sakralen Bauten der Weimarer Zeit. Sie wurde von 1930 bis 1932 nach einem Entwurf von Hans Heinrich Grotjahn im Stil der Bauhausmoderne errichtet. 1928 hatte sich der deutsch-jüdische Architekt Wilhelm (Ze’ev) Haller (1884-1956) mit einem sehr interessanten Entwurf am Architektenwettbewerb beteiligt. Er emigrierte kurz nach der Machtergreifung Hitlers nach Palästina, wo er bald ein eigenes Architekturbüro eröffnete. Bis 1937 schuf er zahlreiche Wohnbauten im Internationalen Stil. 

Die weltweit umfangreichste Ansammlung von 4000 Gebäuden dieser Epoche in Tel Aviv wurde als „White City“ (Weiße Stadt) bekannt und 2003 UNESCO Weltkulturerbe. Nach rund 80 Jahren besteht dringender Bedarf zur umfangreichen Sanierung. Die Kulturstiftung Leipzig widmete dem heute in Deutschland weitgehend vergessenen Haller und der „Weißen Stadt“ im April 2019 ein Kolloquium, eine Wanderausstellung und eine Publikation. Die Wanderausstellung „Weltkulturerbe Tel Aviv, Denkmalpflege in der ‚Weiße Stadt'“ stellt auch zwei Bauten von Wilhelm (Ze’ev) Haller vor und ist i der Leipziger Versöhnungskirche noch bis zum 26. Mai 2019 zu sehen (freitags 13 bis 16 Uhr, samstags 14 bis 16 Uhr und sonntags nach dem Gottesdienst ca. 11.30 bis 16 Uhr). (wf, 11.5.19)

Wilhelm Ze’ev Haller. Modern Architecture, Leipzig/Tel Aviv, deutsch und englisch, Hardcover, 120 Seiten, 21 x 25 cm, 115 Abbildungen, Passage-Verlag, Leipzig 2019, ISBN 978-3-95415-083-0.

Leipzig, Versöhnungskirche (Bild: Wolfram Friedrich)

Berlin, Familienfoto zur Jugendweihe, 1969 (Foto: Christa Hochneder, Bild: Bundesarchiv Bild 183-H0511-0010-001, CC BY SA 3.0)

Zeitzeuginnen gesucht

Sie haben Ihre Kindheit und Jugend in der DDR verbracht? Dann sucht das Frauenstadtarchiv Dresden genau Sie und Ihre Erinnerungen! In einem oder mehreren Workshops werden die Zeitzeuginnen gebeten, ein Foto mitzubringen oder etwas, das sie an die Wendezeit erinnert. Damit möchte das Frauenstadtarchiv eine Gruppe von Frauen ansprechen, die in Forschung und allgemeiner Wahrnehmung bislang kaum berücksichtigt wurde: die sog. dritte Generation Ost, der eine hohe „Transformationskompetenz“ zugeschrieben wird.

Aus dem in den Workshps gesammelten Material wird im Frauenstadtarchiv eine interaktive Performance entwickelt. Termine sind im FrauenBildungsHaus Dresden (Oskarstraße 1): 11. Mai, 14 bis 18 Uhr; 25. Mai, 14 bis 18 Uhr; 7. Juni, 17 bis 21 Uhr; 8. Juni, 14 bis 18 Uhr; 21. Juni, 17 bis 21 Uhr; 5. Juli , 17 bis 21 Uhr; 23. und 24. August, Ort und Zeit werden noch bekanntgegeben. Um Anmeldung wird gebeten: frauenstadtarchiv@frauenbildungshaus-dresden.de. Die Aufführungen der Performance „(L)ost in Transformation“ finden im Herbst 2019 statt. (kb, 9.5.19)

Berlin, Familienfoto zur Jugendweihe, 1969 (Foto: Christa Hochneder, Bild: Bundesarchiv Bild 183-H0511-0010-001, CC BY SA 3.0)

Wendlingen am Neckar, Johanneskirche (Bild: Gunther Seibold, CC BY 3.0, via kirchbau.de)

„Der Hemdkragen Gottes“

Schon seit 2013 wird diskutiert, entworfen, protestiert, weitergeplant. Jetzt scheint es ernst zu werden mit dem Neubau in Wendlingen am Neckar. Ein evangelisches Gemeindezentrum mit Andachtsraum soll im Ortszentrum entstehen – das Problem: Da steht schon eines. Die Johanneskirche wurde um 1961 fertiggestellt und markiert seitdem mit Natursteinwänden, Turm und spitzem Dachaufsatz den gemeindlichen Lebensmittelpunkt. Im Inneren wird der Altarraum durch einen Lichtschlitz geprägtt, der zu viellen Assoziationen („Hemdkragen Gottes“) Anlass gibt.

Nach Abriss des bestehenden Gebäudes würde, so der Plan, die Bruderhaus-Diakonie Reutlingen auf den Grundstück zusätzlich Wohnplätze für Behinderte und Senioren einrichten. Seit 2013 kämpft die Initiative pro Johanneskirche“ gegen den avisierten Abriss. 2016 konnte zwar ein Bürgerentscheid durchgeführt, aber nicht die notwendige Grenze von 20 Prozent Abrissgegnern überschritten werden, um politischen Druck auszuüben. In einem offenen Brief an den evangelischen Landesbischof Otfried July bittet die Initiative nun, den Kirchengemeinderatsbeschluss aufzuheben und damit den Abriss zu verhindern. Unter den Erstunterzeichnern finden sich lokal bedeutsame Namen wie der Altbürgermeister Hans Köhler. Der Alternativvorschlag: Man könnte den Kirchenbau – ohne große Kostensteigerung – in das neue Konzept einbeziehen. Ein Hoffnungsschimmer besteht aktuell noch, denn im Mai muss der Stiftungsrat der Bruderhaus-Diakonie dem Vorhaben erst noch zustimmen. (kb, 26.4.19)

Wendlingen am Neckar, Johanneskirche (Bild: Gunther Seibold, CC BY 3.0, via kirchbau.de)

Hamburg, Elbtunnel, Oströhre (Bild: Heidas, CC BY SA 3.0 oder GFDL, 2004)

Elbtunnel in neuem Glanz

Seit 1911 Jahren können die Hamburger ihren Fluss unterirdisch passieren. Möglich machts der St. Pauli Elbtunnel, der bei seiner Eröffnung vor 108 Jahren zu Recht als technisches Meisterstück gefeiert wurde. Die Idee zur Untertunnelung reicht allerdings bis ins 19. Jahrhundert zurück. Grund war das stetige Wachstum des Hafens und der Werften südlich des Flusses. Einzige Möglichkeit für tausende Werft- und Hafenarbeiter dorthin zu gelangen waren die nicht immer ganz wetterfesten Fähren. Eine neue Lösung musste her – wie so oft schauten die Hanseaten nach England und Übersee, wo bereits einige Beispiele der Flussunterquerung in die Realität umgesetzt wurden.

Zuletzt zeigten sich die beiden Röhren allerdings renovierungsbedürftig. Der Osttunnel wurde nun acht Jahre lang – doppelt so lang als die ursprüngliche Bauzeit – denkmalgerecht saniert. Nach der Wiedereröffnung, am 26. April 2019, wird für Interessierte und Tunnelbegeisterte die Ausstellung zur Geschichte des Elbtunnels für einen Monat direkt dort einziehen. Einen Monat später wird ein 144-köpfiges Orchester die eigens komponierte „TunnelSymphonie“ zu Gehör bringen und so dem neuen alten Tunnel einen ganz besonderen Klang verleihen. (jm, 25.4.19)

Hamburg, Elbtunnel, Oströhre (Bild: Heidas, CC BY SA 3.0 oder GFDL, 2004)

Israel und das Rheinland und Neue Bauen

Spätestens seit die Weiße Stadt 2003 zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben wurde, reißen die Ausstellungen und Bildbände zum Thema nicht ab. Zum Bauhaus-Jahr rückt nun ein besonderer Aspekt dieser deutsch-istaelischen Geschichte in den Mittelpunkt: Die Architekten Josef Rings (1878–1957) und Erich Mendelsohn (1887–1953) stehen beispielhaft für die deutsche Architekturmoderne. Beide setzten ihr Wirken im (unfreiwilligen) Exil in Palästina mit renommierten Projekten fort.

Die Ausstellung „Neues Bauen im Rheinland und in Palästina – Erez Israel: Josef Rings und Erich Mendelsohn“ ist im Gewölbe des NS-Dokumentationszentrums (NS DOK) Köln vom 17. Mai bis zum 14. Juli 2019 zu sehen. Die Ausstellung zeigt einige der Bauten der beiden Architekten im Deutschen Reich – insbesondere im Rheinland und im Ruhrgebiet – sowie ihr Wirken im damaligen Mandatsgebiet Palästina. Das Projekt wurde kuratiert von Dr. Micha Gross (Tel Aviv) und Dr. Ines Sonder (Potsdam). Ausstellung und Katalog bilden das Ergebnis einer Kooperation des Bauhaus Centers Tel Aviv, der Alten Synagoge Essen und des Moses Mendelssohn Zentrums Potsdam. Zum Begleitprogramm gehören z. B. Öffentliche Führungen (20. Mai 2019, 17 Uhr, 5. Juli 2019, 15 Uhr, 14. Juli 2019, 14 Uhr). (kb, 21.4.19)

„Neues Bauen im Rheinland und in Palästina – Erez Israel: Josef Rings und Erich Mendelsohn“ (Bild: NS DOK Köln, Titelmotiv der Ausstellung)