Ausstellungen

Frankfurt am Main, Bruchfeldsiedlung, Donnersberger Straße (Bild: © Hermann Collischonn)

Wo die Neuen Menschen wohnen

In den 1920er Jahren konstituiert sich in Frankfurt am Main ein beispielloses Programm baulicher und kultureller Erneuerung, das unter dem Namen „Neues Frankfurt“ in die Kulturgeschichte einging. Unter Oberbürgermeister Ludwig Landmann und seinem Stadtbaurat Ernst May nahm hier die Moderne als Lebensform Gestalt an. Im Kern des Projekts stand ein beispielhaftes Wohnungs- und Städtebauprogramm von internationaler Ausstrahlung. Die aus dem In- und Ausland rekrutierten Architekten des Hochbauamtes leisteten auf zahlreichen Gebieten Pionierarbeit.

Die Ausstellung „Neuer Mensch, Neue Wohnung – Die Bauten des Neuen Frankfurt 1925-1933“startet mit der Vernissage am 22. März um 19 Uhr und ist anschließend bis zum 18. August 2019 zu sehen. Die Ausstellung versammelt die Siedlungen und ausgewählte Bauten des Neuen Frankfurt, die den Ruhm der Stadt als Hochburg der Moderne begründeten. Die Ausstellung ist Teil einer gemeinsamen Initiative von drei Frankfurter Museen — dem Museum Angewandte Kunst, dem Deutschen Architekturmuseum und dem Historischen Museum Frankfurt — und dem Forum Neues Frankfurt anlässlich des Bauhaus-Jubiläums 2019. (kb, 10.3.19)

Frankfurt am Main, Bruchfeldsiedlung, Donnersberger Straße (Bild: © Hermann Collischonn)

Kiosk K67 (Bild: Museum of Architecture and Design Ljubljana)

In Zürich zum Kiosk gehen

Der 1966 entstandene Kiosk K67 ist mittlerweile eine popmoderne Ikone. Das Mehrzweck-Modul, das vor allem als Kiosk, aber auch als Marktstand, Infotresen, Kassenhäuschen und was auch immer verwendet werden kann, ist ein Entwurf des Architekten, Professors und Produktgestalters Saša J. Mächtig (*1941). Seit den 1960ern prägt es die Straßenlandschaften vieler osteuropäischer Städte. Später fanden sich auch Liebhaber in weslichen Metropolen, in der Sammlung „Design des 20. Jahrhunderts“ des New Yorker Museum of Modern Art steht ebenso eine der Kunststoffboxen. Auch die ETH Zürich erwarb ein K67 der zweiten Generation (ab 1972) und macht dies nun öffentlich zugänglich.

Die Ausstellung „Kiosk K67. Metamorphoses of a System“ (basierend auf der von Špela Šubic und Maja Vardjan kuratierten Mächtig-Retrospektive am Museum für Architektur und Design MAO in Ljubljana) zeigt nicht nur das restaurierte K67, sondern beschäftigt sich insbesondere mit dem interdisziplinären Werk Mächtigs. Der ehedem an der Akademie für bildende Kunst und Design in Ljubljana Lehrende verknüpft unterschiedliche Ansätze vom Industriedesign über Städtebau bis zur Gestaltung öffentlicher Räume. Sein Schaffensprozess von der Grundidee über die Forschung im öffentlichen Raum bis zur Vermarktung wird veranschaulicht. Zu sehen ist die Schau bis zum 5. April an der ETH Zürich am Hönggerberg (Wolfgang-Pauli-Strasse, 8049 Zürich). (db, 7.3.19)

Kiosk K67 (Bild: Museum MAO Ljubljana)

Detroit, S. S. Kresge World Headquarters (Bild: Andrew Jameson, CC BY SA 3.0)

Albert Kahn in Mainz

Die Industriearchitektur des 20. Jahrhunderts ist ohne Albert Kahn (1869-1942) kaum vorstellbar. Sein 1895 gegründetes Büro Albert Kahn Associates zählte schnell zu den Größten der USA. Insbesondere im emporstrebenden Automobil-Bundesstaat Michigan schuf er teils gigantische Konzernsitze und Fabriken wie die Ford River Rouge in Dearborn, das General Motors Building und das Packard-Werk in Detroit. In der damaligen Sowjetunion baute Kahn ebenfalls: Hier plante er zu Beginn der 1930er Jahre mehr als 500 Fabriken, die meisten als Stahlbeton-Skelettbau nach dem „Kahn-System“ – entwickelt zusammen mit seinem Bruder Julius Kahn. Geboren wurde der Baumeister, von dessen über 2000 realisierten Bauwerken kein einziges in Deutschland steht, in Rhauen im Hunsrück. 1880 wanderte seine Familie in die USA aus.

Das Mainzer Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz nimmt den 150. Geburtstag Albert Kahns zum Anlass, den Vorreiter der modernen Industriearchitektur mit einer umfangreichen Ausstellung zu würdigen – Untertitel: „von Rhaunen nach Detroit“. Und in der Tat gibt es einen Blick auf die Bedeutung des Architekten für seine Geburtsstadt sowie sein Einfluss auf das Bauen des 20. Jahrhunderts. Zu sehen ist die Schau noch bis 14. März 2019 im Zentrum Baukultur (Im Brückenturm, Rheinstraße 55, 55116 Mainz). (db, 5.3.19)

oben: Detroit, S. S. Kresge World Headquarters (Bild: Andrew Jameson, CC BY SA 3.0); unten:
Mainz, Albert-Kahn-Ausstellung im Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz (Bild: Kristina Schäfer, Mainz)

Nürnberg, Bowlingcenter "Brunswick" (Bild: nuernberg.bowlingworld.de)

Nürnberg: Ausgebowlt!

Beim Bowlen geht es nicht um schön (warum sonst diese Schuhe?), sondern um auffällig (darum die passenden Shirts!): Entsprechend geriet das 1963 von der amerikanischen Brunswick Corporation in Nürnberg fertiggestellte Bowling-Center vor allem groß und – sagen wir es freundlich – markant. Es soll sich sogar um das zweitgrößte Bowling-Center Europas gehandelt haben, das sich tief in das kollektive Bewusstsein von Generationen freizeitsuchender Franken gebrannt hat.

Bis heute zeugt der im brauntonigen Schachbrettmuster verkleidete Sockel vom einstigen Glanz. Der darüber breit gelagerte Flachdachbau präsentiert eine strahlende Krone auf blauem Grund, wo ursprünglich eine amerikanisch inspirierte Leuchtreklame um Kunden warb. Im Inneren wurde in den frühen 2000er Jahren bereits kräftig umgestaltet, hinzu kamen Pauschalangebote wie das „Flirtbowling“, der „Junggesellenabschied“ oder „Good Morning Nürnberg“ für die ganze Familie. Doch die Ära der großen Bowling-Anlagen scheint vorüber: Ende 2019 soll der Bowling-Palast einem hakenförmigen Neubau weichen. Die Planung des Wohnkomplexes ging nach Wettbewerb an das Münchener Büro Grassinger Emrich, die ersten Mieter könnten 2021 einziehen. (kb, 3.3.19)

Nürnberg, Bowlingcenter „Brunswick“ (Bild: nuernberg.bowlingworld.de)

Auf dem Rummelplatz, Berlin, 1969 (Bild: © Roger Melis Nachlass)

Die Ostdeutschen

Roger Melis (1940-2009) gilt als führender Vertreter des ostdeutschen Fotorealismus. Bekannt wurde er in den 1960er und 1970er Jahren vor allem für seine Künstlerporträts – ob Anna Seghers, Heiner Müller, Christa Wolf, Sarah Kirsch oder Wolf Biermann. Mit der Kamera dokumentierte der Berliner Fotograf aber ebenso die unbekannten Bewohner der DDR zwischen dem Bau und dem Fall der Mauer. Über drei Jahrzehnte hielt Melis so ganz unideologisch das Alltagsleben im „Arbeiter und Bauern“-Staat fest.

Die Ausstellung „Roger Melis. Die Ostdeutschen“ ist vom 12. April bis zum 28. Juli 2019 zu sehen in der Berliner Reinbeckhallen (Reinbeckstraße 17). Die Vernissage wird am 11. April um 19 Uhr begangen. Die von der Stiftung Reinbeckhallen ausgerichtete und von Mathias Bertram kuratierte Ausstellung – eine Kooperation mit der LOOCK Galerie und dem Roger Melis Archiv – bildet die bislang umfangreichste Retrospektive der DDR-Fotografien von Roger Melis. Begleitend erscheinen im Lehmstedt Verlag „Die Ostdeutschen“ mit Reportagen und Porträts aus dem Nachlass des Künstlers sowie eine zweisprachige Neuausgabe von „In einem stillen Land“. (kb, 18.2.19)

oben: Auf dem Rummelplatz, Berlin, 1969; unten: Eva-Maria Hagen, Berlin, ca. 1965 (Bilder: © Roger Melis Nachlass)

Ausstellungsaufbau von "Underground Architecture" in der Berlinischen Galerie (Bild: Initiative Kerberos, 2019)

Berlin: Kerberos ist da!

Da wurde das Unterste zuoberst gekehrt: Ab sofort ist in der Berlinischen Galerie die Ausstellung „Underground Architecture“ zu sehen. Die Schau bringt die Berliner U-Bahnhofsarchitektur der 1950er bis 90er Jahre ans Tageslicht – genauer: in drei Ausstellungsräume des Berliner Landesmuseums für moderne Kunst. Neben bauzeitlichen Fotografien der Bahnhöfe stehen vor allem Skizzen und Zeichnungen aus den jeweiligen Entwurfsphasen im Mittelpunkt. Zu sehen gibt es Werke der U-Bahnhofsarchitekten Bruno Grimmek, Ralf Schüler, Ursulina Schüler-Witte und Rainer G. Rümmler, außerdem aktuelle Architekturfotos von Chris M Forsyth. Blickfang der Ausstellung dürfte der Kopf der Kerberos-Skulptur sein, die der Bildhauer Waldemar Grzimek Anfang der 1970er Jahre für den U-Bahnhof „Rathaus Steglitz“ entworfen hat.

Die Schau ist bis zum 20. Mai in Berlin zu sehen und bildet damit Auftakt und Nachklang für die internationale Tagung „Underground Architecture revisited“, die vom 20. bis 23. Februar ebenfalls in der Berlinischen Galerie stattfindet. Die Ausstellung wurde kuratiert von Ulla Müller und Kati Renner (Berlinische Galerie) mit wissenschaftlicher Beratung durch Ralf Liptau, Verena Pfeiffer-Kloss und Frank Schmitz (Initiative Kerberos). Die Tagung wird organisiert von ICOMOS Deutschland, dem Landesdenkmalamt Berlin und der Initiative Kerberos. moderneRegional ist Medienpartner beider Projekte. (rl/vp/rs, 16.2.19)

links: Berlin, U-Bahnhof „Schloßstraße“, 1974 (Bild: © Berlinische Galerie); rechts/oben: Ausstellungsaufbau (Bild: Initiative Kerberos)