Beck’s-Hochhaus – Verkauf und Denkmalschutz?

„Der Versuch, große zusammenhängende Arbeitsflächen durch höhenversetzte Geschosse zu verteilen und sie in ihrem räumlichen Wert zu steigern, wird anerkannt.“ Mit dieser geradezu euphorischen Begründung wurde das Bremer Verwaltungshochhaus der „AB InBev“ (damals noch Beck’s Brauerei) 1978 mit dem BDA-Preis ausgezeichnet. Gestaltet wurde das wabenförmige 51-Meter-Gebäude 1975 vom Architekten Ewald Brune. Nachdem vor einigen Jahren das vertraute Beck’s-Logo weichen musste, stehen nun weitere Änderungen an: Die weltgrößte Brauereigruppe „Anheuser-Busch InBev“, in deren verschlungenen Zusammenhängen Beck’s nach 2002 aufging, möchte das Verwaltungshochhaus verkaufen. Mutmaßlich, da der Raumbedarf nach weiteren Umstrukturierungen künftig geringer ausfallen dürfte. Kolportierter Verkaufspreis: 20 Millionen Euro.

Befürchtungen, das markante Spätmoderne-Gebäude könnte durch einen Umbau entstellt werden, kann man aber zumindest derzeit zerstreuen: Das Bremer Landesamt für Denkmalpflege plant, es unter Schutz zu stellen. Der Leiter Georg Skalecki sieht im Beck´s-Bau „eine kleine architektonische Ikone, mit Raffinesse entwickelt“, wie er Radio Bremen sagte. Dass in einer Facebook-Umfrage des Senders die Mehrheit der Kommentare ablehnend waren, kann Skalecki verstehen, aber: „Keine Dekade darf zeuglos bleiben.“ Die Denkmalschützer näherten sich aber nun einer Zeitperiode, deren Ästhetik nicht in der breiten Bevölkerung anerkannt sei. „Aber das darf uns nicht abschrecken. Wir müssen unsere Entscheidungen vermitteln.“ Also uns gefällt’s … (db, 7.8.17)

Bremen, Beck’s-Hochhaus (Bild: Daniel Bartetzko)

Berlin: neue U-Bahnhöfe unter Schutz

Auch wenn die Witterung nicht den Eindruck macht, in Berlin öffnet die Denkmalpflege gerade einen Adventskalender der besonderen Art: Stück für Stück, Türchen für Türchen werden U-Bahnstationen unter den besonderen Schutz des Staates gestellt. Heute Nachmittag vermeldet die „Berliner Zeitung“: „Neun DDR-Bahnhöfe kommen unter Denkmalschutz“. Gemeint sind die Stationen der U 5 zwischen Tierpark und Hönow. Diesem Teil der „einzigen zu DDR-Zeiten gebauten U-Bahnstrecke“ komme u. a. ein besonderer verkehrsgeschichtlicher Wert zu, zitiert die BZ den Kulturstaatssekretär Torsten Wöhlert.

Besagte U-Bahnhöfe wurden (ausgenommen der später erneuerte Halt „Kienberg/Neue Grottkauer Straße“) vom Entwurfs- und Vermessungsbetrieb der Deutschen Reichsbahn (EVDR) gestaltet. In Berlin wurden vor Kurzem bereits West-Berliner Bahnhöfe der Postmoderne unter Denkmalschutz gestellt. Im Verbund fügt sich damit langsam auch im Untergrund ein baugeschichtliches Bild der ehemals geteilten Stadt, wie es Initiativen wie „Kerberos“ in Berlin seit Monaten einfordern. Im September will eine Internationale ICOMOS-Tagung – thematisch passend – einen Blick auf das „stilistische Wettrüsten“ zu Zeiten der Internationalen Bauausstellung werfen, die in diesem Jahr ihr 60-jähriges Jubiliäum feiert. Wir freuen uns also schon auf künftige Meldungen mit Titeln wie: „Berlin stellt weitere U-Bahnstationen unter Schutz“. (kb, 6.8.17)

Nachtrag: Die Pressemeldungen von 2017 stellten sich als nicht exakt heraus: Die benannten DDR-U-Bahnhöfe stehen in der Vorbereitung zu einer Unterschutzstellung, die aber noch nicht formell zu einem Ende gebracht wurde. (kb, 24.2.19)

Berlin, U-Bahnhof „Tierpark“ (Bild: Phaeton1, CC BY SA 3.0)

Ein Abriss, ein Jubiläum und viel Stille

Wenn dieser Tage wieder der Abriss einer modernen Klosteranlage Schlagzeilen macht (Düsseldorf, Franziskanerkirche/St. Antonius, 1955, Heinz Thoma), dann ist ein – wenn auch zehnjähriges – Kloster-Jubiläum umso mehr zu feiern: Vom 5. bis zum 6. August begeht die evangelische Communität Don Camillo den freudigen Anlass mit Ausstellung, Führungen, Konzerten und Turmbesteigungen. Über das ganze Jahr bietet die Segenskirche (1908, August Dinklage/Ernst Paulus/Olaf Lilloe) in Berliner-Prenzlauer Berg als „Stadtkloster“ ebenso Spirituelles für Passanten wie Gästezimmer für Ruhebedürftige.

Auch ein klarer Betonbau dient in der Hauptstadt als Klosterkirche: Der Karmel hat seinen Sitz seit 1984 an der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum (1963, Hans Schädel/Herbert Jünemann/Friedrich Ebert). In direkter Nachbarschaft zur Gedenkstätte Plötzensee, einer ehemaligen NS-Haftanstalt, verstehen sich die Schwestern auch als Hüterinnen der Erinnerung. In Berlin reicht die Palette – der Tagesspiegel spricht 2014 von 400 Nonnen und 125 Mönchen (Buddhisten mitgerechnet) – vom (für Berliner Verhältnisse alteingesessenen) Dominikanerkloster St. Paulus (Engelbert Seibertz, 1893) in Moabit bis hin zu den abgeschiedenen Steyler Anbetungsschwestern in St. Gabriel/Mariae Verkündigung (1937, Martin Braunstorfinger) in Westend. (kb, 3.8.17)

Titelbild: Berlin-Plötzensee, Maria Regina Martyrum (Bild: Rabanus Flavus, CC BY SA 4.0)