Wandschmuck mit Widerhaken

Wandschmuck mit Widerhaken

Grundremmingen (Bild: atomteller.de)
Grundremmingen (Bild: atomteller.de)

„Material: Porzellan, Abmessung: d = 20 cm, Farbe: Kobaltblau, Eigenschaften: spülmaschinenfest mikrowellengeeignet“ – klingt nach dem idealen Schwiegermuttergeschenk. Doch ein Blick auf das Motiv des delfterartigen Schmucktellers lohnt: Atomkraftwerke von Biblis bis Würgassen. „Denkmäler des Irrtums – Hoffnung von Gestern – Folklore von Morgen“ nennen die beiden Designer ihr Produkt. Die Autorin und Regisseurin Mia Grau schuf gemeinsam mit dem Architekten und Gestalter Andree Weissert einen Wandschmuck mit Widerhaken: den Atomteller.

„Wandteller stehen für Heimat, Idylle, Nostalgie, für Windmühlen in Delfter Blau“, so die Tellermacher. Und die Windmühlen des 20. Jahrhunderts seien nun einmal die Atomkraftwerke. Man kann sie mögen oder nicht, sie prägen seit Jahrzehnten viele Landstriche und sind damit auch zum Identitätsträger vieler ihrer Bewohner geworden. Doch haben sich die einstigen Ikonen des Fortschritts zu Relikten des Kalten Kriegs gewandelt. „Die Tage der Windmühlen sind längst vergangen und nun neigt sich die Dämmerung über die Ära der deutschen Atomkraft.“ Also genau der richtige Zeitpunkt, ihnen einen „futuronostalgischen“ Rahmen in Delftblau zu verpassen. Produziert wird der Atomteller übrigens nur in Deutschland – und auf Wunsch auch im Geschenkkarton geliefert. (kb, 31.1.16)

Kampf um das Mercure Hotel Potsdam

Kampf um das Mercure Hotel Potsdam

Potsdam, Interhotel (Bild: Bundesarchiv Bild 183-J0721-0301-001, CC BY SA 3.0.de, Foto: Hubert Link, 1970)
Stört die Vorkriegs-Romantik: das ehemalige Interhotel Potsdam (Bild: Bundesarchiv Bild 183-J0721-0301-001, CC BY SA 3.0.de, Foto: Hubert Link, 1970)

Die Debatte um das Mercure Hotel Potsdam erreicht einen neuen Höhepunkt: Die Stadtführung strebt an, das Gebäude vor dem rekonstruierten Potsdamer Stadtschloss langfristig zugunsten einer „Wiese des Volkes“ abzureißen und das alte Stadtbild der Vorkriegszeit wiederherzustellen. Nun plant Potsdam eine Sanierungssperre für das Gebäude. Als das Hotel am 1. Mai 1969 eröffnet wurde, gehörte es zur DDR-Hotelkette Interhotel. Walter Ulbrich lobte den Prestigebau als „sozialistische Stadtkrone“ von Potsdam, als neue Höhendominante der wiederaufgebauten Stadt. Das alte Stadtschloss hingegen hatte man, gegen den Widerstand der Bevölkerung, abgerissen.

Nun scheint sich die Geschichte in umgekehrter Richtung zu wiederholen: Der Antrag der Stadt sieht vor, dass das zuständige Bauamt zukünftig jeden Antrag auf Sanierung oder Umbau ablehnen könne. Langfristig solle der 17-stöckige Plattenbau angekauft und abgerissen werden. So würde es den Blick freimachen auf das Ensemble aus Nikolaikirche und Stadtschloss. Doch die Bevölkerung wehrt sich: Die Abgeordneten der Linken fordern eine Bürgerbefragung und die Presse, vor allem die Potsdamer Neuesten Nachrichten, schreibt energisch gegen die Pläne an. Die für den 27. Januar geplante Abstimmung wurde nun vertagt. (ps, 28.1.16)

Viadukt Chemnitz vor dem Abbruch

Viadukt Chemnitz vor dem Abbruch

Chemnitz, Viadukt (Bild: GravitatOff, CC BY-SA 2.0)
Quo vadis, Viadukt? Die Bahn will das einstige Wahrzeichen des modernen Chemnitz abreißen (Bild: GravitatOff, CC BY SA 2.0)

Zugegeben, das Bahnviadukt Chemnitz ist mit Baujahr 1906 nicht gerade ein Paradebeispiel für die Nachkriegsmoderne. Doch ist es als ehedem zukunftsweisendes Technikbauwerk von so großer Bedeutung, dass uns die Meldung des drohenden Abrisses auch an dieser Stelle angebracht scheint. Die Bahn AG und das Eisenbahnamt haben nun beim Freistaat Sachsen Pläne für den Abbruch sämtlicher Eisenbahnüberführungen entlang des sogenannten Chemnitzer Bahnbogens vorgestellt – dazu gehört auch das Viadukt an der Annaberger Straße. Es soll durch einen Neubau des Darmstädter Ingenieurbüros Krebs + Kiefer ersetzt werden.

Das Vorhaben war seit Längerem bekannt und umstritten, doch nun konkretisieren sich die Abrisspläne. Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens bei der Landesdirektion Sachsen können Behörden, Verbände und Bürger noch bis zum 26. Februar 2016 Widerspruch gegen die Pläne einreichen. Hierbei ist es besonders wichtig, bei der Einwendung den geltend gemachten Belang und das Maß seiner Beeinträchtigung deutlich hervorzuheben, teilt die Landesdirektion mit. Unter www.stadtforum-chemnitz.de wird zum Erhalt des Viadukts aufgerufen, das einst Symbol für das moderne Chemnitz war und etliche Postkarten zierte. (db, 28.1.16)