Royales Gold für Zaha Hadid

Royales Gold für Zaha Hadid

Weil am Rhein, Vitra-Werk, Feuerwehrhaus (Bild: Pjt56, CC BY SA 4.0)
Weil am Rhein, Vitra-Werk, Feuerwehrhaus (Bild: Pjt56, CC BY SA 4.0)

Seit 1848 wird die Royal Gold Medal an Architekten verliehen, 2016 geht sie an Zaha Hadid – und damit zum ersten Mal an eine Frau. Schon 2004 ernannte man die Architekturprofessorin und Designerin zur ersten weiblichen Pritzker-Preisträgerin. Dabei spielt die Künstlerin, die ihren Stil selbst „kinetisch“ nennt, schon seit Jahrzehnten mit den Grenzen: Sie wurde in Bagdad geboren und hat die britische Staatsangehörigkeit, sie entwarf die Bibliothek der Wirtschaftsuniversität Wien (2013) und das Bühnenbild für die Welt-Tour der Pet Shop Boys (1999/2000), sie wurde bekannt im späten 20. und berühmt im frühen 21. Jahrhundert.

Schon als Kind soll Hadid ihr Zimmer in Bagdad im Stil des Bauhaus umgestaltet haben. Hadid studierte Mathematik und Architektur in Beirut und London. Im deutschsprachigen Raum machte sie sich 1993 mit dem Feuerwehrhaus für Vitra-Werk in Weil am Rhein bekannt, um 2005 mit dem Wolfsburger phaeno-Museum eine breitere Öffentlichkeit für sich zu gewinnen. Zur Auszeichnung mit der Royal Gold Medal wird das Jurymitglied Peter Cook vom Architekturmagazin „Baumeister“ zitiert: „Wir hätten die Medaille einer würdigen, glatten Persönlichkeit verleihen können. Das haben wir aber nicht, wir haben Zaha ausgewählt: überlebensgroß, frech wie Oskar, und sicherlich auf einer Mission. Unsere Heldin.“ Wir gratulieren! (kb, 24.9.15)

Quedlinburg: Abriss der Platte?

Quedlinburg: Abriss der Platte?

Quedlinburg-Quarmbeck (Bild: panoramio, Bergkristall)
Quedlinburg-Quarmbeck (Bild: panoramio, Bergkristall)

Quedlinburg ist berühmt – und zudem UNESCO-Kulturdenkmal – für seine Fachwerkaltstadt. Und doch gibt es in diesen Tagen eine kleine Gruppe Menschen, die in diesen „Butzen“ nicht leben mögen. Sie wollen ihrem kleinen, aber grünen Stadtteil Quarmbeck treu bleiben, der weitgehend durch ostmoderne „Platte“ geprägt wird. Die Diskussion kam ins Rollen, als die lokale Wohnungswirtschaftsgesellschaft (Wowi), eine hundertprozentige Tochter der Stadt, laut über einen vollständigen Abriss nachdachte.

Man könne sich, äußerte die Wowi gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung, einen hohen Leerstand in dieser Wohnlage auf Dauer nicht leisten. Sei doch die Einwohnerzahl des kleinen „Stadtteils“ mit schlechter Infrastruktur auf knapp 300 gesunken. Die Quarmbecker hingegen schätzen die Nähe zur Natur, den Zusammenhalt in der vertrauten Nachbarschaft. Nach dem Abzug der russischen Streitkräfte, die in Quarmbeck stationiert waren, hatte die Stadt hier Wohnraum sanieren lassen und durch kostengünstige Mietangebote neue Bewohner angelockt. Nun fürchten eben diese, in Quedlinburgs Altstadt wieder stärker in die Tasche greifen zu müssen. Als Kompromiss könnte sich herauskristallisieren, dass die verbliebenen Einwohner in einigen Häusern zusammenziehen, während die übrigen niedergelegt werden. Dies sei, so Oberbürgermeister Frank Ruch (CDU) gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung, wirtschaftlich vertretbar. (kb, 24.9.15)

Ruhestand fürs Pumpspeicherwerk

Ruhestand fürs Pumpspeicherwerk

Das 1927-30 errichtete Pumpspeicherwerk Niederwartha wird ab Januar 2016 heruntergefahren - die Zukunft ist ungewiss (Bild: Kolossos, CC BY-SA 3.0)
Das 1927-30 errichtete Pumpspeicherwerk Niederwartha wird ab Januar 2016 heruntergefahren – die Zukunft ist ungewiss (Bild: Kolossos, CC BY-SA 3.0)

Das 1930 fertiggestellte Pumpspeicherwerk Niederwartha war einst eines der modernsten Kraftwerke Europas. Der Bau des Architekten und Hochschullehrers Emil Högg (1867-1954) versorgte den Raum Dresden mit Strom. Der aktuelle Besitzer, der Energiekonzern Vattenfall, hat sich nun nach einer jahrelangen Hängepartie dazu entschlossen, das Kraftwerk endgültig stillzulegen. Schon seit Längerem waren nur noch zwei der sechs Francis-Turbinen in Betrieb, die übrigen wegen Defekten abgeschaltet. 2008 hatte Vattenfall prüfen lassen, wie eine Modernisierung der Anlage aussehen könnte, ursprünglich sollten die zwei Turbinen durch eine Großturbine mit einer Leistung von 120 Megawatt ersetzt werden. Dann änderten sich die Bedingungen des Strommarkts: Heute müssen die Betreiber Nutzungsentgelte für Pumpstrom zahlen, die Renovierung der Anlage in Niederwartha erschien unwirtschaftlich, Vattenfall zog nun die Bremse.

Schon 2012 wurde eine Bürgerinitiative zum Erhalt des historischen Pumpspeicherwerks gegründet. Sie setzt sich dafür ein, die Netznutzungsentgelte für PSW zu ändern oder abzuschaffen. Außerdem wünscht sie sich, dass Investoren die Anlage modernisieren. Daraus wird nun offensichtlich nichts, und auch, was aus dem gut erhaltenen, denkmalgeschützten Backsteinbau werden soll, ist unklar. Die Hallen, gestalterisch zwischen Moderne und Expressionismus angesiedelt, wurden zuletzt 2003 nach dem Elbhochwasser instandgesetzt. (db, 21.9.15)