Herten: Kaufhaus wird Kulturhaus?

Herten: Kaufhaus wird Kulturhaus?

Herten, ehemaliger Woolworth (Bild: HER10, Blog Kreativ.Quartier Herten)
Von der Kaufhalle zum Kunstraum, zumindest vorübergehend: der ehemalige Woolworth in Herten (Bild: HER10, Blog Kreativ.Quartier Herten)

Die Hertener nennen ihn liebevoll „Wolli“: Nun stehen die Räume des ehemaligen Kaufhauses Woolworth in der Fußgängerzone Ewaldstraße leer. Von Abriss des 1970er-Jahre Bauwerks ist die Rede, alles zugunsten eines Umbaus der südlichen Innenstadt. Doch während der Hertener Sommerakademie in diesem Jahr fanden sich hier zwei Wochen lang rund 30 Studenten aus Deutschland, Belgien, Holland oder Chile mit Hertener Akteuren an Kunst- und Kulturprojekten zusammen.

Seit Anfang September können nun Kunst- und Kulturschaffende das Gebäude als Zwischennutzer für ihre Projekte mieten. Dafür erhebt die Stadt Herten als Eigentümerin der Immobilie keine Gebühren oder Miete – sie bittet nur darum, die Räume nach der Benutzung zu reinigen. Für die kommenden Wochen und Monaten haben sich unter anderem bereits eine Ausstellung gegen rechte Gewalt oder eine bildende Künstlerin angemeldet. Falls eine neue, dauerhafte Nutzung gefunden wird, könnte – so hofft die Initiative Kreativ.Quartier Herten – ein Abriss vermieden werden. Bis zu dieser Entscheidung können sich an einer Zwischennutzung Interessierte bei der Stadt Herten melden, um ihr Projekt kurz vorzustellen und Termine abzusprechen: Claudia Heinrichs, 02366/303300, c.heinrichs@herten.de. (kb, 3.10.15)

Die große feierliche Dumbo-Eröffnung

Die große feierliche Dumbo-Eröffnung

Neubrandenburg-Ost, Spielplatz, 1974 (Bild: Bundesarchiv Bild 183-N0606-0313, CC BY SA 3.0.de, Foto: Benno Bartocha)
Die Rüsselrutsche: 1974 auf einem Spielplatz in Neubrandenburg-Ost (Bild: Bundesarchiv Bild 183-N0606-0313, CC BY SA 3.0.de, Foto: Benno Bartocha)

Dumbo ist wieder da: Um 1970 gab es in Neubrandenburg viele der grauen Betonriesen. Entworfen von der „Produktionsgenossenschaft Kunst am Bau“, dienten sie als Rutschen auf so manchem Spielplatz. Aus einzelnen vorgefertigten Betonelementen setzte sie die „PGH Grünanlagen- und Sportplatzbau Neubrandenburg“ dann jeweils vor Ort zusammen.

Nur noch wenige der Rüsselrutschen haben es unbeschadet bis in die Nachwendezeit geschafft. Um einen demontierten – ursprünglich im Hof der Curiestraße aufgestellten – Dickhäuter zu retten, fanden sich 2014 engagierte Neubrandenburger zusammen. Inzwischen hat es die Gemeinschaft mit eigenem Facebookauftritt und vielen lokalen Unterstützern geschafft, dieses Zeugnis ostmoderner Alltagskultur wiederherzurichten und im Neubrandenburger Kulturpark aufzustellen. Das muss gefeiert werden: Am Montag, den 5. Oktober sind alle großen und kleinen Rutschbegeisterten zur Einweihung um 14:30 Uhr in den Kulturpark eingeladen. (kb, 29.9.15)

Hamburg: Allianz-Hochhaus fällt 2017

Hamburg: Allianz-Hochhaus fällt 2017

Das Hamburger Allianz-Hochhaus (1969-71) wird 2017 abgerissen - Zwischennutzung unerwünscht (Bild: Hagen Stier)
Das Hamburger Allianz-Hochhaus (1969-71) wird 2017 abgerissen – Zwischennutzung unerwünscht (Bild: Hagen Stier)

Dass Siebziger-Jahre-Gebäude derzeit flächendeckend zugunsten einer natursteinverkleideten, neo-traditionalistischen  Architektur Platz machen, ist Trend. Baldiges Opfer dieses Trends wird das Allianz-Hochhaus in Hamburg – es wird voraussichtlich 2017 abgerissen. Schon vor 3 Jahren hat der Versicherungskonzern sein Gebäude am Großen Burstah geräumt; zunächst erwarb es der Investor Quantum Immobilien, jüngst übernahm die Commerzbank-Tochter Commerz Real die finanzielle Federführung des anstehenden Großprojekts: Anstelle des 1969-71 errichteten Allianz-Komplexes soll ein neues Büro-Ensemble nach Plänen des britischen Büros Caruso St. John entstehen.

In bester Innenstadtlage retten auch große Namen keine Bauwerke: Das Allianz-Gebäude ist eines der letzten realisierten Projekte des Architekten und Stadtplaners Bernhard Hermkes (1903-1995), der in Hamburg unter anderem die Großmarkthalle und das Audimax entwarf, zudemdie Architektur-Fakultät der TU Berlin und das Kraftwerk Wedel. Eine Zwischennutzung des durch erste Vandalismusspuren gezeichneten Gebäudes ist nicht erwünscht. Im Juli wurden die Eingangsbereiche eingezäunt, um Obdachlose fernzuhalten. Auch als vorübergehende Flüchtlingsunterkunft steht es nach Anfrage des Hamburger Abendblatts nicht zur Verfügung. (db, 25.9.15)