Friedhelm Grundmann ist tot

Friedhelm Grundmann ist tot

Friedhelm Grundmann erklärt zeichnerisch das Stützensystem der Station "Lübecker Straße" (Bild: D. Bartetzko)
Friedhelm Grundmann erklärt zeichnerisch das Stützensystem der Hamburger U-Bahnstation „Lübecker Straße“ (Bild: D. Bartetzko)

Manche Nachrichten schreiben sich schwer, sehr schwer: Der Hamburger Architekt Friedhelm Grundmann ist am 27. Oktober 2015 im Alter von 90 Jahren verstorben. Friedhelm Grundmann, geboren 1925 im schlesischen Bad Warmbrunn als Sohn des Kunsthistorikers und Denkmalpflegers Günther Grundmann, zog mit seiner Familie 1932 nach Breslau.

Nach seinem, durch den Krieg unterbrochenen, Studium in Breslau und München war Grundmann bis 1956 im Hamburger Büro von Werner Kallmorgen tätig. Anschließend arbeitete er selbständig in verschiedenen Partnerschaften, so mit Horst Sandtmann, Friedhelm Zeuner, Otto E. Rehder und zuletzt Mathias Hein. Bekannt wurde Grundmann durch seine modernen Kirchen, viele davon in Hamburg. Unter ihnen sind die kubische Simeonskirche (1965) und das kunterbunte Gemeindezentrum Mümmelmannsberg (1976). Daneben verwirklichte er in Hamburg zahlreiche U-Bahn-Projekte: vom Neubau der gewagten Kuppel „Lübecker Straße“ (1961) bis zur Ergänzung des Bahnhofs „Wandsbek Markt“ (2005). Grundmann lehrte in Hamburg, war Mitglied u. a. im Hamburger Denkmalrat und im Arbeitsausschuss des Evangelischen Kirchbautags. Die Trauerfeier für Friedhelm Grundmann findet am 6. November um 12:30 Uhr in der Fritz-Schumacher-Halle des Hauptfriedhofs in Hamburg-Ohlsdorf statt. ModernREGIONAL trauert um einen im besten Wortsinn feinsinnigen Baumeister. (kb, 2.11.15)

moderneREGIONAL im Gespräch mit Friedhelm Grundmann

Porträt zu Friedhelm Grundmann auf hamburger-untergrundbahn.de

Wird Gruner-und-Jahr-Bau verkauft?

Wird Gruner-und-Jahr-Bau verkauft?

Hamburg, Grunner und Jahr-Gebäude (Bild: Lukas, München (Flickr), CC BY 2.0)
Bald in neuen Händen? Das Gruner-und-Jahr-Gebäude am Hamburger Baumwall (Bild: Lukas, München (Flickr), CC BY 2.0)

Ein Bau voll (maritimer) Anspielungen: zinkverkleidete Mauern mit Reling wie im Hafen, Blöcke auf Stützen wie bei der Hochbahn, Zeilen mit verbindenden Querbauten wie im Gängeviertel. Die Rede ist vom Hamburger Gruner-und-Jahr-Gebäude am Baumwall. Das markante Baukunstwerk wurde bis 1990 von den Architekten Steidle & Partner und Kiessler & Partner gestaltet. Auf stolzen 50.000 Quadratmetern Nutzfläche arbeiten aktuell rund 2.000 Menschen für den Medienkonzern Grunner und Jahr.

Und eben dieses stadtbildprägende Ensemble könnte nun den Besitzer wechseln. Gegenüber dem Hamburger Abendblatt bestätigte die Finanzbehörde, dass man in Verkaufsverhandlungen stehe. Für den Verlag könnte, so spekuliert das Abendblatt, ein neuer Standort in der Hafencity reizvoll sein. Und was würde die Stadt mit dem Neukauf anfangen? Die Überlegungen könnten etwa in Richtung Universität gehen. In jedem Fall böte der auf Kommunikation hin gestaltete Komplex hierfür alle Vorzüge. Besten Michel-Blick inklusive. (kb, 1.11.15)

 

Koepchenwerk auf der Kippe

Koepchenwerk auf der Kippe

Stadtwahrzeichen, Industriedenkmal und trotzdem vom Abriss bedroht: das Koepchenwerk in Herdecke (Bild: Thorsten Bachner, CC BY 3.0)
Wahrzeichen, Industriedenkmal und trotzdem vom Abriss bedroht: das Koepchenwerk in Herdecke (Bild: Thorsten Bachner, CC BY 3.0)

Über Los Angeles prangt der Hollywood-Schriftzug. Oberhalb von Herdecke, am Rand des Hengsteysees, prangt das RWE-Logo. Es gehört zum Pumpenhaus des Koepchenwerks, längst Wahrzeichen der Ruhr-Stadt. Der 1927-30 errichtete Bau, dessen Name sich von seinem Planer Arthur Koepchen ableitet, ist neben dem Pumpspeicherwerk Niederwartha der zweitälteste deutsche Bau dieser Art. 1986 wurde es unter Denkmalschutz gestellt, seit 1994 ist das Koepchenwerk stillgelegt. Neben dem Altbau wurde ein neues Kraftwerk errichtet.

Bis vor kurzem war das technische Denkmal noch als Teil der „Route der Industriekultur“ zu besichtigen. Nun hat der Besitzer RWE im Januar 2015 einen Abbruchantrag gestellt, die Erhaltungskosten seien zu hoch. Gegen die geplante Zerstörung regt sich Widerstand. Regina Schrader, Großnichte von Arthur Koepchen, will den Abriss verhindern und gründete die Arbeitsgemeinschaft Koepchenwerk – die Gründungsveranstaltung findet am 26. November in Herdecke in der Frühlingsstraße statt (nähere Informationen unter: kontakt@ag-koepchenwerk.de). Zu den Unterstützern gehört auch der in Herdecke aufgewachsene Schauspieler Jörg Hartmann, Kommissar im Dortmunder Tatort. Die „Bild“-Zeitung zitiert ihn mit: „Wer mit dem Argument der Unwirtschaftlichkeit den Abriss eines Denkmals befürwortet, kann den Kölner Dom ja gleich mit abreißen. Das Herdecker Koepchenwerk ist ein bedeutendes Zeugnis unserer Geschichte und sein Erhalt sollte uns einiges wert sein.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. (db, 28.10.15)