Bonn: Museum mit Chlor-Geruch?

Fenster_Viktoriabad (Bild: Hagmann, CC-BY-SA 3.0)
Die Fensterfront des Viktoriabades wurde von Gottfried Böhm gestaltet und steht seit 2013 unter Denkmalschutz (Bild: Hagmann, CC BY SA 3.0)

Seit 1998 sitzt das Bonner Stadtmuseum im Obergeschoss des alten Viktoriabades im Zentrum der Stadt. Das Schwimmbad steht seit der Schließung im Jahr 2010 leer, ein großangelegtes Bauprojekt für den umliegenden Wohnblock scheiterte jüngst. Nun schlägt Gisbert Knopp, der Direktor des Stadtmuseums, nach Informationen des Bonner Generalanzeigers eine neue Nutzung der verwaisten Schwimmhallen vor: Die ehemalige Badeanstalt soll gänzlich zum Museum umfunktioniert werden. Momentan ist den Besuchern auf Grund der beengten Platzverhältnisse nur ein Bruchteil der Sammlung des Stadtmuseums zugänglich.

Stadthistorisches Potential hat der Bau allemal. 1906 wurde er feierlich in Beisein der Namenspatronin Viktoria zu Schaumburg-Lippe, der Schwester Wilhelms II., als erstes Hallenbad der Stadt eröffnet. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Bad zwar beschädigt, konnte jedoch wieder aufgebaut werden. In den 1960ern entschied man sich schließlich, den historischen Bau abzureißen und an seiner Stelle das heutige Viktoriabad zu errichten. Es wurde 1971 eröffnet. Highlight des nüchternen Baus ist die 30 x 7,60 Meter große Fensterfront, die von Gottfried Böhm gestaltet wurde. Seit 2013 steht sie unter Denkmalschutz. (jr, 12.4.16)

Das neue Heft ist online: Umbrüchig

Das neue Heft ist online: Umbrüchig

Moskau, Pavillon 14 "Radioelektronik und Netze" (1938) (Bild: Vladimir Jarockij)
Umbau- und Rekonstruktionsarbeit am Moskauer Pavillon 14 „Radioelektronik und Netze“ (1938/59) (Bild: Vladimir Jarockij)

Kaum ein Land erlebte in so kurzer Zeit so viele gesellschaftliche Umbrüche wie die ehemalige Sowjetunion. Wie aber veränderte sich die Architektur mit den Machtwechseln der letzten 100 Jahre? Das mR-Frühjahrsheft (Redaktion: Julius Reinsberg/Katharina Sebold) dreht sich um die Prestigeprojekte der Sowjetmoderne: von den Hoffnungen des Konstruktivismus über Stalins Neoklassizismus und die straffe Moderne Chruščëvs bis hin zu den postmodernen Aufbrüchen der Perestroijka.

Im Leitartikel liest Monica Rüthers im „zerklüfteten Gewebe“ russischer Städte. Elke Pistorius sucht in Magnitogorsk nach Spuren von Ernst May und Co. Katharina Sebold staunt über den Umbau einer neuromanischen Kirche zum sozialistischen Kulturhaus. Arne Winkelmann macht stilvolle Ferien im Pionierlager Artek. Philipp Meuser schildert , wie Nikita Chruščëv sich der Platte bediente. Im Interview sprachen Julius Reinsberg und Katharina Sebold mit dem Historiker Karl Schlögel über Wurzeln und Zukunft des sozialistischen Bauens. Im Porträt entfaltet Kirsten Angermann das Phänomen Papierarchitektur. Und in der Fotostrecke zeigt Vladimir Jarockij umgenutzte Verlagshäuser, Fabrikhallen, Garagen und Messepavillons. (db/kb/jr, 10.4.16)

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„Solange, bis du es schön findest!“

„Solange, bis du es schön findest!“

Aktion des Projekts "SpielRaumStadt" (Bild: SpielRaumStadt)
Eine der Aufgaben: Setze dich solange mit dem Bauwerk auseinander, bis du etwas Gutes darüber sagen/schreiben kannst! (Bild: SpielRaumStadt)

Es gehört zu den ewigen Ungerechtigkeiten, dass Kinder ihren Geschmack von den Erwachsenen erben – in der Zustimmung wie in der Ablehnung. Und was die emotionale Bindung an Beton angeht, haben die umweltbewegten Eltern und Großeltern ganze Arbeit geleistet. Oder ist es einfach ein urmenschlicher Impuls, Kunststein unkünstlerisch zu finden? Dieser und ähnlichen Fragen geht aktuell das Projekt „SpielRaumStadt“ der Berliner Universität der Künste nach. Das Team um Kirsten Winderlich und Turit Fröbe arbeitet und forscht gemeinsam mit den Kindern im Stadtraum, um mit ihnen darüber ins Philosophieren zu kommen.

Die Kindern erhalten damit die Chance, einen wohlwollenden Blick auf ihre gebaute Umgebung zu werfen – auch auf die moderne. Dabei steht nicht das Herausragende im Mitelpunkt, sondern der Alltagsraum der Kinder. In Kleingruppen hat das Team im Umfeld der Schulen übersehene „Würdigkeiten“ aufgespürt. SpielRaumStadt ist eine Kooperation der Studiengänge Architektur und Grundschullehramt Kunst. Wer das Vorhaben gut findet, kann auch ganz konkret zu seinem Gelingen beitragen. Per Crowdfunding-Aufruf werden noch bis bis zum 16. April Gelder eingesammelt: Entstehen sollen ein „Stadtforscherspiel“ und ein Buch. (kb, 9.4.16)