Es ist entschieden!

Ende 2015 wollte die Wüstenrotstiftung mit ihrer Ausschreibung “Kirchengebäude und ihre Zukunft” aufzeigen, dass für – vor allem moderne – Kirchen mehr geht als Abriss. Aus insgesamt 291 Einsendungen hat die Wettbewerbsjury unter Vorsitz von Prof. Dr. Kerstin Wittmann-Englert nun zwei aus ihrer Sicht „besonders herausragende Lösungen“ gefunden, die je einen mit 10.000 Euro dotierten Preisen erhalten. Ausgezeichnet wurde zum einen die katholische Heilig-Geist-Kirche der St. Martinus-Gemeinde in Olpe, die vom Kölner Büro Schilling Architekten zur „offenen Kirche“ umgestaltet wurde. Zum anderen wählte man die evangelische Kirche in Bochum-Stahlhausen, die mit dem „Verein für multikulturelle Kinder- und Jugendhilfe – Migrationsarbeit“ durch das örtliche Büro Soan Architekten einen multireligiösen offenen Andachtsraums erhielt.

Die zweite Kategorie bilden zwei Preise zu je 7.500 Euro: Die Kolumbariumskirche Heilige Familie in Osnabrück (1961, E. A. Kroeber/H. Rickmann), umgestaltet vom Münsteraner Büro Klodwig & Partner Architekten, bildet für die Jury ein besonders gelungenes Beispiel, wie sich die Verkleinerung des Gottesdienstraumes wie selbstverständlich mit der zusätzlichen neuen Kolumbariumsnutzung verbindet. Und der evangelischen Philippuskirche (1963, W. Handreck) in Mannheim verpasste das Karlsruher Architekturbüro Veit Ruser + Partner ein erweitertes und differenzierteres Nutzungskonzept. (kb, 19.1.16)

Einer der Preisträger: die Umgestaltung der Osnabrücker Kirche Hl. Familie zum Kolumbarium mit liturgischem Kern (Bild: Wüstenrot Stiftung)

Hamburg: Aus für die Postpyramide

In der Hamburger City Nord geht es der als „Postpyramide“ bekannten Oberpostdirektion an den Kragen. Mitte Januar diesen Jahres kaufte ein Investoren-Joint Venture das Gebäude. Obwohl sein Spitzname eine längere Halbwertszeit erwarten ließe, wird der 70er-Jahrebau wohl bald abgerissen. An seiner Stelle soll ein neuer Turm mit Büros und Wohnungen entstehen. Das Viertel wird damit von der ursprünglichen Konzeption als reine Bürostadt weggeführt.

Die City Nord entstand seit den 1960er Jahren als Reaktion auf die steigende Nachfrage nach Büroflächen in der Hansestadt. Oberbaudirektor Werner Hebebrand hatte sich von Projekten in den USA inspirieren lassen, wo solche „Commercial Parks“ keine Seltenheit waren. In den Folgejahren entstanden auf dem Areal repräsentative Firmensitze, darunter auch architektonische Highlights wie die von Arne Jacobsen entworfene HEW-Zentrale. Auch die Oberpostdirektion galt damals als Vorzeigeprojekt. Während einige der anderen Bürotürme bei der Neukonzeption des Quartiers berücksichtigt wurden, galt die Postpyramide aber in jüngster Zeit als „Problem-Immobilie“. Die Bagger sollen 2017 anrollen – doch es regt sich auch Widerstand. (jr, 19.1.16)

Bald Geschichte: die Postpyramide in Hamburg (Bild: Staro1, GNU FDL oder CC BY SA 3.0)

Das neue Heft ist da: Pretty Ugly

Moderne hat zurückhaltend und nobel zu sein. Was machen wir aber mit den Bauten der 1970er und 1980er Jahre, die spät- und postmoderne Freude an dem Spiel mit Formen und Farben zeigten? Das Winter-Heft von moderneREGIONAL „Pretty Ugly – zu schön, um modern zu sein“ (Redaktion: Daniel Bartetzko) wandelt auf den Spuren eines Stils, der uns größtenteils noch zu nah ist, um seine Werte erkennen zu können.

Im Leitartikel sinniert Till Briegleb über die Schönheit, den Geschmack und die Vergänglichkeit der späten Moderne. Karin Berkemann staunt über einen opulenten 1980er-Jahre-Bau im hessischen Langen. Jan Kampshoff setzt ein gescheitertes Zukunftsprojekt ins Bild: das Habiflex in Dorsten. Karin Hartmann untersucht die Unwirtlichkeit einer modernen Fußgängerzone, der Königsplätze in Paderborn. Christian Holl betritt den postmodernsten Straßenzug der Mainmetropole, die Frankfurter Saalgasse. Uta Winterhager freut sich an farbfrohen Kölner Hochhausfassaden. Turit Fröbe fotografiert Bausünden in ganz Deutschland. Und schließlich spricht Daniel Bartetzko mit Ursulina Schüler-Witte über den Berliner Bierpinsel. (db,  18.1.16)

Wer sagt, der Klassizismus müsse vorbei sein: Pfaffenhausen, RAICO-Firmensitz (Bild: Gnathostomata, GFDL oder CC BY SA 3.0)