Das ‚heilige Parkhaus‘ wird saniert

Die St. Wilhelmskirche in Berlin-Spandau wird von ihrem Pfarrer liebevoll ‚das heilige Parkhaus‘ genannt, wegen seiner modernen Ästhetik und weil man hier – ganz bildlich gesprochen – die Seele parken und stärken könne. Nun stellt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz der Kirche umfangreiche Mittel für die Restaurierung zur Verfügung.

Die katholische Kirche wurde 1965 eingeweiht. Entworfen wurde sie von Ulrich Craemer, der für den Bau moderne Werkstoffe wählte, die ansonsten vor allem aus ganz profanen Gebäuden wie eben Parkhäusern bekannt sind. Der reduzierte klare Stahlbeton-Skelettbau aus Ortbeton hat ein Flachdach und große Fensterflächen aus Aluminium-Rahmenfenstern. Dank der waagerechten Betonlamellen im Innenraum gelangt das Licht nur indirekt hinein und erzeugt dort einen hellen Raum. Davon ist Pfarrer Zimmermann besonders begeistert: „Das unterschiedliche Licht zaubert immer wieder eine andere Atmosphäre.“ Wegen der besonderen Materialien und der außergewöhnlichen Lichtführung steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz fördert nun die Sanierung der Außenfassade. Mehr zum Kirchenbau der Nachkriegsmoderne gibt es auch im mR-Herbstheft. (ps, 22.1.16)

Ein Bau mit vielen Namen: St. Wilhelm in Berlin-Spandau (Bild: Bodo Kubrak, gemeinfrei, Public Domain)

Es ist entschieden!

Ende 2015 wollte die Wüstenrotstiftung mit ihrer Ausschreibung “Kirchengebäude und ihre Zukunft” aufzeigen, dass für – vor allem moderne – Kirchen mehr geht als Abriss. Aus insgesamt 291 Einsendungen hat die Wettbewerbsjury unter Vorsitz von Prof. Dr. Kerstin Wittmann-Englert nun zwei aus ihrer Sicht „besonders herausragende Lösungen“ gefunden, die je einen mit 10.000 Euro dotierten Preisen erhalten. Ausgezeichnet wurde zum einen die katholische Heilig-Geist-Kirche der St. Martinus-Gemeinde in Olpe, die vom Kölner Büro Schilling Architekten zur „offenen Kirche“ umgestaltet wurde. Zum anderen wählte man die evangelische Kirche in Bochum-Stahlhausen, die mit dem „Verein für multikulturelle Kinder- und Jugendhilfe – Migrationsarbeit“ durch das örtliche Büro Soan Architekten einen multireligiösen offenen Andachtsraums erhielt.

Die zweite Kategorie bilden zwei Preise zu je 7.500 Euro: Die Kolumbariumskirche Heilige Familie in Osnabrück (1961, E. A. Kroeber/H. Rickmann), umgestaltet vom Münsteraner Büro Klodwig & Partner Architekten, bildet für die Jury ein besonders gelungenes Beispiel, wie sich die Verkleinerung des Gottesdienstraumes wie selbstverständlich mit der zusätzlichen neuen Kolumbariumsnutzung verbindet. Und der evangelischen Philippuskirche (1963, W. Handreck) in Mannheim verpasste das Karlsruher Architekturbüro Veit Ruser + Partner ein erweitertes und differenzierteres Nutzungskonzept. (kb, 19.1.16)

Einer der Preisträger: die Umgestaltung der Osnabrücker Kirche Hl. Familie zum Kolumbarium mit liturgischem Kern (Bild: Wüstenrot Stiftung)

Hamburg: Aus für die Postpyramide

In der Hamburger City Nord geht es der als „Postpyramide“ bekannten Oberpostdirektion an den Kragen. Mitte Januar diesen Jahres kaufte ein Investoren-Joint Venture das Gebäude. Obwohl sein Spitzname eine längere Halbwertszeit erwarten ließe, wird der 70er-Jahrebau wohl bald abgerissen. An seiner Stelle soll ein neuer Turm mit Büros und Wohnungen entstehen. Das Viertel wird damit von der ursprünglichen Konzeption als reine Bürostadt weggeführt.

Die City Nord entstand seit den 1960er Jahren als Reaktion auf die steigende Nachfrage nach Büroflächen in der Hansestadt. Oberbaudirektor Werner Hebebrand hatte sich von Projekten in den USA inspirieren lassen, wo solche „Commercial Parks“ keine Seltenheit waren. In den Folgejahren entstanden auf dem Areal repräsentative Firmensitze, darunter auch architektonische Highlights wie die von Arne Jacobsen entworfene HEW-Zentrale. Auch die Oberpostdirektion galt damals als Vorzeigeprojekt. Während einige der anderen Bürotürme bei der Neukonzeption des Quartiers berücksichtigt wurden, galt die Postpyramide aber in jüngster Zeit als „Problem-Immobilie“. Die Bagger sollen 2017 anrollen – doch es regt sich auch Widerstand. (jr, 19.1.16)

Bald Geschichte: die Postpyramide in Hamburg (Bild: Staro1, GNU FDL oder CC BY SA 3.0)