Ruhr-Universität Bochum unter Schutz

Jetzt ist es offiziell: Die Ruhr-Universität Bochum steht unter Denkmalschutz. „Die Bezirksregierung Arnsberg hat die Eintragung in die Denkmalschutzliste der Stadt Bochum veranlasst“, meldet am 3. Dezember „westfalen-heute.de“. Bei vielen dürfte diese Nachricht zunächst Kopfschütteln auslösen. Zwar hat es die Bochumer Sichtbetonorgie schon von der fachlichen Anerkennung bis zur Krimikulisse gebracht, doch haftet dem Ensemble immer noch der Ruf von Unwirtlichkeit an.

Gegründet vor 50 Jahren, entworfen vom Architekten Helmut Hentrich, bildete die Ruhr-Universität die erste Hochschule im Ruhrgebiet und die erste Universitätsgründung der Bundesrepublik. „Kurze Wege sollten es Studierenden ermöglichen, auch ganz unterschiedliche Fächer zu kombinieren“, zitiert „westfalen-heute“ Dr. Hans Hanke, der beim Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe für die Unterschutzstellung zuständig ist. Demnach hat die Behörde auch für weitere westfälische Städte Bauten der 1960er und 1970er Jahre im Blick, darunter das Marler Rathaus. (kb, 4.12.15)

Herbe Schönheit: die Bochumer Universitätsbauten, hier das Naturwissenschaftliche Institut (Eller-Moser-Walter, 1972), wie sie Alexandra Apfelbaum in ihrem Beitrag bei moderneREGIONAL beschrieb (Bild: Universitätsarchiv , Dep. Staatl. Bauamt Bochum 02, 72.0593, Copyright: Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW)

Wendeplatte bald unter Schutz?

Fertiggestellt wurden sie 1992, doch atmen sie noch den Geist der späten DDR: die Berliner Plattenbauwohnblöcke nahe der ehemaligen Mauer. Zwischen der Behren- und Voßstraße, entlang der Wilhelmstraße, nahe dem DDR-Ministerium des Inneren entstanden seit den späten 80er Jahren beliebte Domizile für die Elite dieser Zeit. Hier wohnten keine Geringeren als z. B. Gregor Gysi, Angela Merkel oder Kati Witt.

Die standardisierte Konstruktion wurde – typisch für die späten Plattenbauten – mit Materialwechseln, Vor- und Rücksprüngen so abwechslungsreich als möglich gestaltet. Die Bebauung zwischen Voß-, Behren- und Wilhelmstraße prüfe das Bezirksamt aktuell, so der Berliner Tagespiegel, auf „Erhaltung der städtebaulichen Eigenart“ – es geht als o um die Frage einer Unterschutzstellung. Das Ergebnis dieser Prüfung sei allerdings noch offen. Ausgenommen von solchen Überlegungen wird das Gebiet der Wilhelmstraße 56–59, für das Baurecht besteht. Diese Häuser sollen nun, trotz lager Proteste der dortigen Mieter, durch 165 neue Wohnungen ersetzt werden. (kb, 2.12.15)

Berlin-Mitte, Wilhelmstraße (Bild: Adam Carr, gemeinfrei)

Petition für Birmingham

Die Central Library – errichtet nach Entwürfen des Architekten John Madin – war 1974 Teil des ehrgeizigen Vorhabens, Birmingham eine neue kommunale und damit auch soziale Mitte zu verpassen. So wurde die Cenral Library zu ihrer Zeit die größte nicht nationale Bibliothek Europas. Auch wenn in Birmingham einige der von Madin geplanten Details aus Kostengründen nicht mehr umgesetzt werden konnten, besticht der Bau bis heute durch seine außergewöhnliche geometrische Großform.

Die Central Library gilt als eines der wegweisenden Baukunstwerke des englischen Brutalismus – und als Zeugnis einer sozialen Aufbruchsstimmung. Vor diesem Hintergrund unternahm die Organisation English Heritage schon zwei Anläufe, die Central Library auf die Liste erhaltenswerter Bauten zu setzen. Zweimal scheiterte sie am Widerstand der Kommune, die sogar eine „Immunität“ erwirkte: Bis 2016 darf der Bau nicht gelistet werden. 2013 hatte man den Bibliotheksbetrieb bereits zugunsten eines Neubaus eingestellt, 2014 den Abriss des „Altbaus“ beschossen. Noch haben die Abbrucharbeiten nicht begonnen – und die „Immunität“ gegen einen Listeneintrag läuft am 10. Januar 2016 aus. Daher wird per Online-Petition zum Erhalt des brutalistischen Gesamtkunstwerks aufgerufen. Also: Zeichnen Sie! (kb, 1.12.15)

Birmingham Central Library (Bild: tedandjen, CC BY 2.0)