Der Gummineger muss gehn

Bitte mailen Sie uns nicht! Der Gummineger ist keine politisch bedenkliche Sprachschöpfung der Redaktion, sondern ein Laden in Graz. Vor gut hundert Jahren wurde er für Kautschukprodukte („Gummi“) aus Afrika („Neger“) in der Grazer Herrengasse gegründet und 1926 kam ein Laden in der Annenstraße hinzu. Zeitweise umfasste die Produktpalette allerlei Nützliches vom Parfüm bis zur Puppe. In den letzten Jahren hatte sich der Familienbetrieb auf maßgeschneiderte Schaumstoffprodukte spezialisiert.

In Mainz muss die Dachdeckerfirma Ernst Neger mit Kritik kämpfen, weil das Firmenlogo des Familienbetriebs einen hammerschwingenden „Eingeborenen“ (hier sind die Anführungszeichen wirklich mal angebracht) zeigt. In Graz erklärt der Gummi-Neger-Geschäftsführer Heinz Siegl den – für unsere politisch korrekten Ohren anstößigen – Ladennamen historisch: Man grenzte sich vom Konkurrenzladen ab, der seinen Kautschuk aus Amerika bezog und sich Gummi-Indianer nannte. Siegl sieht das Ganze pragmatisch: „Früher war Gummi Neger noch ein geschützter Name!“, zitiert ihn das Onlineportal Annenpost. „Aber ich zahle nichts mehr ein, denn wer würde sich heute noch freiwillig so nennen?“ Dass das Traditionsgeschäft nun seinen eigenen Ausverkauf organisiert, hat aber keine politischen Gründe. Altersbedingt will der 72-jährige Siegl sein Metier künftig nur noch als Hobby für Stammkunden betreiben. (db/kb, 8.1.16)

Ein Grazer Traditionsgeschäft: der Gummineger (Bild: D. Bartetzko)

Architekten werden zu Kindern

Was lag bei Ihnen an Weihnachten unter dem Baum? Zumindest wenn es um Kinderspielzeug geht, kommen Architekturfreunde wohl kaum an Bauklötzen und natürlich Puppenhäusern vorbei. Und schon zur Mitte des 20. Jahrhunderts machten sich moderne Architekten Gedanken darüber, wie sich spielerisch die Möglichkeiten von Konstruktion, Material und Raum vermitteln lassen.

Aus den 50er Jahren stammte das Spielzeug „The Toy“ des Designerpaares Charles und Ray Eames. Es bestand aus farbenfrohen Quadraten und Dreiecken aus Papier und aus Holzstäben. Daraus ließen sich Geometrische Körper, Zelte oder Raumschiffe zusammenstecken. Es war übrigens nicht das einzige Spielzeug von Eames, sie gestalteten eine ganze Reihe von Spielzeugen. In den späten 40ern konzipierte die Architektin Anne Tyng ein System aus Holzplatten, aus denen Kinder Zeichentische, Autos und andere Gegenstände bauen konnten. Aber die Königsdisziplin für Architekten in der Spielzeugbranche ist natürlich der Bau von Puppenhäusern. Eine Miniatur-Version von Erno Goldfingers Trellick Tower war leider ein Unikat für eine Auktion und das Puppenhaus des holländischen Architekten Gerrit Rietveld steht im Brooklyn Museum. Aber glücklicherweise kann man mit etwas Geschick auch selbst ein 60er-Jahre Puppenhaus bauen. (ps, 7.1.16)

Das Spielzeug „The Toy“ von Eames (Bild: Socks-Studio, CC BY SA 3.0)

Das mR-Jahreshoroskop: So wird 2016!

Die Baukunst der Nachkriegsmoderne geht einer glänzenden Zukunft entgegen, zumindest soweit es moderneREGIONAL betrifft: Mitte Januar erscheint das Winterheft 2016 zum Thema „Pretty Ugly“ (Redaktion: Daniel Bartetzko). Autoren wie Till Briegleb oder Turit Fröbe und ein Interview mit der ICC-Architektin Ursulina Schüler-Witte loten aus, wie schön und wie schrecklich die späte Moderne manchmal sein kann.

Für die folgenden Themenhefte sind als Schwerpunkte vorgesehen: „Entkernte Utopie – Prestigeprojekte der Sowjetmoderne“ (Redaktion: Julius Reinsberg und Katharina Sebold), „Spacedesign – wie noch nie ein Mensch zuvor gebaut hat“ (Redaktion: Karin Berkemann) und „Heimat Moderne – gebaute Identität“. Wie schon im vergangenen Jahr gibt es weiter täglich frische Meldungen und alle 14 Tage einen Newsletter. Ach ja, das Horoskop: Sie werden viel Geld erben, eine lange Reise antreten und einem/einer blonden Mann/Frau/Bernhardiner begegnen. (db/kb/jr,  22.12.15)

Die Zukunft ist starkfarbig – so zumindest auf diesem fiktiven Mars-Tourismus-Poster (Bild: SpaceX, CC0)