Bagger auf dem Mato-Gelände

Das Areal der ehemaligen Fabrik und Künstlerkolonie Mato in Offenbach wird zum Wohngebiet. Das Wiesbadener Wohnungsbauunternehmen Traumhaus plant, auf dem ausgedehnten Gelände mehrere Reihen- und Doppelhäuser sowie zwei Mehrfamilienhäuser zu errichten. Das denkmalgeschützte Eingangsgebäude soll erhalten bleiben, den übrigen Fabrikgebäuden rücken bereits die Bagger zu Leibe. Der Baubeginn ist für das Frühjahr 2016 geplant.

Die Tradition des Fabrikgeländes reicht ins Jahr 1921 zurück. Damals errichtete der Architekt Philipp Hufnagel im Auftrag der Zelluloidfarik Schmetzer unter anderem den markanten Torbau. Zur Weltwirtschaftskrise wechselte das Gelände den Besitzer, in der Folgezeit produzierte die Firma Mato hier gestanzte Metallriemenverbindungen. Ende der 1980er Jahre zog sie nach Mühlheim, auf dem brach liegenden Gelände gründete sich eine Künstlerkolonie. Diese Zwischennutzung erwies sich als langlebig, fast 20 Jahre war die „Alte Mato“ ein kreatives Zentrum Offenbachs. 2014 mussten die Ateliers nach dem Verkauf des Geländes schließlich geräumt werden. Letzte Impressionen vom Gelände gibt es hier. (jr, 11.11.15)

Der denkmalgeschützte Torbau der alten Mato bleibt erhalten (Bild: Julius Reinsberg)

Die Tränende wird überholt

Bekannt wurde der Maler und Bildhauer René Graetz (1908-74) mit dem Mahnmal „Befreiung“ für die Gedenkstätte Sachsenhausen. Geboren in Berlin, verbrachte Graetz seine ersten Jahre in der Schweiz, in Südafrika, in Frankreich und in Großbritannien, wo er u. a. von seinem berühmten Kollegen Henry Moore lernte. Nach Kriegsende ließ sich Graetz in Berlin als freischaffender Künstler nieder und prägte mit seinem zumeist gegenständlichen Werk den öffentlichen Raum der DDR.

In Eisenhüttenstadt bereitet gerade eines seiner Werke Kopfzerbrechen: die überlebensgroße Bronzeplastik „Die Tränende“ auf dem Inselfriedhof. Die Bronzeplastik kam in den 1970er Jahren an ihren heutigen Standort – und kam in die Jahre. Sie soll von der Bildgießerei Seiler aus Schöneiche restauriert werden. Beim Abtransport half die Stadt Eisenhüttenstadt mit Bagger und Decken, um dem Kunstwerk zu einer guten Reise zu verhelfen. Bei der Restaurierung sollen, wie die Märkische Online-Zeitung berichtet, alte laienhafte Kittungen entfernt und neu verschweißt, die Schweißnähte abgeschliffen werden. In diesem, spätestens im kommenden Jahr soll die Tränende“ dann runderneuert wieder an ihrem alten Platz stehen. (kb, 10.11.15)

René Graetz in Berlin: Kranzniederlegung vor dem Kaethe-Kollwitz-Denkmal im Mai 1974 (Bildhauer Werner Richter (links), der Maler Ronald Paris (Mitte) und der Bildhauer René Grätz) (Bild: Bundesarchiv_Bild 183 N0524 023, Foto: Horst Sturm, CC BY SA 3.0)

Hamburgs edle Kaffeebörse

Morgens aufwachen umhüllt von Kaffeeduft? Für alle Koffeinjunkies eine traumhafte Vorstellung, der man in Hamburg nun sehr nahe kommen kann. Ein Teil der ehemaligen Kaffeebörse (gut, hier wurde das Suchtgetränk mehr gehandelt als gelagert, aber immerhin) in Hamburgs schick gewordener Speicherstadt wurde zum Hotel umgebaut. Vor seiner Schließung im Jahr 1958 spielte die 1887 gegründete Hamburger Kaffeebörse in einer Liga mit New York und Le Havre.

Als der Krieg im Speicherblock B einen Teil der historischen Kaffeebörse zerstörte, gestalteten 1956 Kallmorgen und Schramm & Ellingus das heutige nachkriegsmoderne Gebäude – und überführten es in eine Büronutzung. Bis 2014 wurde der denkmalgeschützte Bau unter Leitung der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) nun zum Vier-Sterne-Hotel umgebaut. Aus dem Saal der ehemaligen Kaffeebörse wurde ein Raum für Kultur- und Firmenveranstaltung. Und übernachten kann man im Haus natürlich auch. Mitte Oktober zeichnete der Hamburger Architekten- und Ingenieursverein den Bau mit zwei weiteren Schätzchen besonders aus. Könnte jetzt mal bitte jemand einen Teespeicher umbauen? Darjeeling? (kb, 9.11.15)

Hamburg, Speicherstadt, ehem. Kaffeebörse (Bild: Martina Nolte, Projekt Heissluftballon)