Nachkriegsmoderne Kontrovers

Nachkriegsmoderne kontrovers

Essaysammlung zu einer pauschal abgewerteten Architekturepoche. Bild: Jovis-Verlag
Essaysammlung einer allzuoft abgewerteten Architekturepoche (Bild: Jovis-Verlag)

Schon in der späten 1960er Jahren wurde die Ablehnung der großformatigen Nachkriegsbauten salonfähig. Die kleinteiligen, gewachsenen Städte schienen vielen wieder als Idealbild. Gleichwohl baute man „groß“ weiter, der Ruf der Moderne war jedoch ramponiert. Die Bauten der 1960er und 1970er Jahre haben es bis heute schwer, Anerkennung zu finden – in ihren Konzepten, in ihrer Ausführung und mittlerweile auch als Baudenkmale.

Das Netzwerk Braunschweiger Schule hat zur ungeliebten Moderne diesen Essayband, herausgegeben von Olaf Gisbertz, erstellt. Er bietet eine Auswahl von Texten der vorangegangenen fächerübergreifenden Tagungen „Nachkriegsmoderne Kontrovers“ (2010) und „N.K. 2.0“ (2011). Für den Essayband über eine allzuoft pauschal abgewerteten Epoche konnten Autoren aus der Theorie und Praxis der Architektur, den Bauingenieurswissenschaften und der Denkmalpflege gewonnen werden. Wolfgang Pehnt, Astrid Hansen, Jürgen Engel u. v. m. eröffnen Einblicke in das Spannungsfeld zwischen Bestandsschutz und kreativem Weiterbauen. (db, 18.9.14)

Gisbertz, Olaf (Hg.), Nachkriegsmoderne Kontrovers, hg. für das Netzwerk Braunschweiger Schule, Jovis-Verlag, 2012, 208 Seiten, 16,5 x 24 cm, ISBN 978-3-86859-122-4.

Königstein: Buch zu Hajeks Farb-Bad

Königstein: Buch zu Hajeks Farb-Bad

Kurbad Königsten (Bild: Verlag Langewiesche)
Neue Publikation über das Kurbad Königstein (Bild: Langewiesche-Verlag)

Als eines der „außergewöhnlichsten Bäder in Mittel­europa“ lobte die Architekturhistorikerin Iris Meder 2011 das Kurbad Königstein. Im Jahr 1977 eröffnet, wurde der markante Bau vom Architekturbüro Geier + Geier entworfen und vom Bildhauer Otto Herbert Hajek farblich gestaltet. Für Königstein griff Hajek – in seiner Reihe „Farbwege“ – zu leuchtenden Blau- und Rottönen.

Angesichts des bundesweiten Bädersterbens ist es erstaunlich, wie geschlossen die Königsteiner Ausstattung erhalten geblieben ist. Eine aktuell im Langewiesche-Verlag erschienene Publikation verbindet großformatige Abbildungen mit verschiedenen Fachbeiträgen: von einer kurzen Bau- und Nutzungsgeschichte bis zur Stellung in Hajeks Gesamtwerk. Die Buchvorstellung findet am 18. September um 19:30 Uhr in der Königsteiner Stadtbibliothek statt. Oder: Gehen Sie doch am besten selbst im Gesamtkunstwerk baden. (db, 8.9.14)

Klempert, Gabriele/Köster, Hans-Curt (Hg.), Hajeks Farb-Bad in Königstein. Eine Symbiose aus Architektur und Kunst von Geier + Geier mit Otto Herbert Hajek am Kurbad in Königstein i. Ts., Langewiesche-Verlag, 2014, gebunden, 101 Seiten, 22,3 x 27 cm (quer), 185 Abbildungen (zumeist farbig), ISBN 978-3-7845-6306-0.

Baumeister der Revolution

Baumeister der Revolution

"Baumeister der Revolution" beleuchtet das oft verfallene Erbe der sowjetischen Avantgarde (Bild: Mehring-Verlag)
„Baumeister der Revolution“ beleuchtet das oft verfallene Erbe der sowjetischen Avantgarde (Bild: Mehring-Verlag)

Das bauliche Erbe der UdSSR besteht nicht nur aus Stalinbarock und Plattenbautristesse. Zwar muss man etwas suchen, um sie zu finden, doch es gibt sie noch: die Architektur der sowjetischen Avantgarde, geprägt von Moisej Ginsburg, den Gebrüdern Vesnin oder Konstantin Melnikov. Wer sich auf deren Spuren begeben will, ohne gleich ein Ticket für die Transsib zu lösen, dem sei der Band „Baumeister der Revolution“ empfohlen. Er porträtiert die oft vom Verfall bedrohten Bauwerke mit Aufnahmen des Fotografen Richard Pare und zeichnet die Geschichte der russischen Avantgarde in mehreren Aufsätzen nach.

Die Architekten der jungen Sowjetunion sahen sich nach 1917 mit der Herausforderung konfrontiert, Bauwerke zu entwerfen, welche die Ideen der Revolution verkörperten. Das Ergebnis waren  Kommunehäuser, Arbeiterklubs, Fabrikanlagen und Gewerkschaftsgebäude, die mit ihrem konstruktivistischen Stil weit über die Sowjetunion hinaus für Aufsehen sorgten. Nachdem sich die Staatsführung in den 1930er Jahren dem Neoklassizismus zuwandte und die Moderne als „formalistisch“ brandmarkte, gerieten sie jedoch in Vergessenheit. Ihre kulturhistorische Bedeutung ist im modernen Russland noch immer umstritten, der Verfall scheint daher vielerorts kaum abwendbar. (jr. 28.8.14)

Baumeister der Revolution: Sowjetische Kunst und Architektur 1915 – 1935, her. v. David Breuer, Richard Pare u.a. [erschienen anlässlich der Ausstellung „Baumeister der Revolution: Sowjetische Kunst und Architektur 1915 – 1935“, Martin-Gropius-Bau, Berlin, 5. April – 8. Juli 2012], Mehring-Verlag, 2011, 270 Seiten, 250 Abbildungen, ISBN 978-3-88634-096-5 (gebunden)/ISBN 978-3-88634-126-9 (Paperback).