Noch einmal das grüne Wien …

Noch einmal das grüne Wien …

Die grüne Nachkriegsmoderne (Bild: Metroverlag)
WIG 64 – Die grüne Nachkriegsmoderne (Bild: Metroverlag)

Sie haben es nicht nach Wien geschafft, um sich die Ausstellung „WIG 64 – Die grüne Nachkriegsmoderne“ anzuschauen? Entweder, Sie buchen bis zum 31. August 2014 noch rasch eine Bahnfahrt, oder Sie schmökern sich durch den reich bebilderten Katalog. Denn das Thema lohnt: Die Gartenschau (WIG) zog 1964 über zwei Millionen Besucher nach Wien. Im neugeschaffenen Donaupark wurden Attraktionen vom Turmgewächshaus bis zum Donauturm geboten. Man wollte international mithalten und zugleich für die Bevölkerung dauerhaft “soziales Grün” schaffen. Dem Katalog zur Ausstellung gelingt ein anspruchsvoller Balanceakt: Er schwelgt in den Postkartenfarben der Zeit und liefert zugleich profunde Hintergrundinformationen.

Zu Beginn skizziert die Kulturwissenschaftlerin Martina Nußbaumer die WIG im Licht der Wiener Stadtplanung. Darüber hinaus interviewt sie Bewohner der „wilden“ Siedlungen, die für den Donaupark weichen mussten. Aus der Geschichte eben jener WIG-Vorgänger berichtet die Landschaftsarchitektin Ulrike Krippner. Zugleich schildert sie die bauliche Umsetzung der WIG bis zu ihrer Eröffnung 1964. Nicht zuletzt wirft die Leiterin des Instituts für Landschaftsarchitektur Lilli Lička mit Bericht und Interview einen Blick auf die Entwicklung des Geländes nach 1964. Weitere Beiträge ordnen die WIG in ihre Zeit ein und fragen nach der Zukunft des Gartenschaugeländes. (kb, 10.8.14)

Krippner, Ulrike/Lička, Lilli/Nußbaumer, Martina, WIG 64 – Die grüne Nachhkriegsmoderne, Katalog, 10. April bis 31. August 2014, Wien Museum, Metro Verlag, Wien, 2014, 160 Seiten, broschiert, 28 x 21 cm, ISBN 978-3993001797.

Wohnen zeigen

Wohnen zeigen

"Wohnen zeigen" nähert sich normativen Wohnmodellen des 20. Jahrhunderts (Bild: Transcript Verlag)
„Wohnen zeigen“ nähert sich modernen Wohnmodellen (Bild: transcript Verlag)

Wie wohnt man richtig? Dieser Frage näherten sich in der Moderne immer wieder Ausstellungen, Fachaufsätze, Tagungen und die Populärkultur. Da man das menschliche Leben möglichst genau erfassen und funktional umgestaltet wollte, war auch das Wohnen nicht mehr privat. Der Sammelband „Wohnen zeigen. Modelle und Akteure des Wohnens in Architektur und visueller Kultur“ beleuchtet die gültigen Wohnmodelle des 20. Jahrhundert ebenso wie deren Aneignung durch die Kunst und den Menschen selbst.

Der Band wurde von Irene und Andreas Nierhaus herausgegeben. Irene Nierhaus ist Professorin für Kunstwissenschaft und Ästhetische Theorie an der Universität Bremen und leitet das Mariann Steegmann Institut Kunst & Gender mit dem Forschungsfeld „wohnen+/ausstellen“. Die Kunsthistorikern Andreas Nierhaus arbeitet als Kuratorin der Architektursammlung des Wien Museums. (jr, 10.8.14)

Nierhaus, Irene/Nierhaus, Andreas (Hg.), Wohnen zeigen. Modelle und Akteure des Wohnens in Architektur und visueller Kultur, transcript Verlag, 2014, 366 Seiten, ISBN 978-3-8376-2455-7.

Casablanca Chandigarh

Casablanca Chandigarh

Casablance Candighar (Bild: The University of Chicago Press)
Casablanca Chandigarh (Bild: The University of Chicago Press)

Mit dem Zweiten Weltkrieg endete für viele Länder zugleich der – auch architektonische – Kolonialismus. Vor diesem Hintergrund stellt die Publikation „Casablanca Chandigarh. A Report on Modernization“ zwei zeitgenössische Städte einander gegenüber: Die indische Metropole Chandigarh planten etablierte westliche Architekturgrößen wie LeCorbusier am Reißbrett. Die gewachsene nordafrikanische Hafenstadt Casablanca hingegen führte ein junges Team französischer und marokkanischer Architekten in die Nachkriegsmoderne.

Mit ihrem Buch schärfen die Autoren – Tom Avermaete von der Universität Delft und Maristella Casciato vom Canadian Centre for Architecture in Montreal – den Blick für die nachkriegsmoderne Stadtentwicklung jenseits westlicher Vorherrschaft. Sie untersuchen den Wohnraum ebenso wie den öffentlichen Raum, das Arbeits- ebenso wie das Alltagsleben. Damit wird Städtebau verständlich als kollektive Arbeit, als Abstimmung zwischen vielen unterschiedlichen Akteuren. Die Publikation bündelt die Ergebnisse einer Ausstellung, die zum Jahreswechsel 2013/14 im Canadian Center for Architecture in Montreal zu sehen war. (kgb, 4.8.14)

Tom Avermaete/Maristella Casciato, Casablanca Chandigarh. A Report on Modernization, The University of Chicago Press, rund 400 Abbildungen (teils farbig), 392 Seiten, ISBN: 978-3906027364.