Bücher

Hamburg, Slomannhaus (Bild: Oxfordian Kissuth, CC BY SA 4.0, 2014)

Martin Haller – Privat- und Luxusarchitekt

Seine Hamburger Bürobauten galten zu ihrer Zeit als hochmodern, immerhin hatte sie Martin Haller mit elektrischem Licht, Zentralheizung, flexiblen Grundrissen und Paternoster-Aufzügen ausstatten lassen. Nicht minder beliebt war der Architekt, der in Paris studiert und etwas vom dortigen mondänen Stil mit an die Elbe gebracht hatte, für seine großbürgerlichen Villen – viele von ihnen sind bis heute in Harvestehude zu bestaunen. Und nicht zuletzt war Haller der Begründer des Hamburger Rathausbaumeisterbunds, der das namensgebende Rathaus umsetzte.

Nun ist im Verlag Dölling und Galitz die erste Haller-Biographie erschienen. Die Buchvorstellung von „Martin Haller 1835–1925. Privat- und Luxusarchitekt aus Hamburg“ findet m 11. April 2019 um 18 Uhr in der Hochschule für Musik und Theater (Budge-Palais, Harvestehuder Weg 12, Hamburg-Rotherbaum) statt. Im von Haller erbauten Budge-Palais spricht Prof. Joist Grolle – bei Wein und Musik – über den Architekten, auch die Autorin Karin von Behr wird anwesend sein. (kb, 5.4.19)

Behr, Karin von, Martin Haller 1835–1925. Privat- und Luxusarchitekt aus Hamburg, mit einem Essay von David Klemm, Dölling und Galitt Verlag, Hamburg 2019, 192 Seiten, 95 Farbabbildungen, Leinenband, ISBN 978-3-86218-118-6.

Hamburg, Slomannhaus, 1910, Martin Haller, 1922 erweitert und verändert durch Fritz Höger (Bild: Oxfordian Kissuth, CC BY SA 3.0, 2014)

Köln, Naumannsiedlung (Bild: Jürgen Gregori, LVR-ADR)

Bauhaus am Rhein

„Bauhaus“: Bei diesem Wort denkt man an Weimar, Dessau, Berlin, vielleicht Tel Aviv – weniger jedoch an das Rheinland. Nicht ganz zu Unrecht, denn tatsächlich sind hier kaum direkte Verbindungen zum Bauhaus nachweisbar. Eine prominente Ausnahme von der Regel bilden die Bauten des kurzzeitigen Bauhaus-Direktors Mies van der Rohe in Krefeld, das sich inzwischen selbst als „Bauhaus-Stadt“ rühmt. Und doch entstehen in der Zwischenkriegszeit am Rhein eine ganze Reihe „moderner“ Architekturen, die in ihrer funktionalen Konzeption und sachlich-abstrakten Form der Bauhaus-Idee sehr nahestehen.

Unter dem Titel „Neues Bauen im Rheinland“ liefert das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland nun eine kritische Bestandsaufnahme dieser Bauten. Anlass ist das Gründungsjubiläum des Bauhauses, das in NRW unter dem Motto „100 Jahre Bauhaus im Westen“ begangen wird. Entstanden ist eine Publikation, die einen umfassenden Einblick in die regionale Vielfalt des „Neuen Bauens“ der 1920er Jahre bietet. Die Herausgeber wollen ihr Buch damit auch verstanden wissen als „Kommentar zu einer allzu eindimensionalen Huldigung einer zum Label erstarrten Bauhaus-Moderne“. (fk, 31.3.19)

Köln, Naumannsiedlung (Bild: Jürgen Gregori, LVR-ADR)

Neues Bauen im RheinlandEin Führer zur Architektur der klassischen Moderne, hg. vom LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Imhof Verlag, Petersberg 2019, ca. 16,5 × 23,5 cm, ca. 288 Seiten, ca. 250 Abbildungen, Hardcover, ISBN: 978-3-7319-0778-7, Erscheinen in Kürze angekündigt.

Berlin-Oranienburg, Siedlung Eden, Schul- und Volkshaus (Bild: Judith Richmann, CC BY SA 4.0, 2017)

Deutschlands älteste Reformsiedlung

Die erste vegetarisch orientierte Reformsiedlung steht nicht in der Schweiz auf dem Monte Verità, sondern in Berlin-Oranienburg. Hier wurde 1893 „Eden“ gegründet, um mit einem naturnahen Leben den Einflüssen der Großstadt zu entfliehen. Die Siedlung organsierte sich in gemeinschaftlichem Grundbesitz und avancierte zum Vorbild der Gartenstadtbewegung, errichtete Bauten im Stil zwischen Heimatbewegung und Neuer Sachlichkeit. Zwischen den beiden Weltkriegen hielten in Eden auch völkische Gedanken Einzug. In der DDR-Zeit konnte die Siedlung weiterbestehen., um nach der Wende neue Aufmerksamkeit zu gewinnen.

Rund um das 2018 begangene 125-jährige Gründungsjubiläum formierten sich Keative zur Initiative „RE:EDEN“. Sie wollen die Grundgedanken der Reformsiedlung – „Lebensreform, Bodenreform, Wirtschaftsreform“ – wieder neu zur Geltung bringen. Ihre Erkenntnisse über die Entstehungszeit der Siedlung, ihre Ideen für deren künftige Nutzung und Gestaltung, ihre Vorstellungen einer erneuerten Ökologie und eines lebendigen Kunstbezugs haben die Neu-Eden-Anhänger nun in einem Buch im Jovis-Verlag zusammengefasst. (kb, 28.3.19)

RE:EDEN. Neue Blicke auf die älteste Reformsiedlung Deutschlands, hg. von re:form e. V., Jovis-Verlag, Berlin 2019, broschiert, 13 x 19 cm, 144 Seiten, ca. 76 Abbildungen, ISBN 978-3-86859-587-1.

Berlin-Oranienburg, Siedlung Eden, Schul- und Volkshaus (Bild: Judith Richmann, CC BY SA 4.0, 2017)

Sockel des ehemaligen sowjetischen Ehrenmals mit Schneelader - nahe der Grenzübergangsstelle Drewitz/Dreilinden (Panzerdenkmal) (Bild: Lichterfelder, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2013)

Kommunismus unter Denkmalschutz?

Mit jedem Gebäude stellt man auch ein Stück seiner Enstehungszeit unter Schutz. Ein Problem, das sich prinzipell bereits bei Kreuzfahrer-Ordenskirchen, absolutistischen Schlössern und nationalsozialistischen Verwaltungsbauten stellte. Nach 1990 wurde diese Frage dann für Objekte der DDR-Zeit kontrovers diskutiert. Da wurde teils der Systemstreit der kalten Krieger neu aufgelegt, präventiv abgerissen, neutralisierend eingelagert oder – im besten Falle – abgewartet. Mit den Jahren rückte dann der historische Wert, die Frage der Erhaltung dieser Zeugnisse der Ostmoderne in den Blick.

Vor diesem Hintergrund erschien 2018 in der Wernschen Verlagsgesellschaft der Sammelband „Kommunismus unter Denkmalschutz?“. Die Beiträge drehen sich um zeithistorische und denkmalpflegerische Aspekte und deren Wandlung im Umgang mit Denkmälern der DDR-Zeit. Dabei zeichnen die Autoren die gesellschaftlichen Prozesse nach, die sie „im Sinne einer historischen Aufklärung aktiv begleitet und moderiert“ wissen wollen. (kb, 26.3.19)

Danyel, Jürgen/Drachenberg, Thomas/Zündorf, Irmgard (Hg.), Kommunismus unter Denkmalschutz? Denkmalpflege als historische Aufklärung, Wernsche Verlagsgesellschaft, Worms 2018, Hardcover, 180 Seiten, ISBN: 978-3-88462-384-8.

Sockel des ehemaligen sowjetischen Ehrenmals mit Schneelader – nahe der Grenzübergangsstelle Drewitz/Dreilinden (Panzerdenkmal) (Bild: Lichterfelder, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2013)

Walter Gropius 1955 zur Einweihung der Hochschule für Gestaltung Ulm (BIld: René Spitz, CC BY SA 3.0)

Walter Gropius. Der Architekt seines Ruhmes

Einmal wagte es ein Radiojournalist, Walter Gropius als einen der Väter des Bauhauses zu titulieren: „Ich bin DER Vater des Bauhauses“, folgt prompt die Retoure. Um ein weiteres Mal hatte der Altmeister seine Rolle in der Kunst- und Architekturgeschichte unterstrichen. Doch was steckt wirklich hinter der Heldenfigur Gropius? Pünktlich zum Jubiläum rüttelt der Künstler und Publizist Bernd Polster am Bauhausthron. Sein neues Buch „Walter Gropius. Der Architekt seines Ruhmes“ erschien diesen Monat im Carl Hanser Verlag. 

Das große Talent von Gropius war demnach weniger entwerferischer Natur. Nach dem abgebrochenen Architektur-Studium baute er sich einen Kreis von talentierten Mitstreitern auf – ohne dabei jemals zu vergessen, seinen eigenen Namen in den Vordergrund zu schieben. Auch bei der Betrachtung seines Bauhauses lassen sich Parallelen ziehen. Es entstanden große Marken, hinter denen nicht selten wichtige Einzelprotagonisten verschwanden. Bis zu seinem Ende in Boston, strickte Gropius an seinem eigenen und am Bauhaus-Mythos. Auch dort galt er bis zuletzt als der Heilsbringer, der die Moderne aus der alten in die neue Welt transferierte. Als jedoch offenbar wurde, dass nicht alle Versprechen gehalten werden konnten, bröckelte die strahlend weiße Fassade. (jm, 24.3.19)

Walter Gropius 1955 zur Einweihung der Hochschule für Gestaltung Ulm (BIld: René Spitz, CC BY SA 3.0)

"Raumkult - Kultraum" (Detail des Buchcovers, transcript-Verlag)

Raumkult – Kultraum

Was macht eine Gemeinschaft aus und welche Räume braucht sie? Die Antwort auf diese Frage wird, zumal im religiösen Bereich, heute neu und immer anders beantwortet. Alternative Konzepte schaffen neue, „auratisch“ genannte Architekturen, die häufig mit religiösen Motiven spielen: In Museen, Bibliotheken, Denkmalanlagen und Hochzeitskapellen entstehen neue Orte der Gemeinschaft, deren Grenzlinie zum traditionellen religiösen Raum oft sehr unscharf verläuft.

Die Publikation „Raumkult – Kultraum. Zum Verhältnis von Architektur, Ausstattung und Gemeinschaft“ ist frisch im transcript-Verlag erschienen. Die Beiträge des Bandes diskutieren aus verschiedenen geisteswissenschaftlichen Perspektiven vergangene und bestehende religiöse Raumkonzepte sowie neugeschaffene Kulträume im 20. und 21. Jahrhundert. In der Zusammenschau liefert die Veröffentlichung damit neue Impulse für die aktuelle Diskussion um Raumgestaltung, Öffentlichkeit und Gemeinschaftsstiftung. (kb, 23.3.19)

Buchner, Maximiliane/Minta, Anna (Hg.), Raumkult – Kultraum. Zum Verhältnis von Architektur, Ausstattung und Gemeinschaft (Linzer Beiträge zur Kunstwissenschaft und Philosophie), transcript-Verlag, Bielefeld 2019, 258 Seiten, ISBN: 978-3-8376-4697-9.

Titelmotiv: „Raumkult – Kultraum“ (Detail des Buchcovers, transcript-Verlag)