Mobilität im postfossilen Zeitalter

Die Frage nach alternativer Mobilität ist vor dem Hintergrund des absehbaren postfossilen Zeitalters seit einigen Jahren Gegenstand städtebaulicher Debatten. Längst ist die autogerechte Stadt nicht mehr das Maß aller Dinge, alternative Konzepte prägen bereits den Alltag mancher modernen Metropole. Carsharing, ÖPNV oder Fahrrad gelten hier nicht nur als zukunftsweisend, sondern sind auch Teil einer eigenen urbanen Mentalität.

Komplexer ist die Situation auf dem Land. Hier scheint das tägliche Pendeln mit dem eigenen Auto für viele Menschen weitgehend alternativlos. Wie kann der Übergang in das postfossile Zeitalter in ländlich geprägten Gegenden vonstattengehen? Inwiefern lassen sich urbane Mobilitätskonzepte übertragen? Das Bauhaus Dessau widmet diesen Fragen unter dem Titel „Aktive Mobilitätskultur jenseits der Metropolen“ vom 27. bis zum 28. Juni 2014 eine eigene Tagung. Dabei werden einerseits Experten für Mobilität in dünn besiedelten Regionen zu Wort kommen, andererseits ihre Modelle in einem Mobilitätslabor auf Alltagstauglichkeit für die Region Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg geprüft. Die Teilnahme ist kostenlos, anmelden kann man sich unter aktivemobilitaet@bauhaus-dessau.de. (jr, 5.6.14)

Alternative Mobilität am Bauhaus Dessau (Foto: Yvonne Tenschert)

Die Kleinmarkthalle Frankfurt wird 60

Sie zählt zu den wenigen bedeutenden Fünfziger-Jahre-Bauten der Frankfurter Innenstadt, die nicht in den vergangenen zehn Jahren der Abrissbirne zum Opfer fielen – nun wird die Kleinmarkthalle in der Hasengasse 60 Jahre alt. Am 29. März 1954 wurde der Bau der Architekten Gerhard Weber und Günther Gottwald eingeweiht, der auf rund 1500 Quadratmetern 64 Feinkost-Händlern Platz bietet und weit über die Grenzen Frankfurts bekannt ist. Die Halle ersetzte seinerzeit – nicht unumstritten – die im Krieg schwer beschädigte alte Kleinmarkthalle von 1879. Ihre Ruine wurde nach der Eröffnung des Neubaus abgerissen.

Seit Jahren ist die denkmalgeschützte Kleinmarkthalle sanierungsbedürftig. Der damalige Frankfurter Planungsdezernent schlug 2005 gar den Abriss vor – mit verheerendem Echo: Die Wellen der Empörung schlugen in der Bevölkerung hoch. Nun ist für 2016 eine Sanierung bei laufendem Betrieb geplant. Ende Mai gab es zum Jubiläum eine Feier, bis zum 24. Juni ist auf der Empore die Ausstellung „60 Jahre Kleinmarkthalle. Ein Stück Frankfurt mit Herz“ zu sehen. Der Eintritt ist während der Markthallen-Öffnungszeiten kostenlos. (db, 2.6.14)

Frankfurt, Kleinmarkthalle (Bild: GraphyArchy, CC BY SA 4.0, 2018)

Irritationen um Neckermann-Zentrale

Seit 2012 steht die ehemalige Neckermann-Zentrale in Frankfurt am Main leer. Die Gebäude auf dem 17 Hektar großen Areal wurden 1960 nach Plänen von Egon Eiermann errichtet und stehen unter Denkmalschutz. Dies scheint den neuen Eigentümer, die türkische „Servet GYO“, jedoch wenig zu interessieren. Bislang ist auf dem größtenteils brachliegendem Gelände nichts passiert. Ende Mai 2014 verweigerte schließlich der Wachdienst einer Architekten-Delegation der Egon-Eiermann-Gesellschaft recht robust den Zutritt zu den Gebäuden. Eine schriftliche Zusage zur Besichtigung wurde seitens der Eigentümer kurzfristig widerrufen.

Andrea Hampel, Leiterin des Frankfurter Denkmalamts, bezeichnet die Situation gegenüber der Frankfurter Rundschau als „absolut besorgniserregend“. Während das Hauptgebäude langsam verfalle, zeige der Besitzer „nicht eine Idee“ für die Zukunft des Geländes und auch kein Verständnis für Belange des Denkmalschutzes. Zur Gruppe der hinauskomplementierten Architekten gehörten unter anderem Wolfgang Voegele sowie der Schweizer Ard Bosenius. Er arbeitet gerade an einer Dissertation über die Neckermann-Gebäude. Laut Voegele verlange der Grundstücksbesitzer „Servet Gyo“ Einsicht in Bosenius‘ Forschungsarbeit … (db, 1.6.14)

Eiermann-Bau mit ungewisser Zukunft: die ehemalige Neckermann-Zentrale in Frankfurt/Main (Bild: Arch2all)