Meisterhäuser wiedereröffnet

Die noch aufrechtstehenden Meistervillen des Dessauer Bauhauses wurden bereits vor Jahren restauriert. Jetzt sind auch die 1945 weitgehend zerstörten Häuser für Walter Gropius und László Moholy-Nagy wiederauferstanden – als „unscharfe“ Rekonstruktion, wie es das ausführende Büro Bruno Fioretti Marquez beschreibt: Eine gegossene Betonhülle mit eingelassen Senkgläsern umgibt ein plastisches hölzernes Inneres, das die originale Raumgliederung anreißt. Diese Spannung zwischen massiver Schale und leichtem Kern, die Olaf Nicolai gestaltete, kann der Betrachter zum ursprünglichen Bild des jeweiligen Hauses weiterdenken.

Mit einer dreitägigen Eröffnungsfeier begeht nun die Stadt Dessau vom 16. bis 18. Mai 2014 die Wiedereröffnung der Häuser. Zum zentralen Festakt werden Bundespräsident Joachim Gauck und Nachfahren der Bauhaus-Künstler erwartet. Themenbezogene Führungen durch die Siedlung und ein kulturelles Bühnenprogramm bilden den Rahmen. Parallel wird im Bauhausgebäude die Ausstellung „Dessau 1945: Moderne zerstört“ mit Fotografien von Henri Cartier-Bresson zu sehen sein. Die Schau zeigt vom 15. Mai bis zum 7. September 2014 die Entwicklung der Stadt von der nationalsozialistischen Machtübernahme bis zu ihrer Zerstörung. (14.5.14)

Neue Meisterhäuser in Dessau (Bild: Bauhaus Dessau)

Fritz Haller

Mini, Midi, Maxi – was nach der neuesten Rocklänge der 1960er Jahre klingt, war ein Baukastensystem aus eben jenem Jahrzehnt. Erfunden hat es der Architekt Fritz Haller (1924-2012), dem das Schweizerische Architekturmuseum Basel (SAM) vom 17. Mai bis zum 24. August 2014 eine Ausstellung widmet. Unter dem Titel „Fritz Haller. Architekt und Forscher“ gibt das SAM damit erstmals einen Überblick über Hallers wichtigste Projekte von der frühen Nachkriegszeit bis in die späten 1990er Jahre. Als Vertreter der sog. Solothurner Schule machte sich Haller über die Grenzen der Schweiz hinaus einen Namen.

Nachdem er zunächst mit Geometriemodellen experimentiert hatte, gelangte Haller in den frühen 1960er Jahren zu seinen berühmten Baukasten- und Installationssystemen MINI, MIDI und MAXI, die auch von anderen Architekten übernommen wurden. Mit der Firma USM entwickelte er zudem das erweiterbare Möbelsystem „USM Haller“, das seit 2000 im Museum of Modern Art in New York gezeigt wird. Begleitend zur Baseler Ausstellung, die am 16. Mai 2014 mit einer Vernissage eröffnet wird, finden Führungen, Exkursionen und am 16. August 2014 eine Konferenz zum Thema statt. (13.5.14)

Der Schweizer Architekt Fritz Haller wurde durch seine Baukasten- und Installationssysteme bekannt (Bild: Schweizerisches Architekturmuseum Basel)

Trauma und Utopia

Nicht nur für West- und Osteuropa, auch für Japan und den asiatischen Raum bedeutete das Jahr 1945 einen tiefgreifenden Einschnitt. Welche Auswirkungen hier das Kriegsende auf die Künste hatte, fragt das Internationale Symposion „Trauma and Utopia. Interactions in post-war and contemporary Art in Asia“, welches das Tate Research Centre: Asia-Pacific/London und das Mori Art Museum/Tokio vom 9. bis zum 10. Oktober 2014 in Tokio ausrichten. Das Symposion wird über die bildende Kunst hinaus ausdrücklich für die Themenfelder Architektur, Mode, Design und Stadtplanung geöffnet.

Die Veranstalter rufen nun zu Vorschlägen in den folgenden Schwerpunkten auf: Die urbane Umwelt (Stadt, Natur, Utopie), der menschliche Körper (Performance und Design), Japan in Asien und in der Welt (Konflikt, Kollaboration und pan-asiatische Beiträge). Vorschläge für 20-minütige Papers können als englischsprachiger Abstract von 250 Worten bzw. 500 Buchstaben in Japanisch bis zum 16. Mai 2014 gesendet werden an: trc.asiapacific@tate.org.uk und pp@mori.art.museum. Ausgewählte Redner würden dann gebeten, ihren vollständigen Text auf Englisch/Japanisch bis zum 9. September 2014 einzureichen. Beim Symposion können die Beiträge in Englisch oder Japanisch gehalten werden. (12.5.14)

Kenzo Tange, hier eines seiner frühen Häuser von 1953, gilt als Erneuerer der japanischen Nachkriegsarchitektur (Bild: Shinkentiku 30, 1955)