Sitzen – Liegen – Schaukeln

Ihr Kaffeehaustuhl Nr. 14 wurde legendär: Der Möbel-Firma Thonet widmet das Leipziger Grassi Museum bis 19. September 2014 die Ausstellung „Sitzen – Liegen – Schaukeln“. Gegründet 1819, war Thonet bekannt für klare gebogene Holzmöbel. In den 1930er Jahren kamen Stahlrohrdesigns hinzu, in den 1950er Jahren beschäftigt man große internationale Gestalter wie Verner Panton oder Norman Foster. Die Leipziger Ausstellung zeigt über 100 (Sitz-)Möbelstücke, vom berühmten Kaffeehausstuhl bis heute. Begleitend ist ein reich bebilderter Katalog erschienen. (9.5.14)

Sitzen – Liegen – Schaukeln (Bild: Grassi-Museum Leipzig)

Kurt Ackermann ist tot

„Kurt Ackermann war ein Mann mit Haltung“ – so der Grafiker Klaus Staeck für die Akademie der Künste zum Tod des Münchener Architekten. Ackermann, geboren 1928, starb am 6. Mai 2014 in Herrsching am Ammersee. Als gelernter Zimmermann und Maurer studierte er nach dem Krieg Architektur in München und eröffnete hier bereits 1953 ein eigenes Büro. Erste Bauten entstanden vor allem im bayerischen Raum, so 1971 die Friedenskirche in Gundelfingen/Donau. Einen internationalen Namen machte sich Ackermann jedoch durch seine späten Großprojekte in der Tradition der Klassischen Moderne: vom Eislaufzelt im Münchener Olympiapark (1983) bis zu Expo-Halle in Hannover (2000).

Doch auch die Sanierung historischer Bauten beherrschte Ackermann, der bis 2001 die Arbeiten am bayerischen Kloster Andechs leitete. Von 1974 bis 1993 lehrte er an der Universität Stuttgart und wurde mehrfach für sein umfassendes Werk ausgezeichnet, u. a. 1994 mit dem renommierten Architekturpreis der Heinrich-Tessenow-Medaille. Seit 2005 verwaltet die Akademie der Künste Ackermanns Archiv und ehrte ihn noch zu Lebzeiten mit der Publikation „Kurt Ackermann – Das Gesamtwerk des Architekten“. (8.5.14)

Selbst in New York kommt man am Werk von Kurt Ackermann nicht vorbei, der Ende der 1980er Jahre die Williamsburg-Bridge über den East-River sanierte (Bild: Glabb)

Baukunst der Nachkriegsmoderne

Kaum eine deutsche Großstadt veränderte ihr Gesicht nach 1945 so stark, wie das lange geteilte Berlin. Umso größer sind die Entdeckungen, die heute auf Architekturbegeisterte in der alten/neuen Hauptstadt warten. Ende 2013 stellten die illustren Herausgeber – Adrian von Buttlar, Kerstin Wittmann-Englert und Gabi Dolff-Bonekämper – daher im Berliner Reimer-Mann-Verlag einen umfassenden Architekturführer zusammen. Unter dem Titel „Baukunst der Nachkriegsmoderne“ werden ausgewählte Berliner Bauten der Jahre 1949 bis 1979 vorgestellt.

Ein ehrgeiziges Vorhaben, für das über 30 Autoren mehr als 200 Objekte beschrieben. Der engagierte Kreis fand sich in Seminaren der Herausgeber zusammen, wuchs über diese hinaus und machte u. a. mit der Ausstellung „denkmal!moderne – Vom Umgang mit unserem jüngsten Architekturerbe“ (TU Berlin und BCC Berlin) von sich reden. Unterstützt werden die Texte des neuen Architekturführers durch sprechende Fotografien von Alfred Englert, Mila Hacke und Markus Hilbich. Schon im Durchblättern erschließt sich dem Leser dadurch die hohe Bedeutung – vom architektonisch-ästhetischen Reiz bis zum historisch-politischen Zeugniswert – vieler moderner Baukunstwerke, für die sich Berlin gerade um den Welterbestatus bemüht. (7.5.14)

Buttlar, Adrian von/Wittmann-Englert, Kerstin/Dolff-Bonekämper, Gabi, Baukunstwerke der Nachkriegsmoderne. Architekturführer Berlin 1949-79, Reimer-Mann-Verlag, Berlin 2013, 502 Seiten, broschiert, über 640 Farbabbildungen und Grundrisse, 16,5 × 23,5 cm, ISBN 978-3-496-01486-7.

Baukunst der Nachkriegsmoderne (Bild: Reimer-Mann-Verlag)