Dortmund: gut durchs Sommerloch

Sommerzeit – Ferienzeit – Nachrichtenflaute. Nein, Wichtiges gibt es schon in der Welt. Doch gerade im Inland werden in den Sommermonaten oft die Kleinigkeiten breitgetreten. Und die immer selben Freizeittips wiederholt. Aus der Dortmunder Ausgabe der Westdeutschen Allgemein Zeitung kommt eine Anregung, die freie Zeit einmal anders zu gestalten: mit einer fundierten, überaus anregenden Aktion zu Architekturbesuchen. Der Dortmunder Architekt Richard Schmalöer hat Anfang August 30 Objekte zusammengestellt und ausführlich kommentiert, die eine Wieder- oder Neuentdeckung lohnen.

Mit dabei: natürlich auch ganz junge Bauten. Bauten der 1960er und 1970er Jahre als touristische Ziele? Ja, das ist offenbar in Dortmund kein Problem – eine erfreuliche Entwicklung in Zeiten, in denen das Schlechtreden immer wieder die Seiten füllen soll. Statt dessen also beispielsweise ein Ausflug zu Harald Deilsmanns imposantem WestLB-Gebäude von 1978. Es ist mittlerweile zum Ärztehaus umgebaut und steht seit 2010 unter Denkmalschutz. Unter die Hinweise zur zeittypischen Gestaltung mischt sich ganz zwanglos, wie die Nutzung durch den Umbau verbessert werden konnte. So lustvoll kann Nachkriegsmoderne sein. Auch nach den Ferien. (mb, 17.8.14)

Die Dortmunder WestLB wurde 1978 eingeweiht (Bild: A. Savin)

Lichtbilder

Vor 175 Jahren stellte das Frankfurter Städel erstmals Fotografien aus – und war damit das erste Museum weltweit, das sich an dieser neuen Kunst versuchte. Erst sechs Jahre zuvor, im Jahr 1839, hatte Louis Daguerre (1787-1851) in Paris seine Erfindung der Öffentlichkeit vorgestellt: Durch ein technisch-chemisches Verfahren sollte das Licht nun selbst die Bilder “malen”.

Die Daguerreotypie wurde zum Vorläufer der modernen Fotografie. Diese begründete einen neuen Berufsstand, wurde mit der Jahrhundertwende populär und nach dem Ersten Weltkrieg zum Massensport. Das Frankfurter Städel feiert das eigene Jubiläum bis zum 5. Oktober 2014 mit der Ausstellung “Lichtbilder”. Von den Anfängen bis ins Jahr 1960 werden die wichtigsten Strömungen der europäischen Fotokunst aus den eigenen Beständen vorgestellt. Neben Pionieren wie Nadar, Gustave Le Gray, Roger Fenton und Julia Margaret Cameron werden ebenso Fotokünstler des 20. Jahrhunderts gezeigt: von August Sander über Albert Renger-Patzsch bis zu Man Ray und Dora Maar. (kb, 17.8.14)

Man Ray, 1926 (Foto: Städel Museum – Artothek, Bild: VG Bild-Kunst)

50 Jahre Rathaus Kaiserslautern

„Profanbau mit städtebaulicher Dominanz“ und Symbol für den „gelungenen Wiederaufbau und die aufstrebende Entwicklung“ Kaiserslauterns sollte das neue Rathaus laut dem damaligen Oberbürgermeister Walter Sommer sein. Der Architekt Roland Ostertag (*1931) wurde diesem Anspruch gerecht, indem er der Stadt das höchste Rathaus der Bundesrepublik baute. 1964 wurde der Grundstein gelegt. Tatsächlich boomte Kaiserslautern damals, 1970 wurde die magische 100.000-Einwohner-Marke übersprungen und das Zentrum der Westpfalz offiziell zur Großstadt erklärt. Die Metropolen-Ambitionen, die der Bau verkörpern sollte, konnten in den Folgejahren jedoch nicht aufrecht erhalten werden: Wirtschaftliche Rezession sowie der Abzug der französischen Truppen trafen die Stadt hart und verhinderten ein weiteres Wachstum.

Das 84 Meter hohe Bauwerk wurde mit seiner streng gerasterten Fassade dennoch fester Bestandteil der städtischen Identität Kaiserslauterns. Ursprünglich sollte es in leicht abgewandelter Form im knapp 60 Kilometer entfernten Mannheim stehen. Ostertag gewann 1960 den dortigen Wettbewerb für ein neues Rathaus, wegen Finanzierungsschwierigkeiten wurde der Bau jedoch abgebrochen. (jr, 16.8.14)

Ostertags Rathaus ist heute eines der Wahrzeichen von Kaiserslautern (Bild: E.K.)

Ostertags Rathaus ist heute eines der Wahrzeichen von Kaiserslautern (Bild: E.K.)