Modernisierung durch Migration?

Mit den Gastarbeitern kam(en) nach dem Krieg nicht nur fremde Menschen, sondern gleich eine ganz(e) andere Kultur in die Bundesrepublik. Und die wieder heimkehrenden Türken brachten Eindrücke und Werte aus Deutschland mit. Nun organisieren das Orient-Institut Istanbul, das Forum Internationale Wissenschaft an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und die Bahçeşehir Universität – im Rahmen des deutsch-türkischen Wissenschaftsjahrs, unterstützt durch die DFG – die internationale Konferenz “Modernisierung durch Migration?”. Vom 23. auf den 24. Oktober 2014 fragt die Tagung in der Bahçeşehir Universität am Beşiktaş Kampüsü in Istanbul nach dem vielgestaltigen deutsch-türkischen Austausch nach 1945.

Das deutsch-türkische Anwerbeabkommen sollte 1961 eigentlich “Gastarbeiter” auf Zeit bringen. Doch entwickelte sich damit die Bundesrepublik zum aufstrebenden Einwanderungsland. Und auch in der Türkei bewegte sich durch die Heimkehrer Vieles in Richtung Moderne. Für die Konferenz diskutieren und referieren Vertreter der verschiedenen Disziplinen, deutsch-türkischen Unternehmen und NGOs über deutsch-türkische Wirtschaftsbeziehungen, den Kulturaustausch sowie Religionen im Dialog. Die Konferenzsprachen sind Deutsch und Türkisch mit Simultanübersetzung, die Teilnahme ist kostenlos. (kb, 15.8.14)

Im Jahr 1959 wurde in Frankfurt-Sachsenhausen die erste Moschee der Stadt eröffnet: die Nuur-Moschee (Bild: rupp.de)

Rudolf Horn zum 85. Geburtstag

“Er ist für Ostdeutschland der Repräsentant für das Systemdesign.” Zu diesem Urteil kommt Sabine Epple, Kuratorin für Moderne im Leipziger Grassi Museum für Angewandte Kunst gegenüber rp-online. Die Rede ist vom Designer Rudolf Horn (* 1929) Denkt man an moderne Möbel der DDR, führt kein Weg an der MDW-Anbauwand vorbei. Sie wurde 1967 von Rudolf Horn entworfen und steht bis heute in vielen Wohnzimmern. Mit flexiblen Wohn-Systemen wollte er, so Horn rückblickend, “die Menschen vielmehr in die Lage versetzen, dass sie selbst entscheiden können, wie sie leben und wohnen wollen.”

Noch bis zum Jahresende widmet das Leipziger Grassi-Museum für Angewandte Kunst Horn nun zum 85. Geburtstag eine kleine Präsentation. Bis Ende Dezember 2014 sind in der Dauerausstellung so nicht allein Stücke des MDW-Programms und Kunststoff-Garderobenteile zu bewundern. Zusätzlich werden zwei von Horn gestaltete Clubsessel aus den 1960er Jahren gezeigt. Viele seiner Entwürfe hat man auch digital aufbereitet: Mit einem kleinen Film kann der Besucher auf gut 50 Jahre DDR-Design zurückblicken. (tw, 14.8.16)

Rudolf Horn entwarf die legendäre MDW-Anbauwand, hier als Arbeitszimmereinrichtung im DDR-Museum Radebeul  (Bild: Stefan Kühn)

Das Ende der Rhein-Main-Hallen

Die Wiesbadener Rhein-Main-Hallen zählt man zu den ersten bundesdeutschen Mehrzweckhallen. Eingeweiht wurde der flachgedeckte langgestreckte Bau zwischen Hauptbahnhof, Kurhaus und Altstadt bereits 1957 nach einem Entwurf des Architekten Heinrich Roßkotten. Er wurde am ehemaligen Standort des Taunus- bzw. Rheinbahnhofs errichtet. In den Rhein-Main-Hallen fanden große Kultur-, Sport- und Festveranstaltungen statt. Nicht nur der Showmaster Hans-Joachim Kuhlenkampff war mit seiner Quiz-Sendung “Einer wird gewinnen” ein regelmäßiger Gast.

Die Rhein-Main-Hallen wurden bereits mehrfach verändert. Zuletzt ergänzte man sie 2006 um einen Konferenzsaal und einen repräsentativen Eingangsbau. Der Abriss des Ensembles ist seit 2012 beschlossene Sache. Nach einem vorlaufenden Wettbewerb wurde der vierte Preisträger, das Büro Ferdinand Heide Architekten mit dem Neubau beauftragt. Heide hat sich in der Region bereits mit seinen Entwürfen für den neuen Frankfurter Westend-Campus einen Namen gemacht. Im August 2014 wird nun mit dem Abriss der Rhein-Main-Hallen begonnen. Der Neubau soll 2018 fertiggestellt werden: 180 Millionen Euro für 25.000 Quadratmeter für 9.000 Menschen. (kb, 13.8.14)

Wiesbaden, Rhein-Main-Hallen vor dem Umbau von 2006 (Bild: Magnus Manske, 2004)