Pedestrian Modern

Einkaufsläden und -zentren gehören so eng zu unserem Alltag, dass sie nur allzu leicht zur “Architektur zweiter Klasse” geraten können. Doch zählten solche Räume des Handels in der Mitte des 20. Jahrhunderts nicht an den Rand, sondern zum Kern modernen Bauens. In seinem Buch “Pedestrian Modern” arbeitet David Smiley heraus, wie sich die architektonische Inszenierung des “Shoppings” in den USA zwischen 1925 und 1956 entwickelte.

Mit den Jahrzehnten wuchs dem modernen Architekten eine Doppelrolle zu. Nicht genug, dass er den einzelnen Geschäftsraum entwarf. Darüber hinaus wurde er verantwortlich für dessen Einbindung in den Straßenzug, die Platzgestaltung und die weitere Umgebung. Smiley verfolgt dieser Entwicklung seit den 1920er und 1930er Jahren, als Glas und Transparenz zum Innbegriff eines modernen Ladengeschäfts wurden. In den 1940er Jahren wies man zunehmend Einkaufszonen aus, um in den 1950er Jahren auf die grüne Wiese vor den Städten umzuziehen. Indem Smiley der Gestaltung der Einkaufsräume folgt, entfaltet er zugleich eine Geschichte der amerikanischen Architekturmoderne. (kb, 20.7.14)

David Smiley, Pedestrian Modern. Shopping and American Architecture. 1925-1956, University of Minnesota Press, 2013, 357 Seiten, 25 x 18 cm, ISBN 978-0816679300.

Pedestrian Modern (Bild: University of Minnesota Press)

Eiermann-Campus: Versteigerung?

Seit 2009 steht die ehemalige IBM-Zentrale in Stuttgart leer. Der Büro-Campus wurde von 1969 bis 1972 nach Plänen von Egon Eiermann gebaut. Seinerzeit ging die Anlage an eine Investorengruppe, die 2011 Insolvenz anmeldete. Vor wenigen Monaten hat der Insolvenzverwalter schriftlich angekündigt, die denkmalgeschützten Gebäude nicht weiter zu unterhalten. Zudem möchte er das 40.000 Quadratmeter fassende Areal aus der Insolvenzmasse herauslösen. Derzeit obliegt es der Stadt, die verlassenen IBM-Büros vor Vandalismus und Verfall zu schützen.

Einige Planer wollen das Gelände behutsam für neue Wohn-, Büro- und gewerbliche Nutzungen erschließen. Gedacht ist etwa, Gebäude mit vier bis sieben Geschossen modular anzuordnen – wie wie Kleinstquartiere von hoher städtebaulicher Dichte. Daneben sollen die Eiermann-Bauten denkmalgerecht energetisch saniert werden. Doch, wer sich nun des Areals annimmt, ist völlig offen. Nach dem derzeitigen Stand läuft alles auf eine Zwangsversteigerung hinaus. (db, 19.7.14)

Sich selbst überlassen: die Stuttgarter IBM-Zentrale (Bild: J. Zinnbauer)

“Die Tage woher wir kommen”

Mit dem Ersten Weltkrieg, spätestens mit der Machtüberlassung an die Nationalsozialisten wurde das 20. Jahrhundert erwachsen – und schaute zurück auf die eigene Kindheit. Das 19. Jahrhundert interessierte nun Größen aus den verschiedenen Disziplinen – vom Philosophen Ernst Bloch über den Architekturhistoriker Sigfried Giedion, den Politikwissenschaftler Dolf Sternberger und den Theologen Ernst Troeltsch bis zum Soziologen Norbert Elias und zum (Kunst-)Historiker Benedetto Croce. Der Blick auf das 19. sollte die Krisen im 20. Jahrhundert erklären.

Diesem Thema widmet sich die Konferenz “Die Tage woher wir kommen? Das 19. im 20. Jahrhundert”, die vom 12. auf den 13. Dezember 2014 an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz stattfinden wird. Es handelt sich zugleich um die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für die Erforschung des 19. Jahrhunderts. Vorschläge (ca. 300 Wörter, für einen etwa 20-minütigen Vortrag, inkl. CV, Reisekosten werden übernommen) aus allen kulturwissenschaftlichen Disziplinen können bis zum 15. September 2014 gesendet werden an: Prof. Dr. Gregor Wedekind, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft, Jakob-Welder-Weg 12, 55128 Mainz, gregor.wedekind@uni-mainz.de. (kb, 18.7.14)

Schriftsteller und Philosophen wie Ernst Bloch sinnierten im 20. über das 19. Jahrhundert (Bild: Bundesarchiv Bild 183-35545-0009, Bild: Krueger, CC BY SA 3.0)