Awaiting – wartende Gebäude

Dass Verfall eine besondere Anziehungskraft hat, weiß jeder Spaziergänger mit lost-places-Ambitionen. Doch entlocken die Fotokünstler des Online-Projekts “Regentaucher” – Petra Mattheis und Sascha Nau – ihren Objekten einen ganz eigenen Reiz. Für die Bilderserie “Wartende Gebäude” suchen sie im Umland von Leipzig stillstehende Bauten – zumeist des 20. Jahrhunderts – auf und stellen sie in den Mittelpunkt.  Ungeschönt und menschenleer wird so jedes Haus seinem Betrachter in einem Einzelporträt persönlich vorgestellt.

“Leipzig ist nicht mehr die gleiche Stadt, wie wir sie vor wenigen Jahren erlebt haben.” Mattheis und Nau frieren den Moment der Veränderung ein: Baulücken, Brachen und sanierungsbedürftige Häuser. Noch warten ihre Fotomotive auf den bevorstehenden Wandel, noch ist offen, ob Grund zur Hoffnung besteht. Seit 2013 haben Nau und Mattheis bereits drei Serien ihrer Aufnahmen online gestellt – und damit große Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Nicht nur “Die Zeit” berichtete bereits über die Plattform, auch internationale Online-Projekte schauen neugierig auf die Leipziger Motive. (kb, 9.8.14)

“Wartende Gebäude” in und um Leipzig (Bild: regentaucher.com, P. Mattheis/S. Nau)

Curry-Kiosk für Kassel

Das (nachkriegs)moderne Kassel findet immer mehr Freunde. Über die Documenta-Schau und die Treppenstraße hinaus sind es gerade die kleinen Zeitzeugen, die den Retro-Charme der Stadt prägen. Dazu zählen auch die elegant geschwungenen Kioske, die das Hochbauamt in den 1950er Jahren über Kassel verteilte. Nur wenige sind übrig geblieben und die meisten stehen leer.

Nicht so am Kulturbahnhof: Der denkmalgeschützte Kiosk am Hauptbahnhof soll nun instandgesetzt und als Currywurst-Bude genutzt werden. Entworfen wurde der Verkaufsstand für Obst- und Süßwaren 1956 vom Kasseler Architekten Kurt Twelker (1909-2000). Bis heute besticht seine Nierentischform – vom Grundriss über das Flugdach bis zu den originalen Gläsern in filigranen Metallprofilen. Diese Details sollen erhalten und die ursprüngliche Farbigkeit wiederhergestellt werden. Ab September 2014 will der Kasseler Gastronomen Oliver Bertram hier die ersten Currywürste anbieten – ein Grund mehr für einen Ausflug nach Nordhessen. (tw, 8.8.14)

Im September zieht in den elegant geschwungenen Kiosk wieder Leben ein (Bild: T. Wolf)

Welchedenkmale?

“Erfassen, Bewerten und Kommunizieren des baulichen Erbes der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts” – die neue Internet-Plattform www.welchedenkmale.info hat sich die drängenden Fragen der Nachkriegsmoderne vorgenommen. Dafür haben sich die Bauhaus-Universität Weimar und die Technischen Universität Dortmund zusammengetan. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt das Vorhaben im Rahmen seiner Förderinitiative “Die Sprache der Objekte – Materielle Kultur im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen”.

Einbezogen werden Wissenschaftler der Architektur, Denkmalpflege, Kunstgeschichte und der sozialwissenschaftlichen Stadtforschung. Allen geht es um die Frage: Wie, warum und von wem wird die Architektur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wahrgenommen, wertgeschätzt und weiterverwendet? Hierzu hält die Plattform drei Angebote bereit. Im Bereich Material werden ausgewählte Objekte vorgestellt. Der Blog informiert über Publikationen des Forschungsverbunds und neue Entwicklungen zum Thema. Und in der dritten Rubrik Meine Moderne kann sich jeder an der Diskussion beteiligen: “Was ist für Sie die Moderne, wer oder was ist davon denkmalwert?” (kb, 7.8.14)

Welche Denkmale welcher Moderne? (Bild: www.welchedenkmale.info)