Schinkel vs. Kaiser

Schinkel vs. Kaiser

Berlin, Außenministerium, 1972 (Foto: Peter Heinz Junge, Bild: Bundesarchiv Bild 183 L0927 0305, CC BY SA 3.0)
Berlin, Außenministerium, 1972 (Foto: Peter Heinz Junge, Bild: Bundesarchiv Bild 183 L0927 0305, CC BY SA 3.0)

Es gehört manchmal zum Schicksal der Sport- und Architekturberichterstattung, über bereits vollzogene Niederlagen schreiben zu müssen – so auch in diesem Fall. Das ehemalige Außenministerium der DDR war in Berlin 1967 auf historischem Boden entstanden. Am heute sog. Schinkelplatz war bis 1962 noch die Kriegsruine der Bauakademie zu sehen, die kein Geringerer als Karl Friedrich Schinkel  1836 gestaltet hatte. Eine Backstein-Ikone des Klassizismus mit einem Hang zur konzentrierten Form, wie ihn später die Moderne aufgreifen sollte.

Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Der Bau wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt, man erwog einen Wiederaufbau, man erwog einen Neubau, der Neubau gewann. Der Architekt Josef Kaiser (mit Heinz Aust, Gerhard Lehmann und Lothar Kwasnitza) schuf einen 144 Meter langen und zehn Geschosse hohen Riegel mit weißer Kunststoff-Verkleidung (nicht, wie zur Bauzeit angepriesen, emaillierte Platten). Nach dem Ende der DDR fiel der Bau 1995/96 zugunsten einer Rekonstruktion des Schinkelplatzes, auch die Bauakademie sollte wiedererstehen – ein Gerüst mit Plane gibt schon einen Vorgeschmack darauf. Nun entschied der Haushaltsausschuss des Bundestags, die Mittel für die Rekonstruktion für 2017 einzustellen. Ob es Schinkel goutiert hätte, derart über seinen Berufskollegen Kaiser zu „siegen“, sei einmal dahingestellt … (kb, 17.11.16)

Zinssers Modellarchitektur

Zinssers Modellarchitektur

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Zinssers Conti-Hochhaus wird heute von der Universität genutzt (Bild: Christian A. Schroeder, CC BY SA 4.0)

In Hannover widmet sich eine Ausstellung der niedersächsischen Architektenkammer dem Werk des Architekten Ernst Zinsser. Neben Stadtbaurat Rudolf Hillebrecht war er einer der wesentlichen Akteure des Wiederaufbaus der Stadt. Er zeichnete für etliche Landmarken des neuen Hannovers verantwortlich, allen voran das Conti-Hochhaus; Zu dessen Eröffnung im Jahre 1953 war der Hauptverwaltungssitz der Gummiwerke der höchste Neubau der Bundesrepublik.

Bereits im Juli widmete sich eine Fotografieausstellung Zinssers Werk. Die Ausstellung der Architektenkammer nimmt unter dem Titel „Der Architekt Ernst Zinsser“ seine Bauten nun mit Modellen in den Blick. Die neue Schau wurde in enger Kooperation mit der Leibnitz-Universität konzipiert. Deren Studenten haben den Bau der Zinsser-Modelle übernommen, die im Maßstab 1:100 bis 1:20 gehalten sind. Im Vorfeld erforschten die Nachwuchsarchitekten in umfangreichen Archivrecherchen 16 Bauten Zinssers, um eine Grundlage für die historisch korrekten Modelle zu erlangen. Die Ausstellung ist bis zum 12. Dezember 2016 im Haus der Architektenkammer Niedersachsen (Laveshaus, Friedrichswall 5, 30159 Hannover) zu sehen. (jr, 16.11.16)

Kirche weitergebaut VII

Kirche weitergebaut VII

Dülmen, Maria Königin (Bild: Dietmar Rabich, CC BY SA 4.0)
Erst Kirche, jetzt Seniorenwohnanlage: Dülmen, Maria Königin (Bild: Dietmar Rabich, CC BY SA 4.0)

Wird über die Umnutzung oder Nutzungserweiterung von Kirchenbauten diskutiert, ist meist von den jüngeren unter ihnen die Rede: von Gottesdiensträume der Nachkriegsmoderne. Diesem Thema widmet sich in der Katholische Akademie Schwerte auch die Reihe „Kirche weitergebaut“, die am 21. November 2016 in ihren VII. Teil gehen wird. Ausgehend vom Teilaspekt „Die Aufgabe der Gebäude“ im „Zukunftsbild“ des Erzbistums Paderborn, das vom Projektleiter Monsignore Dr. Michael Bredeck vorgestellt wird, schließt Prof. Dr. Albert Gerhards (Liturgiewissenschaftliches Seminar, Universität Bonn) mit einem Vortrag zur Thematik des Sakralraums als „Hybridraum“ und „kritischem Raum“ an.

An zwei herausragenden zeitgenössischen Kirchbauprojekten werden beispielhaft neue architektonische Ansätze vorgestellt: Das Büro Soan Architekten aus Bochum verwirklichte mit dem Stadtteilzentrum Q1 in Bochum-Stahlhausen den Umbau der evangelischen Friedenskirche zu einer Begegnungsstätte für interkulturelle und interreligiöse Stadtteilarbeit. Im westfälischen Dülmen wurde die katholische Pfarrkirche Maria Königin aus den 1960er Jahren vom Architekturbüro Feja+Kemper aus Recklinghausen zu einem Sakralraum mit integrierten Seniorenwohnungen erweitert. Die Veranstaltung wird von der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen als Fortbildung anerkannt, es wird eine Teilnahmegebühr erhoben. (kb, 15.11.16)