Londons U-Bahn-Modernismus

Londons U-Bahn-Modernismus

Weber: Modernismus (BIld: Mann-Verlag)
Die U-Bahnhöfe von London repräsentieren eine spezifische englische Moderne (Bild: Gebrüder-Mann-Verlag)

Die Entwicklung der Metros und U-Bahnen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war von  transnationalem Austausch der beteiligten Experten geprägt. Erfahrungen mit unterschiedlichen Tunnelkonstruktionen und Baupraktiken wurden länderübergreifend rezipiert. Eine der meistbeachteten U-Bahnen der Welt war und ist die London Underground. Gerade in ihrer sichtbaren Architektur entwickelte sie bis 1933 eine spezifische Ästhetik, wie eine jüngst erschienene Monographie von Ulrike Weber herausstellt.

Die Londoner U-Bahnhöfe zeigen demnach eine bewusste nationale Abgrenzung gegenüber dem Internationalen Stil: In Stahlbeton errichtet und mit Backstein verkleidet, verbanden sie englische Traditionen mit hochmodernen Baukonstruktionen. Bei der Genese dieser Formensprache spielte jedoch auch der Architekturtransfer mit dem Kontinent und besonders dem Deutschen Reich eine Rolle. Die Aktivitäten des Deutschen Werkbundes stießen im Vereinten Königreich auf großes Interesse, mit der DIA (Design and Industries Association) wurde 1915 ein britisches Gegenstück geschaffen. Die Dissertation analysiert diesen Austausch und den spezifisch englischen Modernismus der Londoner Metro erstmals umfassend nach architekturtheoretischen und -historischen Gesichtspunkten. (jr, 28.1.17)

Weber, Ulrike, Modernism in England. Londoner U-Bahnhöfe und der deutsch-englische Architekturtransfer vor 1933, Gebr. Mann Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-7861-2745-1.

Bierpinsel und 2 x U-Bahn unter Schutz

Bierpinsel und 2 x U-Bahn unter Schutz

Und auch Deutschlands feinster Essayist schätzt die Spätmoderne: CD-Cover Max Goldt, Berlin, Bierpinsel (Copyright: EFA-Vertrieb)
Und auch Deutschlands feinster Essayist schätzt die Spätmoderne: CD-Cover Max Goldt, Berlin, Bierpinsel (Copyright: EFA-Vertrieb)

Zwei Schwalben machen ja bekanntlich noch keinen Sommer, aber drei Unterschutzstellung spätmoderner Schönheiten sehen doch zumindest nach leichtem Tauwetter aus: In Berlin haben es das liebevoll Bierpinsel genannte Turmrestaurant (1976, Ralf Schüler/Ursulina Schüler-Witte), die U-Bahnhöfe Schloßstraße (späte 1960er Jahre, Ralf Schüler/Ursulina Schüler-Witte) und Fehrbelliner Platz (1971, Rainer Gerhard Rümmler) auf die Denkmalliste geschafft, wie das Internet-Portal urbanophil meldet. Schon seit Monaten kämpfen Experten und Initiativen wie „Kerberos“ um die bunten Schönheiten, die sich schon längst ins kollektive Bewusstsein der Hauptstadt gegraben haben.

Hintergrund ist, wie zumeist bei Unterschutzstellungen, die zunehmende Bedrohung gerade dieser Monumente. Um den Bierpinsel wird seit Monaten geplant, diskutiert und wieder zugeschlossen, in einigen Berliner U-Bahnstationen wurden schon Fakten geschaffen und Erhaltenswertes wegsaniert. Doch gerade in den 1970er Jahren hatte die Insel Berlin im öffentlichen Raum bemerkenswerte popfarbene Blüten getrieben. Die Unterschutzstellung von drei anerkannten Marken dieser Bauphase ist ein guter Anfang. Denn es ist wie immer: Nach dem Spiel ist … (kb, 27.1.17)

Bonn: Botschaft wird abgerissen

Bonn: Botschaft wird abgerissen

Bonn, Botschaft Saudi-Arabien ca. 2009 (Bild: leerstandsmelder.de)
In wenigen Monaten wird die ehemalige Botschaft Saudi-Arabiens Geschichte sein (Bild: leerstandsmelder.de)

Seit 1999 stand sie bereits leer, nun wird die frühere saudi-arabische Botschaft in Bonn abgerissen. Seit einer Woche laufen die Arbeiten an dem 1976 eingeweihten Bau. Ein Nebengebäude aus den Fünfzigern ist bereits verschwunden, bis die Bagger auch dem Haupthaus den Garaus machen, wird noch etwas Zeit vergehen – zunächst werden Asbest- und PCB-haltige Materialien von Hand entfernt. 2008 hatte Saudi-Arabien das Bonner Gelände an einen Investor verkauft, 2015 wechselte es erneut den Besitzer. Zunächst sollte dort eine Hotelanlage entstehen, doch dieses Vorhaben scheiterte an den Vorgaben der Stadt. Nun wird auf dem Grundstück Tabula Rasa gemacht, der Abrissantrag war bereits seit Längerem bewilligt.

Nach der Versteigerung der indonesischen Botschaft vor wenigen Wochen bleiben jetzt noch sieben Ländervertretungen, die an das diplomatische Leben der früheren Bundeshauptstadt erinnern. Einige werden wohl noch länger ungenutzt bleiben. Darunter auch die jugoslawische: Da der Staat nicht mehr existiert, hat das Auswärtige Amt Schwierigkeiten, eine Lösung für das ehemalige Botschaftsgebäude zu finden. Ähnlich verhält es sich mit der somalischen Botschaft. In dem zerfallenden Staat gibt es keine Ansprechpartner. Unbekannt ist zurzeit auch, was aus den einstigen Vertretungen von Iran, Südafrika, Nigeria, Syrien und Ungarn wird. (db, 25.1.17)