Bonn: Südüberbauung is fott

In Bonn wird derzeit der Bahnhofsvorplatz umgebaut. Die derzeitige Gestaltung, die Friedrich Spengelin für die damalige Bundeshauptstadt in den 1970er Jahren ausarbeitete, stand in den letzten Jahren zunehmend in der öffentlichen Kritik. Besonders das „Bonner Loch“, eine raumgreifende Treppenanlage, die zum unterirdischen Teil des Bahnhofs führt, hat nur wenige Fürsprecher in der Stadt. Sie soll nun überbaut, die angrenzende Architektur abgerissen werden. Die Südüberbauung, ein Gebäudekomplex mit Geschäften, Restaurants und einem Hotel gegenüber dem Bahnhof, ist seit einigen Tagen gänzlich verschwunden.

An ihre Stelle soll das sogenannte „Maximiliancenter“ treten, das voraussichtlich 2018 fertiggestellt wird. Ganz sang- und klanglos abräumen ließ sich die Südüberbauung jedoch nicht. Im Juni stürzte beim Abriss des grauen Riesen ein Kran um und zerriss die Oberleitung der nahen Straßenbahn, so dass in der Bundesstadt für Stunden Verkehrschaos herrschte. Die Abrissarbeiten wurden darauf aus Sicherheitsgründen auf die Nacht- und frühen Morgenstunden verlegt. Die Gefahr, dem Vergessen anheimzufallen, droht der Südüberbauung übrigens nicht: Der jüngste Architekturführer der Werkstatt Baukultur Bonn gilt dem Bahnhofsvorplatz nach der Planung Spengelins. (jr, 23.8.17)

Bonn, Südüberbauung (Bild: Eckhard Henkel/Wikimedia Commons/CC BY SA 3.0 DE)

Tipps zum TofD: 25 Jahre Denkmaltag in Berlin

Am 9. und 10. September 2017 steht in Berlin zum 25. Mal der „Tag des offenen Denkmals“ (TofD) auf dem Programm – mit mehr als 330 Veranstaltungsorten. Passend zum diesjährigen Schwerpunktthema „Macht und Pracht“ beteiligen sich Schlösser und Rathäuser ebenso wie ehemalige Gefängnisse und Arbeitslager. Unter den (nachkriegs-)modernen Zielen seien nur einige herausgegriffen: Das 1929 von Hans Poelzig gestaltete Haus des Rundfunks (Masurenallee 10/14) kann am Samstag und Sonntag je um 10 und 12 Uhr mit einer Führung erkundet werden (Treffpunkt: Haupteingang, Lichthof, max. 25 Personen, Anmeldung erforderlich bis 8. September).

Wer über einen eigenen Drahtesel verfügt, kann sich auf die „Fahrradtour zu Berliner Gas-Straßenlaternen“ durch den Kiez südlich des Schlosses Charlottenburg bewegen. Am Samstag trifft man sich um 20 Uhr am U-Bahnhof Sophie-Charlotte-Platz (Ausgang Schloßstraße) zur einstündigen Rundfahrt. Oder Sie werfen einen Blick in die letzte Heimat eines stilprägenden Architekten, in die „Atelierwohnung Hans Scharoun“ (Heilmannring 66A, 13627 Berlin). Hier sind am Samstag und am Sonntag zwischen 11 und 16 Uhr Wohnungsbesichtigungen möglich (Treffpunkt: 6. OG, Zugang zum 7. OG nach Einweisung). Insgesamt sind die TofD-Veranstaltungen weitgehend kostenfrei, für Führungen wird häufig um rechtzeitige Anmeldung gebeten. Die Programmhefte liegen kostenfrei im Landesdenkmalamt Berlin aus (Klosterstraße 47, Berlin-Mitte, Mo – Fr 7 – 19 Uhr), das Gesamtprogramm ist online einsehbar. (kb, 22.8.17)

Berlin, Haus des Rundfunks (Bild: Daniel Stark, CC BY SA 2.0)

Propsteikirche verkauft – und bald abgerissen?

Name und Preis sind zwar noch unbekannt, doch eines hat der Leipziger Propst Gregor Giele gegenüber „KNA/katholisch.de“ bestätigt: Die Alte (sprich nachkriegsmoderne) Propsteikirche in Leipzig ist verkauft. Der kubische Bau in der Emil-Fuchs-Straße entstand 1982 nach Plänen der DDR-Bauakademie. Zuvor war 1954 die „erste“ Propsteikirche (1847) in der Rudolphstraße nach Kriegsbeschädigungen gesprengt worden. Nach der Wiedervereinigung entschied sich die katholische Gemeinde für einen Neubau an der prominenten Kreuzung von Martin-Luther-Ring, Peterssteinweg und Nonnenmühlgasse. Ein vielbeachteter Architektenwettbewerb mündete in den 2015 geweihten Neubau durch das Leipziger Architekturbüro Schulz & Schulz.

Der nunmehr „alte“ Kirchenraum wurde 2015 sowohl profaniert als auch (als besonderes Zeugnis der DDR-Architektur) unter Denkmalschutz gestellt – und damit war ein Konflikt programmiert, wollte die Gemeinde doch das Grundstück veräußern (inklusive Abriss der bestehenden, als „baufällig“ bezeichneten Kirche). Inzwischen sollen die Arbeiten des Berliner Metallbildhauers Achim Kühn, der für Leipzig die liturgischen Orte und Portale gestaltete, eingelagert worden sein. Sie sollen künftig in einem Museum in Borna gezeigt werden. Und der Käufer des ostmodernen Kirchengebäudes habe, so „KNA/katholisch.de“, „bei Bauamt und Denkmalpflege erfolgreich prüfen lassen, dass ein Abriss (…) doch möglich wäre“. (kb, 21.8.17)

Leipzig, Alte Propsteikirche (Bild: Rabanus Flavus, CC0)