Denkmalpflege mit gewissen Vorzügen

Es ist ein böses (böses!) Vorurteil, dass der typische Denkmalpfleger (und natürlich *in) nach Dienstschluss sein Cordsakko über den Empirestuhl wirft, um ein Natursauerteigbrot im selbstgeformten Lehmbackofen zu fertigen. Egal wie, besagter Fachkollege hat inzwischen mit Sicherheit Internet, ebenso wie seine Klientel – vom Fachwerkhäusler bis zum Lofthipster. Und aus eben diesen Gründen ist es überfällig, dass sich die Denkmalpflege auch der virtuellen Welt annimmt. Das Niedersächsische Landesamt geht hier gerade, auch mit Blick auf die anstehende Jahrestagung der Landesdenkmalpfleger in Oldenburg, einen großen Schritt in Richtung Zukunft.

Seit einigen Wochen ist der offizielle Blog „OLD News“ online. Stefan Winghart, Präsident des besagten Landesamts, bringt es in seinem begrüßenden Post auf den Punkt: „Vorwort zu einem Blog: Ich habe in inzwischen mehr als 38 Dienstjahren schon vieles geschrieben, aber das noch nicht.“ In seiner Folge werden Grundsatzfragen beantwortet („Hilfe, ich lebe im Denkmal!“), aber auch die urbane Seite Oldenburgs (Daniel Furhop) oder die cineastische Vergangenheit eines modernen Heidedörfchens beleuchtet. Reinschauen lohnt also – wir werden es jedenfalls regelmäßig tun! (kb, 19.4.17)

Szene des – in einem moderne Heide-Feriendörfchen gedrehten – Films „Heimat – Deine Lieder“ (P. May, 1959) mit der Schauspielerin S. Bethmann (Bild: Divina-Farbfilm, Gloria-Filmverleih): Online gibt es den Film HIER anzuschauen.

Die Rückkehr eines Wandbilds

Überall fallen künstlerische Zeugnisse der Ostmoderne. Überall? Nein, Erfurt … Bis zum Sommer 2017 lässt die Stadt das 6 x 28 Meter große Glaskeramik-Wandmosaik „Die Beziehung des Menschen zu Natur und Technik“ von Josep Renau (1907-82) restaurieren. Der bis 1976 in der DDR ansässige spanische Künstler schuf das monumentale Werk für das ehemalige Kultur- und Freizeitzentrum in Erfurt. Seine Beauftragung zog sich von 1975 bis 1980 hin, die Einweihung erfolgte 1984.

2008 wurde das Wandbild am Moskauer Platz in Erfurt unter Denkmalschutz gestellt. Als das leerstehende Kultur-und Freizeitzentrum abgerissen werden sollte, wurde das monumentale Kunstwerk 2012 abgenommen und eingelagert. Nun kehrt es, in einer konzertierten Aktion von Stadt, Kulturdirektion, Wüstenrot Stiftung, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie und „bürgerschaftlichem Engagement“, an seinen alten Ort zurück. Zu diesem Anlass werden aktuell im Grafikkabinett des Angermuseums (Anger 18, 99084 Erfurt) Studien, Entwürfe, Fotodokumente und der maßstäbliche Karton zum Wandbild präsentiert. Die Ausstellung „Josep Renau und sein Erfurter Wandbild“ ist noch bis zum 28. Mai 2017 zu sehen. (kb, 18.4.17)

Titelmotiv: Josep Renau, Entwurf zum Erfurter Wandbild (Detail), 1982, Mischtechnik auf Holz (Bild: © Stadtverwaltung Erfurt/D. Urban)

Mehr Licht!

Der geneigte Leser wird sich erinnern. „Mit Licht kann man bauen“, so lautet die zentrale These einer Neuerscheinung. Die beiden Herausgeber, der Theologe Thomas Erne (EKD-Institut für Kirchenbau, Marburg) und der Kunsthistoriker Ralf Liptau (Universität der Künste Berlin), kamen darin zu dem Schluss: Bar jedweder historischer Stilzitate hatte der moderne Kirchenbau gar keine andere Wahl, als mit Hilfe des Lichts einen profanen zu einem sakralen Raum zu formen.

Den Buchtitel ziert ein Detail der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, die Egon Eiermann mit dem Glaskünstler Gabriel Loire 1961 in mystisches Blau tauchte. Anknüpfend an einen ersten Studientag im Oktober 2015 ist nun eine Fortsetzung geplant: Der „Studientag II: Licht – Material und Idee im Kirchenbau der Moderne“ findet am 27. April 2017 in Berlin auf der Orgelempore der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche (Breitscheidplatz) statt. Pfarrer Martin Germer (Berlin) führ ein in das „Licht in den beiden Kirchenräumen der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche“, Anna Minta (Linz) referiert über „Licht und Schatten. Ideologien und Utopien in der Architektur der Moderne“ und nicht zuletzt spricht Ralf Liptau (Berlin) über „Licht im Kirchenbau der Nachkriegsmoderne“. (kb, 17.4.17)

Titelmotiv: Berlin, Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche (Bild: Johann H. Addicks, GFDL oder CC BY SA 3.0)