Karl-Marx-Stadt liegt in Amerika

Das Wende Museum bringt Kunst und Alltag der DDR in die Vereinigten Staaten (Bild: The Wende Museum, Marie Astrid-Gonzalez. CC- BY-SA 3.0)
Das Wende Museum bringt Kunst und Alltag der DDR in die Vereinigten Staaten (Bild: The Wende Museum, Marie Astrid-Gonzalez. CC- BY-SA 3.0)

In den 1980er Jahren konzentrierte sich die DDR-Führung bei  der Suche nach Anerkennung für den maroden Arbeiter- und Bauernstaat zunehmend auf das westliche Ausland. Erich Honecker wurde nicht nur von Helmut Kohl und Francois Mitterand, sondern sogar vom Papst empfangen. Ein Wunsch blieb dem Generalsekretär jedoch verwehrt: der Staatsbesuch in den USA. Seit 2002 hat die DDR hier wieder eine ständige Vertretung: Das Wende Museum and Archive of the Cold War zeigt in Culver City bei Los Angeles die wahrscheinlich größte Sammlung ostdeutscher Alltags- und Kunstobjekte außerhalb Deutschlands.

Justinian Jampol, Gründer und Direktor des Museums, grenzt sich im Ansatz von selektiven Methoden historischer Museen oder Archive strikt ab. Der Historiker sammelte vielmehr seit seiner Studentenzeit Alltagsgegenstände ebenso wie Staatskunst, Illustrierte oder Mauersplitter. Wichtigstes Kriterium: DDR-Provenienz.  Das Ergebnis ist eine allumfassende thematische Sammlung, die bis heute ständig erweitert wird. Auch aus diesem Grund soll das mittlerweile fest etablierte Museum nun expandieren: die Stadt stellte hierzu einen ehemaligen Militärkomplex inklusive Atombunker aus dem Jahr 1949 (!) zur Verfügung. (jr, 10.11.2014)

80 Jahre Richard Meier

Los Angeles, Getty Center (Bild: Peter Berger)
Für das Getty Center in Los Angeles prägte Meier 1998 einen eigenen Weißton, das leicht gebrochene „Getty-Weiß“ (Bild: Peter Berger)

Leuchtend, klar und äußerst fotogen – einen Richard Meier erkennt man schon von weitem. Der Pritzker-Preis-Träger steht für eine kompromissfähige Moderne. Peter Richard Alan Meier (* 1934) eröffnet in seinen Heimatland, den USA, 1963 sein erstes eigenes Büro. Schon zu Beginn prägt er den für ihn typischen schlichten lichtdurchfluteten Stil aus. Dabei bezieht er sich, wie Meier immer wieder betont, nicht auf das Bauhaus, sondern auf sein Vorbild Le Corbusiers.

In den folgenden Jahrzehnten baute Meier ständig und weltweit: vom Atheneum in New Harmony/Indiana (1979) über das Frankfurter Museum für Angewandte Kunst (1985) bis zur Chiesa di Dio Padre Misericordioso in Rom (2003). Bis auf wenige Ausnahmen – darunter das Getty Center in Los Angeles (1998) – blieb Meier auch dem blendenden Weiß treu, das seine Bauten so unverwechselbar macht. In diesem Jahr wurde Richard Meier 80 Jahre. Wir gratulieren! (kb, 8.11.14)

Alltag im Osten

Vor Zeiten (Bild: Lehmstedt Verlag)
„Vor Zeiten“ – Alltagsfotografie der DDR von Harald Hauswald (Bild: Lehmstedt Verlag)

1977, er hatte gerade seine Fotografenausbildung abgeschlossen, kam Harald Hauswald nach Berlin. Ost-Berlin. Hier dokumentierte er (auch) das Alltagsleben der geteilten Stadt. Seit 1983 arbeitete er für die Evangelische Stephanus-Stiftung, seit 1986 fotografierte er auch im Auftrag westdeutscher Medien. 2014, zu seinem 60. Geburtstag, kann Hauswald auf ein reiches fotografisches Werk zurückblicken.

Der Band „Vor Zeiten“, erschienen im Lehmstedt Verlag, verknüpft nun rund 100 seiner eindrücklichsten publizierten Aufnahmen mit ebenso vielen noch unveröffentlichten Fotografien aus seinem Archiv. In der Rückschau verdichten sie sich zu einem DDR-Bild jenseits der Parolen. Hauswald trifft einen – entwaffnend ideologiefreien – Ton zwischen Anteilnahme und Ironie. Zugleich prägte und bewahrte er ein Stück Alltagsgeschichte einer (fast) untergegangenen Welt. (kb, 8.11.14)

Harald Hauswald. Vor Zeiten. Alltag im Osten. Fotografien 1976–1990, hg. von Mathias Bertram, Lehmstedt-Verlag 2013, 248 Seiten, gebunden, 200 Abbildungen,  24 x 27 cm, ISBN 978-3-942473-66-8.