Philosophicum: Architekt gesucht

Frankfurt/Main, Bau des Philosophicums, 1959 (Bundesarchiv Nr. B 145 Bild-F006599-0004, Foto: Rolf Unterberg)
Frankfurt/Main, Bau des Philosophicums, 1959 (Bild: Bundesarchiv Nr. B 145 Bild-F006599-0004, Foto: R. Unterberg)

Das Tauziehen um das Philosophicum – 1960 als Institutsgebäude an der Universität Frankfurt errichtet – geht in eine neue Runde. Das Baudenkmal soll zum Appartementhaus umgestaltet werden. Neuer Eigentümer ist der Geschäftsmann Rudolf Muhr – und er hat dem Architekten des Projekts, dem Frankfurter Stefan Forster, gleich die Zusammenarbeit aufgekündigt. Beide Seiten werfen sich „unprofessionelles Verhalten“, „Gutsherrnart“ und „Preistreiberei“ vor. In kleinere Stücke kann ein Tischtuch wohl nicht zerschnitten werden …

Schon die Durchsetzung des Denkmalschutzes geschah vor 15 Jahren nur gegen erhebliche Widerstände aus dem hessischen Kultusministerium. Der Verkauf an die Projektgruppe Philosophicum, die ein alternatives Wohnprojekt plante, scheiterte Anfang 2014 am Geld – im Sommer kaufte Muhr. Und jetzt muss ein neuer Architekt gefunden werden, nachdem das bundesweit renommierte Büro Forster gegangen wurde. „Wir wertschätzen Forster sehr“, sagte die Leiterin des Frankfurter Denkmalamts, Andrea Hampel, der Frankfurter Rundschau. Dessen Entwürfe stellten aus Sicht der Denkmalpflege einen „vielversprechenden und genehmigungsfähigen Ansatz“ dar. Man werde aber auch mit einem anderen Architekten sicherlich gut zusammenarbeiten. Bis dahin hält freilich der Dornröschenschlaf des Philosophicums an. (db, 11.12.14)

Funktionen und Formen

Das Buch gibt einen Überblick über die bis heute andauernde Funktionalismusdebatte (Bild: transcript- Verlag)
Der Band gibt einen Überblick über Funktionalismusdebatten vom Ende des 19. Jahrhunderts  bis heute (Bild: transcript- Verlag)

„Form Follows Function“ – mit dieser einfachen Formel eröffnete Louis Sullivan eine bis heute andauernde Kontroverse. Die in den drei F komprimierte Idee einer zweckbestimmten Form in Architektur und Design beeindruckte die Vertreter der klassischen Moderne und Neuen Sachlichkeit ebenso, wie sie einen Kontrapunkt für Neoklassizisten oder postmoderne Baumeister setzte. Eine jüngst erschienene Monographie von Ute Poerschke bietet einen Überblick über Verlauf, Dynamik und Vertreter von Funktionalismusdebatten seit dem Ende des 19. Jahrhunderts.

Das Buch stellt die verschiedenen Funktionalismuskonzepte in chronologischer Ordnung vor. Dabei kommen sowohl ihre Verfechter als auch ihre Kritiker zu Wort. Behandelt werden unter anderem die Theorien von Gottfried Semper, Louis Sullivan, Frank Lloyd Wright, Hannes Meyer, Adolf Behne, Erich Mendelsohn, und Charles Jencks. Die Autorin lehrt Architektur an der Pennsylvania State University und ist Partnerin im Büro Friedrich Poerschke Zwink Architekten/Stadtplaner. (jr, 10.12.14)

Poerschke, Ute, Funktionen und Formen. Architekturtheorie der Moderne, transcript Verlag, Bielefeld 2014, 282 Seiten, zahlreiche Abbildungen, ISBN 978-3-8376-2315-4 .

Ken Adams Film Design

Ich hab´noch einen Stern in Berlin: Sir Ken Adam und Klaus Wowereit 2012 (Bild: Thomas Schmidt, CC BY-SA 3.0)
Ich hab‘ noch einen Stern in Berlin: Sir Ken Adam und Klaus Wowereit 2012 (Bild: Thomas Schmidt, CC BY-SA 3.0)

Sie mögen stylishe Möblierungen? Dann haben Sie einen guten Grund, dieser Tage die Deutsche Kinemathek in Berlin zu besuchen. Dort läuft ab dem 11. Dezember die Ausstellung „Bigger than life – Ken Adam’s Film Design“. Sir Kenneth Adam wurde 1921 als Klaus Hugo Adam in Berlin geboren, 1934 emigrierte seine Familie nach Großbritannien. Dort studierte er zunächst an der Bartlett School of Architecture, ehe er – noch ohne britischen Pass – bei der Royal Air Force Jagdflieger wurde. Berühmt wurde er Jahrzehnte später als Designer von Filmsets: Neun James-Bond-Filme, angefangen bei „Dr. No“ (1962) bis „Moonraker“ (1979) spielen in Adams‘ Interieurs. Auch der „War Room“ in Stanley Kubricks „Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“, entspringt seiner Phantasie. Und für Kubrick wandelte Adam 1975 in „Barry Lyndon“ ausnahmsweise auch einmal auf historischen Spuren.

Im Jahr 2012 hat der zweifache Oscar-Preisträger sein komplettes künstlerisches Werk mit über 4.000 Grafiken, Modellen und Filmfotos der Deutschen Kinemathek übergeben. Die aktuelle  Ausstellung wirft nun einen neuen Blick auf das Werk des stilbildenden (Film-) Künstlers und macht Ken Adams Schaffensprozess auch mit multimedialen Präsentationen erfahrbar. Die Schau ist bis 16. Mai 2015 zu sehen. (db, 9.12.14)