Beton, Glas und Büffelleder

Raus aus der Schämecke, rein in den Bücherschrank: Das neue Arbeitsheft der baden-württembergischen Landesdenkmalpflege hat sich für den Schritt nach vorne entschieden. Unter dem Titel „Beton, Glas und Büffelleder“ werden denkmalgeschützte Verwaltungsbauten im Regierungsbezirk Stuttgart vorgestellt. In Kurzporträts kommen 14 Kulturdenkmale mit bauzeitlichen Grundrissen und Schnitten sowie aktuellen Fotografien, zu ihrem Recht. Den Schwerpunkt bilden Bauten zum Verwalten, Regieren und Archivieren.

Unter den vorgestellten Bautypen haben vor allem die Rathäuser, die in den wachsenden baden-württembergischen Orten der Nachkriegsjahrzehnte zahlreich entstanden, ihr jeweiliges Stadtbild nachhaltig prägen können. Heute stehen sie vielfach unter Druck: Neu funktionale, energetische und sicherheitstechnische Forderungen scheinen den Denkmalbestand in Frage zu stellen. Nun lässt die Landesdenkmalpflege diese teils bedrohten Bauten von Fachautoren ins rechte Licht rücken – und für ihren denkmalgerechten Erhalt werben. (kb, 15.3.15)

Beton, Glas und Büffelleder. Verwalten in Denkmalen der 1960er und 1970er Jahre im Regierungsbezirk Stuttgart, hg. vom Regierungspräsidium Stuttgart/Landesamt für Denkmalpflege, Theiss-Verlag, Stuttgart 2014, 208 Seiten, 21 x 30 cm, kartoniert, ISBN 978-3-8062-3035-2.

Der Theiss-Verlag widmet sich dem „Verwalten in Denkmalen der 1960er und 1970er Jahre“ (Bild: Theiss-Verlag)

Kein Kompromiss für Alte Hauptpost?

In Leipzig geht der Streit um die Alte Hauptpost in diesen Tagen in eine neue Runde: Den 110 Meter langen, denkmalgeschützten Stahlbetonbau gestaltete Kurt Nowotny (1908-84) von 1961 bis 1964 am zentralen Augustusplatz. Seit 2011 steht der universitätsnahe Komplex mit der markanten blauen Aluminiumvorhangfassade leer und sollte im Sommer 2014 für Bildungs-, Wohn- und ausgewählte Gewerbezwecke umgenutzt werden: als „Campus für Wissenschaftler und Studenten“.

Doch regte sich am 21. Juli 2014 mit einem offenen Brief prominenter Widerstand gegen die mögliche Form der Umgestaltung, die u. a. einen gläsernen Dachaufbau und eine Farbveränderung der Fassade vorsah. Anfang Januar 2015 überraschte der Leipziger Projektentwickler KSW, meldet LVZ-online, mit dem Plan, aus der Alten Hauptpost ein Hotel mit 182 Zimmern zu machen – unter Abbruch eines Teils des Ensembles. Nach Protesten bot der Projektentwickler als Kompromiss an, die Vorhangfassade samt ihrer blauen Farbe zu erhalten und den gläsernen Aufbau in der Höhe zurückzunehmen. Nun griffen die Kritiker dieses aus ihrer Sicht nicht denkmalgerechten Umbaus – darunter prominente Organisationen wie der Internationale Rat für Denkmalpflege und der Bund Heimat und Umwelt – erneut zum Offenen Brief. Eine nächste Runde dürfte folgen. (kb, 14.3.15)

Leipzig, Hauptpost (Bild: Bundesarchiv Bild-Nr. 183-C0831-0091-004, Foto: H. Koch/W. Kluge, 1964)

„From 60 to 90“: ICOMOS-Wettbewerb

„Studentische Plädoyers zur Erhaltung des architektonischen und städtebaulichen Erbes der Vorwendezeit“: ICOMOS Deutschland, die Hochschule Trier (Fachrichtung Architektur), der Arbeitskreis Theorie und Lehre in der Denkmalpflege e. V. und die Wüstenrot Stiftung wenden sich aktuell mit einem Wettbewerb an Studenten. An Hochschulen für Architektur, Innenarchitektur, Denkmalpflege, Kunstgeschichte, Archäologie und anderen Denkmalpflegedisziplinen können Studierende (Gruppen von zwei Personen sind möglich) ein Konservierungs- oder Sanierungsprojekt dokumentieren und analysieren.

Ausgewählt werden können denkmalwerte Bauten, Gartenanlagen oder Ensembles, die zwischen 1960 und 1990 entstanden sind. Jeder Wettbewerbsbeitrag ist als DIN A 1 Plakat – für den Versand gefaltet auf DIN A 4 – einzureichen. Für den Aufbau des Plakats in zwei Hälften macht die Ausschreibung weitere konkrete Angaben: links oben der Name und ein Foto des Projekts; links unten Text, Pläne und Bilder zur Bau- und Veränderungsgeschichte des Objekts; rechts oben Texte, Pläne und Bilder zur Baumaßnahme nebst Bewertung; rechts unten ein typisches Detailfoto sowie der Name der Verfasser inkl. ihrer Hochschule. Bis zum 30. September 2015 (Poststempel) werden Einsendungen entgegengenommen an: Hochschule Trier, Fachrichtung Architektur, Prof. Oskar Spital-Frenking, Postfach 1826, 54208 Trier. (kb, 13.3.15)

Icomos und die Hochschule Trier rufen Studenten auf, sich für bauliche Erbe der Vorwendezeit zu engagieren (Bild: J. Moutinho)