Alltag im Osten

Vor Zeiten (Bild: Lehmstedt Verlag)
„Vor Zeiten“ – Alltagsfotografie der DDR von Harald Hauswald (Bild: Lehmstedt Verlag)

1977, er hatte gerade seine Fotografenausbildung abgeschlossen, kam Harald Hauswald nach Berlin. Ost-Berlin. Hier dokumentierte er (auch) das Alltagsleben der geteilten Stadt. Seit 1983 arbeitete er für die Evangelische Stephanus-Stiftung, seit 1986 fotografierte er auch im Auftrag westdeutscher Medien. 2014, zu seinem 60. Geburtstag, kann Hauswald auf ein reiches fotografisches Werk zurückblicken.

Der Band „Vor Zeiten“, erschienen im Lehmstedt Verlag, verknüpft nun rund 100 seiner eindrücklichsten publizierten Aufnahmen mit ebenso vielen noch unveröffentlichten Fotografien aus seinem Archiv. In der Rückschau verdichten sie sich zu einem DDR-Bild jenseits der Parolen. Hauswald trifft einen – entwaffnend ideologiefreien – Ton zwischen Anteilnahme und Ironie. Zugleich prägte und bewahrte er ein Stück Alltagsgeschichte einer (fast) untergegangenen Welt. (kb, 8.11.14)

Harald Hauswald. Vor Zeiten. Alltag im Osten. Fotografien 1976–1990, hg. von Mathias Bertram, Lehmstedt-Verlag 2013, 248 Seiten, gebunden, 200 Abbildungen,  24 x 27 cm, ISBN 978-3-942473-66-8.

Wandern ist grenzwertig

Innerdeutsche Grenze zwischen Hessen und Thüringen (Bild: Hans Josef Lücking)
Ein Stück ehemalige innerdeutsche Grenze zwischen Hessen und Thüringen (Bild: Hans Josef Lücking)

Naheliegende Wortspiele sind das eine, der geschichtliche Hintergrund das andere. Je weiter – erfreulicherweise – die reale deutsch-deutsche Grenze hinter uns liegt, desto verwaschener wird die Erinnerung an ihren exakten Verlauf. Verschiedene Projekte – jüngst die Berliner Lichtinstallation zum Mauerfall-Jubiläum – versuchen dies mit sinnfälligen Mitteln zu ändern. Einige von ihnen nutzen den Tourismus-Trend zu Natur und Wandern, um zusätzliche Inhalte zu transportieren.

Auch in Thüringen kann man sich deutsch-deutsche Geschichte erlaufen. Der Kolonnenweg markiert auf 300 km den ehemaligen Grenzstreifen. Von Bad Lauterberg bis Untersuhl folgen 15 Wanderetappen dem „grünen Band“. Virtuell können sich Wanderer über die historischen Hintergründe der Wanderstrecke informieren. Ein Begleitbuch – „Thüringer Grenz-Wege“, erschienen im Klartext-Verlag, herausgegeben von Paul-Josef Raue – gibt Tipps für die Wanderstrecke mit historischem Mehrwert. (kb, 8.11.14)

fallofthewall

"Wall Ball" - der Ball zum Jubiläum (Bild: Mauerfall Shop)
„Wall Ball“ – der Ball zum Jubiläum (Bild: Mauerfall Shop)

Niemand wil die Mauer wieder aufbauen. Nun ja. Zumindest wählt man in Berlin dafür an diesem Wochenende das Licht. Die „Lichtmauer“ entlang der inzwischen historischen Grenzlinie gehört zum Festprogramm, mit dem Berlin das Jubiläum begeht: Vor 25 Jahren wurde die Mauer im geteilten Berlin zu Fall gebracht. Heute kann man sich auch virtuell an dieses Ereignis erinnern. Sie können sich online über die historischen Hintergründe des Mauerfalls informieren, Ihre ganz persönliche Mauergeschichte erzählen oder prominente Mauerpaten sichten.

Natürlich sind Facebook, Instagram und Twitter mit von der Partie. Und der offizielle Online-Shop vervollständigt das Vergnügen: vom zertifizierten Stück Grenzmauer über Bildbände, Thementassen und T-Shirts bis zum „Wall Ball“. Der weiße Jubiläumsflummi mit LED-Licht ist zugleich als Beitrag zum Event gedacht. Er soll die Lichtinstallation durch viele helle Kleinbeiträge unterstützen. (kb, 8.11.14)