Topografie der Bauten der Moderne

Die Moderne hat auch im Dreiländereck zwischen Deutschland, Tschechien und Polen ihre Spuren hinterlassen. Das trinationale Projekt „Topography of the Modern Movement“, kurz TOPOMOMO, widmet sich den Wohnbauten, Schulen, Fabriken, Rathäuser und Kirchen des neuen Stils. Zwischen Dresden und Görlitz, Weißwasser und Jablonec. Beispielhaft herausgegriffene Objekte stehen für die unterschiedlichen Ausprägungen moderner Baukultur in Europa. Durch die Randlage blieben viele von ihnen bislang noch unentdeckt.

Die TOPOMOMO-Homepage informiert über Standorte und schlägt Routen durch das Projektgebiet vor. Eine Wanderausstellung zum Thema gibt es auch. Und  nicht zuletzt ist im Winter 2014 ein hosentaschentaugliches Reiselesebuch für das Gebiet zwischen Neiße und Böhmen erschienen. Es umfasst alle Informationen zu den TOPOMOMO-Orten und -Touren. Als nächstes ist ein Buch über die polnische Moderne geplant. Das deutsch-tschechische Reiselesebuch kann jetzt schon/wieder bestellt werden unter: info@stiftung-hausschminke.eu. (kb, 17.2.15)

Topographie der Bauten der Moderne. Topografie Staveb Moderní Architektury, hg. von der Stiftung Haus Schminke, deutsch/tschechisch, 176 Seiten, Cottbus 2014, ISBN 978-3-00-045640-4.

Für einen Nudelfabrikanten entwarf Hans Scharoun 1930 in Löbau das Haus Schminke (Bild: Lingen Huang, CC BY-SA 3.0)

Afrikanische Moderne

Anfang der Siebziger herrschte in Afrika Aufbruchstimmung: Etliche Staaten hatten die Unabhängigkeit erlangt, und der Neubeginn sollte sich auch in der Architektur widerspiegeln. Auf der Suche nach einer neuen nationalen Identität entstanden in der Elfenbeinküste, Kenia, dem Senegal, Sambia und Ghana etliche außergewöhnliche Großbauten. Kurioserweise wurden sie oft genug von europäischen Architekten entworfen, die teils gar aus den ehemaligen Kolonialländern stammten – der Werdegang der Unabhängigkeit verlief nicht ohne Widersprüche. Und nicht überall hat der optimistische Aufbruch zu einem stabilen Staat geführt: Manche dieser Gebäude stehen schon wieder für eine hoffnungsvolle, aber eben vergangene Ära.

Über 50 Bauten der Moderne in Schwarz- und Zentralafrika dokumentiert ab dem 20. Februar 2015 die Ausstellung „Architektur der Unabhängigkeit“ im Vitra Design Museum in Weil am Rhein. Von Parlamentsgebäuden über Universitäten, von Monumenten bis zu Hotels sind fast alle Gattungen der Repräsentationsarchitektur vertreten. Die Schau – kuratiert vom Kölner Architekten und Autor Manuel Herz, fotografiert vom Niederländer Iwan Baan – ist bis zum 31. Mai 2015 im Vitra Design Museum (Galerie, Charles-Eames-Straße 2, 79576 Weil am Rhein) zu sehen. (db, 16.2.15)

Ägypten an der Elfenbeinküste? „La Pyramide“ vom Italiener Rinaldo Olivieri (1931-98), Abidjan 1973 (Bild: I. Baan)

Neubrandenburg: „Vier Tore“ bleibt?

Glaubt man dem originalen Bildtitel der nebenstehenden Fotografie aus dem Jahr 1990, kam Karl Marx damals in Neubrandenburg aus dem Staunen nicht mehr heraus. Dabei war der vor ihm stehende Querriegel am Marktplatz, das „Hotel Vier Tore“ – benannt nach den vier prägenden  gotischen Stadttoren – 1972 unter einer ihm nahestehenden  Staatsform errichtet worden. Nach der Wende wurde die Anlage von Radisson Blu weiter als Hotel betrieben.

Der Abriss des Bauwerks im sog. Hotelquartier ist schon länger beschlossene Sache. „Das Herz der City soll fit gemacht werden“ –  am alten Hotelstandort könnte ein Glaspalast mit viel Ladenfläche entstehen. Ein  neues Hotel wird an anderer Stelle erwogen. Doch könnte  eine Erinnerung an den markanten Querriegel bleiben: Für das Metallrelief zum namensgebenden Motiv „Vier Tore“, so meldet der Nordkurier vom 12. Februar 2015, engagiert sich der örtliche Geschichtsverein. Das Werk des Bildhauers Gerd Werner werde „bei der Stadtverwaltung […] als Denkmal geführt“. Nun sucht der Geschichtsverein nach einem würdigen Platz für das Kunstwerk. Wie sehr Karl Marx über diesen Verschiebebahnhof gestaunt hätte, können wir nur vermuten. (kb, 15.2.15)

„Karl Marx gazes on amazement“: Neubrandenburg, Hotel Vier Tore im Jahr 1990 (Bild: Felix O, CC BY-SA 2.0)