Gruppenbild mit Meister

Gruppenbild mit Meister. Le Corbusier und seine Mitarbeiter
Gruppenbild mit Meister. Le Corbusier und seine Mitarbeiter (Bild: Berenburg Verlag)

Er gilt als einer der wichtigsten Architekten der Moderne: Le Corbusier, 1887 als Charles-Éduard Jeanneret in der Schweiz geboren. Für viele angehende Kollegen war er Mentor und Idol, unter seinen Schülern und Mitarbeitern finden sich renommierte Architekten wie Oscar Niemeyer, Albert Frey  oder Josep Lluís Sert. Trotz unterschiedlich langer Zusammenarbeit und einer oft miserablen Bezahlung betrachteten sie alle die Arbeit mit bzw. für Le Corbusier als prägend für ihre Laufbahn.

Dieser Begeisterung geht die Architektin Ursula Muscheler in ihrer jüngst erschienenen Monographie nach. Das Buch widmet sich einer Auswahl der zahlreichen Mitarbeiter Le Corbusiers. Ausgehend von verschiedenen berühmten Projekten des Architekten untersucht Muscheler, welchen Anteil seine Mitarbeiter an den Bauten und Planungen hatten. Darüber hinaus beleuchtet sie auch das Schaffen der ehemaligen Schüler nach ihrer Zeit im Atelier des Meisters. Hier zeigt sich, wie prägend seine Ansätze tatsächlich waren, und wie nachhaltig die Begeisterung für Le Corbusier wirkte.  (jr, 24.10.2014)

Muscheler, Ursula: Gruppenbild mit Meister. Le Corbusier und seine Mitarbeiter, Berenberg Verlag, Berlin 2014,  200 Seiten, 16,4 x 22,8 cm, ISBN 978-3-937834-74-0.

Obdachlos zum Jubiläum?

Das historische Bauhausgebäude in Dessau (Bild: Mewes)
Das historische Bauhausgebäude in Dessau (Bild: Mewes)

Im Jahr 2019 wird das Bauhaus 100. Bis zu diesem Jubiläum soll in Dessau ein neues Bauhausmuseum entstehen, um den Geburtstag im gebührenden Rahmen begehen zu können. Dieser Zeitplan scheint jedoch ebenso in Gefahr zu sein wie der Museumsneubau an sich: Nach Informationen von DeutschlandradioKultur ist die zugesagte Teilfinanzierung seitens des Bundes nicht sicher. Statt der in Aussicht gestellten 12,5 Millionen sind bisher offenbar gerade einmal 500 000 Euro für das Projekt eingeplant.

Mit dem prestigeträchtigen Neubau befasste sich jüngst auch ein Ausschuss des Magdeburger Landtages. Wenngleich das Land Sachsen-Anhalt zu seiner Finanzierungszusage steht, gibt es doch heftige Auseinandersetzungen um die Höhe der Baukosten und den Standort des neuen Museums. Während sich die Mitarbeiter des Bauhauses für einen Platz in unmittelbarer Nähe der Meisterhäuser aussprechen, wünscht sich Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) einen Neubau in der Dessauer Innenstadt. Pessimisten befürchten nun, das Jubiläum im Zelt feiern zu müssen… (jr, 22.10.2014)

Die Behelfsheimat

Die Barackensiedlung (Bild: Jonas-Verlag)
Eine Behelfsheimat im Hessischen (Bild: Jonas)

Ohne diese Fotos könnte man glauben, es hätte sie nie gegeben. Mit bislang unbeachtet gebliebenen Aufnahmen macht sich Claudia Schubert auf Spurensuche nach einer Barackensiedlung. Die Behelfsheimat am Rand des hessischen Dorfs Niederscheld hat ihre Wurzeln in den Jahren des Zweiten Weltkriegs. Zunächst siedelten hier Zwangsarbeiter des nahen Industriegebiets, dann „Vertriebene“ aus den Ostgebieten, dann Gastarbeiter aus Südosteuropa. Ihre Lebensläufe spiegeln damit die Umbrüche der deutschen Kriegs- und Nachkriegsjahre.

Schubert konnte für ihre Publikation im Marburger Jonas-Verlag auf die Fotografien des ehemaligen Bewohners Erwin Heidenreich zurückgreifen. Von 1950 bis 1952 lebte er in der Barackensiedlung und fing mit der Kamera das Alltagsleben ein: private Momente, Freunde und Nachbarn. Von vielen der hier  abgelichteten Personen dürfte es keine weiteren Fotografien geben. Vor allem mit diesen seltenen Lichtbildern gelingt es Schubert, ein einzigartiges Zeitbild zusammenzusetzen. (kb, 22.10.14)

Schubert, Claudia, Die Barackensiedlung Lützelbach Niederscheld. Ein Erinnerungsbuch, Jonas-Verlag, Marburg 2013, broschiert, 80 Seiten, 48 Abbildungen, ISBN 978-3-89445-483-8.