Farbe für die Republik

In der DDR der 1960er Jahre wurde die Farbfotografie zum Stilmittel für den Aufbruch in eine bunte sozialistische Zukunft. Noch bis zum 31. August 2014 ist im Deutschen Historischen Museum die Ausstellung „Farbe für die Republik – Auftragsfotografie vom Leben in der DDR“ zu sehen. Thema ist nicht die private, sondern die journalistische Farbfotografie. Zu sehen sind – aus den Beständen des Deutschen Historischen Museums – Aufnahmen der Bildjournalisten Martin Schmidt (* 1925) und Kurt Schwarzer (1927-2012), die zum ersten Mal so umfassend der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Für volkseigene Betriebe, staatliche Organisationen und Zeitschriften zeigten Schmidt und Schwarzer, was im Sinn der Auftraggeber war: ein positives Bild von der DDR. Gerne arrangierten sie junge Menschen vor neuer Architektur und Technik. In der Ausstellung werden die Motive durch großformatige Abzüge lebendig. Zugleich geben originale Negative und Materialien einen guten Einblick in die Arbeitsweise der beiden Fotografen. Begleitend ist im Quadriga-Verlag ein Bildband erschienen. (kb, 7.6.14)

Kurt Schwarzer,Paar vor dem Kraftwerk Vockerode, 1963 (Bild: Stiftung Deutsches Historisches Museum)

Hochbunker in Frankfurt am Main

Manche wurden zum Museum, andere zum Musikübungsraum, wieder andere zum Luxusloft – und manche stehen immer noch als Zuflucht für alle Fälle bereit. In Frankfurt sind 38 der 43 – zwischen 1941 und 1943 eingerichteten – Hochbunker in den unterschiedlichsten Nutzungen erhalten. So stehen sie bis heute wie kaum eine andere Baugattung für eine prägende Zeitepoche, für die Schrecken und Hoffnungen der Kriegsjahre.

In einer reich bebilderten Bestandsaufnahme dokumentiert Andrea Hampel, Leiterin des Frankfurter Denkmalschutzamts, im Verlag Heinrich Editionen die verbliebenden oberirdischen Luftschutzanlagen. Aufwändig werden die einzelnen Hochbunker in Bild, Plan und Text dargestellt. Teils stechen sie im Straßenzug deutlich hervor, teils fügen sie sich mit Satteldach und Gesims erstaunlich gut in ihre Umgebung ein. Seit 2010 befinden sich viele der Hochbunker durch Verkauf oder Neu-Nutzung im Umbruch. Ein guter Zeitpunkt, sie auch denkmalfachlich neu anzuschauen und zu bewerten. (kgb, 6.6.14)

Andrea Hampel, Hochbunker in Frankfurt am Main (Beiträge zum Denkmalschutz in Frankfurt am Main 17), hg. vom Denkmalamt der Stadt Frankfurt am Main/Denkmalforum Frankfurt, Heinrich Editionen, 2012, 240 Seiten, 350 Abbildungen, gebunden, 30 × 21,5 cm, ISBN 978-3-921606-87-2.

Hochbunker in Frankfurt (Bild: Heinrich Editionen)

Pingussons Botschaft

Das Ende des Zweiten Weltkrieges bedeutete für das Saarland einige Jahre staatlicher Unabhängigkeit, eng angelehnt an Frankreich. Für den Wiederaufbau der Hauptstadt Saarbrücken waren daher französische Architekten und Planer maßgeblich. Im Zuge dessen entstand 1951-54 ein Dienstsitz für den französischen Botschafter, entworfen von Georges-Henri Pingusson. Der Bau gilt als eines der bedeutendsten Werke des Architekten. Die Saarbrücker tauften die moderne Hochhausscheibe liebevoll-spöttisch „Schmales Handtuch“. Nach dem Beitritt des Saarlandes zur Bundesrepublik wurde sie zum Kultusministerium umfunktioniert. Seit 1985 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.

Jetzt räumte der letzte Mitarbeiter des Ministeriums seinen Schreibtisch: Das dringend sanierungsbedürftige Gebäude ist als Dienstsitz nicht mehr zeitgemäß, die Behörde ausgezogen. Die weitere Nutzung ist ungewiss, wenn auch eine – zunächst nur auf wenige Wochen angesetzte und dann immer wieder verlängerte – Ausstellung des Werkbunds Saar zeigt, dass reges Interesse an dem Bau besteht. Für eine Fotodokumentation hat man ihn kurz vor dem Auszug des Ministeriums noch einmal detailreich porträtiert und damit auch online einen Rundgang ermöglicht. (jr, 6.6.14)

Ehemalige Französische Botschaft in Saarbrücken, Architekt: Georges-Henri Pingusson. (Bild: Marco Kany | marcokany.de)