Das Lehmbruck-Museum wird 50

Der Sohn hat es eigens für die Plastiken seines Vaters entworfen. Im Jahr 1964 wurde in Duisburg das Museum eingeweiht, das der Architekt Manfred Lehmbruck (1913-92) für das Werk des Bildhauers Wilhelm Lehmbruck (1881-1919) gestaltet hatte. Ganz im Sinn des Internationalen Stils verband der hochmoderne Komplex die helle Große Glashalle und den in die Erde eingegrabenen Lehmbruck-Trakt mit gewölbten Betonwänden. Im Jahr 1987 erweiterte man das Lehmbruck-Museum schließlich um einen Anbau.

Zum 50-jährigen Jubiläum des Museums wurde nun die ursprüngliche Aufstellung der Lehmbruck-Plastiken wiederhergestellt und um neue Impulse bereichert. Unter dem Titel „Sculpture 21st“ ergänzen zeitgenössische Künstler wie Tino Sehgal, Monika Sosnowska oder Erwin Wurm die Präsentation. Im unteren Bereich des Lehmbruck-Trakts wird zudem eine Dokumentation der Museumsgeschichte gezeigt. Und nicht zuletzt inszenierte das raumlabor berlin weitere Artefakte des 20. Jahrhunderts – von Hans Arp bis zu Pablo Picasso – unter dem Titel „Geister der Moderne“. (kb, 22.6.14)

1964 wurde das Duisburger Lehmbruck-Museum – hier der Lehmbruck-Trakt – eingeweiht (Bild: Lehmbruck-Museum)

Sanierungsstau im Hochschulbau?

Die 1960er und 1970er Jahre waren die großen Jahre des Hochschulbaus. Voller Hoffnung investierte man großzügig in die geburtenstarken Jahrgänge für ein offenes demokratisches Bildungssystem. Heute drohen viele dieser Räume unbenutzbar zu werden. Um endlich belastbare Zahlen zu erhalten, strengte ein Fachgremium der Universitätskanzler mit der HIS-Hochschulentwicklung 2013 eine Studie an. Und diese berechnet nun (mit Blick auf die Jahre 2008 bis 2012) einen Sanierungsrückstand von über 20 Milliarden Euro. Bei einer – ohne Uniklinken – geschätzten Fläche von 16,8 Millionen Quadratmetern sei künftig ein Jahresbudget von 2,6 Milliarden Euro notwendig.

Es brauche sowohl Sonderprogramme für den Neubau als auch deutlich mehr Mittel für den Bestandserhalt. Denn gerade die Großprojekte der 1960er und 1970er Jahre müssten kostenintensiv saniert, energetisch ertüchtigt oder ersetzt werden. Vom möglichen – kulturellen – Wert und den bereits vorhandenen funktionalen Chancen der nachkriegsmodernen Anlagen ist nicht die Rede. Eins dürfte sicher sein: Das – auch architektonische – Bild der deutschen Hochschullandschaft wird sich tiefgreifend verändern. (kb, 21.6.14)

Die Mensa der Universität Bonn im Jahr 1961 (Bild: Bundesarchiv Nr. F011718-0007, Foto: Renate Patzek, CC BY SA 3.0)

Bauaufgaben der modernen Großstadt

Martin Elsaesser (1884-1957) ist einer der bekanntesten Architekten und Städtebauer der klassischen Moderne in Deutschland. Nach einer Ausbildung bei Theodor Fischer und Friedrich von Thiersch plante und baute er modern, ohne radikal mit der Bautradition zu brechen. Am bekanntesten ist er sicherlich für seine Arbeit als Stadtbaudirektor am Frankfurter Hochbauamt in den 1920er Jahren. Besondere Berühmtheit erlangte er hier durch die Großmarkthalle, die wesentlicher Bestandteil der gerade im Bau befindlichen Europäischen Zentralbank sein wird.

Elsaessers Arbeit fußte auf einer differenzierten Bautheorie. Es finden sich zahlreiche Texte und Manuskripte, die seinen Zugang zu Architektur und Städtebau beleuchten. Das Institut für Stadtbaukunst hat diesen Gedanken nun eine Edition gewidmet. Unter dem Titel „Martin Elsaesser: Schriften. Bauaufgaben der modernen Großstadt“ bringt sie Elsaessers städtebauliche Entwurfshaltung konzentriert aufs Papier. Herausgeber des Bandes sind Thomas Elsaesser, Jörg Schilling und Wolfgang Sonne. Neben einer großen Auswahl theoretischer Texte enthält das Buch ein umfassendes Schriftenverzeichnis und erläuternde Beiträge. (jr, 21.6.14)

Thomas Elsaesser, Jörg Schilling, Wolfgang Sonne (Hg.), Martin Elsaesser: Schriften. Bauaufgaben der modernen Großstadt (Bücher zur Stadtbaukunst 4), hg. vom Institut für Stadtbaukunst, Niggli Verlag, 2014, 248 Seiten, gebunden, 24,9 x 21 cm, ISBN 978-3721208443.

Martin Elsaesser: Schriften (Bild: Niggli-Verlag)