Zum Hundertsten: Es wird geforscht und gefeiert

In diesem Jahr wurde der Architekt Gottfried Böhm 100 Jahre alt – ein Anlass, der bereits verschiedentlich begangen wurde. Gegen Jahresende reihen sich zwei weitere Veranstaltungen in die Schar der Gratulanten ein: Am 30. Oktober 2020 feiert die Architekturfakultät der RWTH Aachen ihren ehemaligen Lehrstuhlinhaber und Pritzker-Preisträger mit einem internationalen architekturhistorischen Studientag nebst Ausstellung: „Ein Tag Böhm“. Geplant sind Fachvorträge sowie die Präsentation ausgewählter Beiträge aus zwei analytischen Entwurfsseminaren des Lehrstuhls für Gebäudelehre. Interessierte können der Veranstaltung live im Internet folgen oder – nach Anmeldung – aktiv virtuell teilnehmen: passiv über den Livestream (www.boehm.rwth-aachen.de) oder aktiv über Zoom (boehm@ages.rwth-aachen.de, nach formloser Anmeldung kommt per Mail ein Zoom-Link, die Anmeldung kann auch spontan am Tag selbst erfolgen).

Auch in der der Katholischen Akademie Schwerte steht die elfte Tagung der Reihe „Kirche weitergebaut“ im Zeichen des großen Kölner Architekten. Denn auch die Werke des großen Kirchenbauers bleiben von Schließung und Umnutzung nicht verschont. Daher wird in Schwerte auch die neue interdisziplinäre Gruppe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) vorgestellt: „Sakralraumtransformation. Funktion und Nutzung religiöser Orte in Deutschland“. Entsprechend wird u. a. der Umbau der von Böhm entworfenen Kirche Zur Heiligen Familie („Waisenhauskirche“) in Köln-Sülz im Mittelpunkt stehen. (kb, 26.10.20)

Düsseldorf-Garath, St. Hildegard (Bild: Elke Wetzig, CC BY SA 3.0/GFDL, 2009)

Siedlungen der Moderne: Gemeinsam etwas verändern

Man kann es „partizipative Transformation“ nennen oder einfach darüber sprechen, wie man gemeinsam etwas verändert. Das Ziel bleibt ein sehr Konkretes: In Frankfurt engagiert sich das „Forschungslabor Nachkriegsmoderne“ dafür, den Siedlungen der Jahre 1945 bis 1975 einen Wert und eine Zukunft zu geben. Nun lädt die Initiative am 6. November 2020 zur Fachtagung „Partizipative Transformation“ in die Frankfurt University of Applied Sciences (Gebäude 4, Raum 111/112, Campus Nibelungenplatz, 60318 Frankfurt am Main, eine Teilnahme ist auch digital möglich). Aus den Gebieten Städtebau, Soziologie und Kunst werden nachahmenswerte Beispiele vorgestellt und neue Wege diskutiert.

Auf dem Programm stehen am Vormittag „Ideen und Methoden“ der Teilhabe – vom westdeutschen Großwohnsiedlungsbau der 1960er und 1970er Jahre bis zu neuen Ansätzen bei Kommune und Quartiersmanagement. Der Nachmittag stellt unter dem Motto „Identität und Image“ partizipative Kunstprojekte vor. Und der Schwerpunkt „Räume und Bauten“ beschließt die Tagung mit konkreten Beispielen – von Nachbarschaften und ergänzendem Wohnungsbau in Großsiedlungen bis zur Terrassenhaussiedlung Graz-St. Peter. Die Tagung wird von der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen mit acht Fortbildungspunkten bzw. Unterrichtseinheiten anerkannt. (kb, 25.10.20)

Graz, St. Peter, Terrassenhaus (Bild: Moschitz S.Partl, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2008)

Resozialisierung

Das bulgarische Buzludzha-Denkmal ist in den vergangenen Jahren als stimmungsvoller Brutalismus-Lost-Place bekannt geworden. Seit Sommer 2018 wird es fachkundig untersucht von ICOMOS Deutschland und der TU München, um gemeinsam mit lokalen Partnern der Buzludzha Project Foundation um Dora Ivanova einen Denkmalpflege- und Notsicherungsplan zu erstellen. Vor diesem Hintergrund sollen nun in München die bisherigen Erfahrungen diskutiert und in einen weiteren internationalen Kontext gestellt werden. Denn über konservatorisch-restauratorische Details hinaus geht es hier um „politisch wie ideologisch höchst umstrittene Hinterlassenschaften“, so die Veranstalter, „welche auf vielfache Weise Fragen der nationalen und kulturellen Identität berühren“.

„Resozialisierung – Zum Erbe einer ‚Sozialistischen Moderne‘“, die Vortragsreihe der Professur NB, Prof. Dr. Putz, und des Lehrstuhls RKK, Prof. Dr. Danzl, startet am 10. November 2020 mit einer Einführung inkl. Podiumsdiskussion und setzt sich mit Einzelvorträgen fort am 24. November und 8. Dezember 2020, am 12. Januar, 26. Januar und 9. Februar 2021 jeweils um 19 Uhr. Um Registrierung wird gebeten unter: www.ar.tum.de/nb/lehre/vorlesung (Zoom-Webinar ID:964–6754–6300). Kooperationspartner der TUM-Veranstaltungsreihe sind die Bayerische Architektenkammer, die Edith-Haberland-Wagner-Stiftung, reused.TUM.de – und moderneREGIONAL. (kb, 23.10.20)

Titelmotiv: Heinz Drache/Walter Rehn: „Unser sozialistisches Leben“, Kulturpalast Dresden (Bildquelle: Veranstaltungsplakat)