Veranstaltungen

Utscheid, Villa Glashütte (Bild: Peter Liptau, 2018)

Ungers und die Eifel

Oswald Mathias Ungers (1926-2007) ist nicht nur ein Kind der Eifel, sondern kehrte auch später immer wieder dorthin zurück. Hier baute er sich bis 1988 nicht allein ein Ferienhaus, sondern vielmehr eine ganze Anlage, ein postmodernes Gesamtkunstwerk. Nicht einmal ein asphaltierter Weg ist es, der zum Gebäude durch den Wald führt. Das Gebäude selbst, 17 x 17 Meter im Grundriss, liegt in einen Park, der ebenfalls dem 17-Meter-Raster unterworfen ist. Darin wurden zwei vorhandene Seen leicht verändert eingebunden. Weiter noch ein Atelierhaus, in dem sich die Gipssammlung befindet, und eine alte Kapelle.

Jedes Jahr lädt das Ungersarchiv Freunde und Förderer hier zu einem Sommerfest. Bei der diesjährigen Veranstaltung zusätzlich verknüpft mit einer Besichtigung der „Stiftung zur Förderung zeitgenössischer Kunst in Weidingen“. 150 Einwohner zählt der Ort, in dem Galerist Max Hetzler sich in den vergangenen Jahren ebenfalls ein Feriendomizil samt preisgekröntem Ausstellungshaus, Gästehaus und der Bibliothek Günter Förg errichtet hat. Die Verbindung zu Ungers: Dieser hatte den befreundeten Hetzler auf das Haus in Weidingen aufmerksam gemacht, das den Kern des jetzigen Stiftungsanwesens bildet. Noch mehr Ungers in der Eifel findet man in Utscheid. Für den nächstgrößeren Ort zu seinem Anwesen in Glashütte plante das Büro Ungers ein Gemeindehaus. (pl, 6.7.18)

Utscheid, Villa Glashütte (Bild: Peter Liptau, 2018)

Breslau, Jahrhunderthalle (BIld: Maciejw, CC BY-SA 3.0 pl, 2012)

Nicht nur Bauhaus

Das Bauhaus-Jubiläum steht kurz bevor – und im seinem Gefolge lernen wir die vielfältigen anderen Spielarten von „neuem“, von modernem Bauen kennen. Damit rückt auch der osteuropäische Raum stärker in den Blick, der bereits um den Ersten Weltkrieg herum zum Experimentier- und Symbolraum des (architektonischen) Fortschritts wurde. Die damals geknüpften Netzwerke wirkten lange weiter, von Ernst May bis zu den Internationalen Kongressen für Neues Bauen (Congrès Internationaux d‘ Architecture Moderne, CIAM).

Unter dem Titel „Nicht nur Bauhaus ‒ Netzwerke der Moderne in Mitteleuropa“ laden das Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (Oldenburg), das Architekturmuseum Breslau und das Schlesisches Museum zu Görlitz daher vom 15. bis 17. Januar 2019 zu einer Konferenz nach Görlitz und Breslau ein. Hierfür werden noch Themenvorschläge gesucht. Die Tagung steht im Rahmen einer Ausstellung zu Adolf Rading im Breslauer Architekturmuseum. Willkommen sind Exposés für einen Vortrag (ca. 2.000 Zeichen) mit einem kurzen Lebenslauf (mit Mail- und Postkontaktdaten sowie Angaben zur aktuellen Tätigkeit: max. 1000 Zeichen) bis zum 1. August 2018 an: beate.stoertkuhl@bkge.uni-oldenburg.de. (kb, 1.7.18)

Breslau, Jahrhunderthalle (Bild: Maciejw, CC BY-SA 3.0 pl, 2012)

Karl-Marx-Hof (Bild Dreizung, CC By SA 3.0)

Österreich: 100 Jahre Erste Republik

2018 stellt für viele europäische Nationen ein Jubiläumsjahr dar. Das Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren bedeutete auch das Ende der hergebrachten politischen Ordnung: Österreich-Ungarn zerbrach, das Deutsche Reich wurde zur Republik und die politische Landkarte in Ost-Mittel-Europa wurde um einige Länder reicher. Eine Konferenz in St. Pölten nimmt sich zum 100. Jubiläum der Ersten Republik Österreich an, die am 12. November 1918 ausgerufen wurde.

Die Geschichte der Ersten Republik ist komplex. Sie führt von der engen Anlehnung an die benachbarte Weimarer Republik über die international beachtete Utopie des Roten Wien bis hin zum Austrofaschismus und dem Kampf um die Souveränität gegenüber dem nationalsozialistischen Deutschland in den 1930ern. Im Fokus der Tagung stehen Vorstellung und Diskussion von Vermittlungskonzepten aus den Bereichen Museum, Gedächtnisorte, Schule, Medien und Citizen Science. Die öffentliche Veranstaltung findet am 2. und 3. Juli 2018 im Haus der Geschichte,Museum Niederösterreich St. Pölten statt. (jr, 30.6.18)

Wien, Karl-Marx-Hof (Bild: Dreizung, CC BY-SA 3.0)

Wir fahren zweigleisig

Noch bis zum 9. September dürfen wir mit der mR-Ausstellung „märklinMODERNE“ die Gastfreundschaft des Deutschen Architekturmuseums (DAM) in Frankfurt genießen. Ab dem 12. Juli wird es dann doppelt schön: Ergänzend ist die Schau „Die Villa im Tessin. märklinMODERNE im Ländle“ in der architekturgalerie am weißenhof in Stuttgart zu sehen. Hier ist das Thema bestens aufgehoben, denn die meisten westdeutschen Modellbausätze haben ihren Ursprung im Süden der Republik. In Gütenbach im Schwarzwald z. B. entwickelten die Brüder Edwin und Hermann Faller nach dem Krieg ein Produkt „Häuschen“-Bausätze für die Modelleisenbahn. Darunter auch der legendäre Klassiker „Villa im Tessin“. So stellt die Ausstellung in Stuttgart nicht nur Modelle und eine Eisenbahnanlage vor, sondern porträtiert mit Film- und Audiosequenzen auch die Menschen hinter den Bausätzen.

Die Stuttgarter Ausstellung bietet ein umfangreiches Begleitprogramm: 22. Juli 2018, 14.30-17.30 Uhr, „Basteln mit Bartetzko“ in der architekturgalerie am weißenhof im Rahmen des Killesberg-Sommerfests; August 2018, 16-17 Uhr im Deutschen Filmmuseum (Schaumainkai 41, 60596 Frankfurt) Premiere von „märklinMODERNE“, dem Film zur Ausstellung; September 2018, Tagesfahrt zur Wiege des Modellbaus, nach Gütenbach im Schwarzwald, Voranmeldung (bis 10. August) an k.berkemann@moderne-regional.de (Unkostenbeitrag 60 € (ab Frankfurt)/50 € (ab Stuttgart). 22. September 2018, 20-21 Uhr im „Buch & Spiel“ in St. Stefan (Rotenwaldstraße 98, 70197 Stuttgart) die Lesung „Der Superbastler“ — Lebenshilfe aus Modellbau-Magazinen der Wirtschaftswunderzeit. (db/kb, 25.6.18)

Berlin, Kino International zu seiner Eröffnung am 15. November 1963 (Bild: Horst Sturm, 1963)

Bauten der Ostmoderne unter Denkmalschutz

Wenn eine Veranstaltungsankündigung schon im Titel mit Anführungszeichen hantiert, dann geht es um Probleme oder Ironie oder Unsicherheit. In diesem Fall hat sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) die Bauten der (hier wären sie) „Ostmoderne“ vorgenommen. Gemeint sind die „zwischen 1945 und 1965 in der sowjetischen Besatzungszone“ errichteten Architekturen. Schon die Begriffsfindung für diese Epoche bereitet den Fachleuten Kopfzerbrechen, man will weder vereinnahmen noch verharmlosen. Seit einigen Jahren scheint sich für diese Zeit der Stilbegriff der „Ostmoderne“ durchzusetzen.

Die Stilformen der Ostmoderne, so die Veranstaltungsankündigung, würden sich von denen im Westen zu dieser Zeit unterscheiden – und würden eben dort bislang kaum Anerkennung finden. Dem will die DSD nun abhelfen: mit der Veranstaltung „Bauten der ‚Ostmoderne‘ unter Denkmalschutz“, einem Tagesseminar zur Baustilkunde, das am 16. August 2018 von 9 bis 17 Uhr statt im Nicolaihaus der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (Brüderstraße 13, 10178 Berlin) stattfindet. Denn viele Bauten der DDR-Zeit stehen – ob aus geschichtlichen, städtebaulichen, künstlerischen oder weiteren Gründen – bereits unter Denkmalschutz. Vor diesem Hintergrund werden im Tagesseminar die Aufgaben bei Sanierungen von Bauten der Ostmoderne und gelungene Praxisbeispiele vorgestellt. Es wird eine Teilnahmegebühr erhoben, weitere Informationen unter: 0228 9091-426, denkmalakademie@denkmalschutz.de. (kb, 21.6.18)

Berlin, Kino International zu seiner Eröffnung am 15. November 1963 (Bild: Horst Sturm, 1963)