Doppelspitze

München, Neue Pinakothek (Bild: High Contrast, CC BY SA 3.0, 2011)

Neue Pinakothek: Denkmal im Wartestand?

Eigentlich sind sich in München alle einig: Die Neue Pinakothek, das ist gute Architektur. Bernd Sibler, der bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, lobte den 1981 eingeweihten Bau vor wenigen Tagen als „Kronjuwel des Freistaates Bayern“. 2017 bereits sprach Thomas Goppel, der Vorsitzende des Landesdenkmalrats, von einem der „gelungensten Museumsneubauten der Nachkriegsgeschichte“, so zitiert ihn das Denkmalnetz Bayern. Dem ist nichts hinzuzufügen, immerhin stammt der Entwurf von keinem Geringeren als dem bayerischen Altmeister Alexander Freiherr von Branca.

Gegenüber der Süddeutschen Zeitung sprach der Hausherr Bernhard Maaz, Generaldirektor der Staatsgemäldesammlung, am 10. Dezember 2018 folgerichtig von einem „denkmalwürdigen“ Gebäude, in das man nicht „eingreifen“ wolle. Denn bis 2025 wird sein Museum geschlossen bleiben, um es zu sanieren, zu modernisieren und barrierefrei herzurichten. Der Umfang der Maßnahme lässt sich am Kostenrahmen erahnen: Die zunächst kursierende Summe von rund 80 Millionen Euro sei schon überholt (nach oben hin, wohlgemerkt). Sehenswerte Kunstwerke in einem nicht minder sehenswerten Museumsbau, das verdient selbstverständlich ausreichend Zeit und Finanzen.

Doch die amtliche Prüfung der seit 2015 immer wieder touchierten Frage, ob das heute allseits geschätzte Baukunstwerk den Denkmalstatus erhält, soll noch warten. Bis 2025, bis zum Ende der Sanierung. Zufälle gibt es … Das Denkmalnetz Bayern stellt in seiner Erklärung vom 17. Dezember 2018 die Frage in den Raum, ob hier „eine Sonderbehandlung für Gebäude in staatlichem Eigentum“ vorliegt. Man wolle das Staatsministerium bzw. den Landesdenkmalrat „ggf. um die Veranlassung einer kurzfristigen Prüfung der Denkmaleigenschaft der Neuen Pinakothek in München seitens des Landesamtes“ bitten. Wo sich doch schon alle so schön einig sind und sowieso nur im Sinne des bestehenden Bauwerks handeln wollen – warum noch warten? (20.12.18)

Daniel Bartetzko und Karin Berkemann

Titelmotiv: München, Neue Pinakothek (High Contrast, CC BY SA 3.0, 2011)