Krefeld: St. Pius bleibt, die Lukaskirche geht

Aus zwei Kirchen wird eine: In Krefeld nutzen die evangelischen und die römisch-katholischen Gläubigen ab sofort das gemeinsame Gemeindezentrum Pius-Lukas-Kirche. Für das Bistum Aachen sei diese Form der Gemeinschaft, erklärte der katholische Pfarrer Dr. Christoph Zettner gegenüber „Mein Krefeld“, bislang einmalig. Der alte Name des nun von zwei Konfessionen genutzten Bauwerks deutet auf seine römisch-katholische Vergangenheit. St. Pius X. wurde 1968 nach Entwürfen des Architekten Josef Lehmbrock fertiggestellt. Für das gekonnt weitschwingende Zeltdach hatte er mit dem Bauingenieur und Tragwerksplaner Stefan Polónyi zusammengearbeitet.

Bereits seit 2014 waren beide Gemeinde im Gespräch über eine Zusammenarbeit – die neue Pius-Lukas-Kirche wird jetzt am 6. September in den neuen Dienst genommen. Ein Nutzungsvertrag regelt alle Details für das gemeinsame Leben unter einem geschwungenen Dach. Mit der Entscheidung für St. Pius X. soll die nun leerfallende, evangelische Lukaskirche (1960, Ernst Fohrer/ C. Müller/ H. H. Schneider) geschlossen und abgerissen werden. (kb, 23.8.20)

unten: Krefeld-Gartenstadt, St. Pius X. (Mitte links) und Lukaskirche (Mitte Mitte) (Bildquelle: Bauwelt 1965)

Titelmotiv: Krefeld, St. Pius X, (Bild: C. Steffen Schmitz (Carschten), via wikimedia commons, CC BY SA 3.0 DE oder Free Art License)

Gütersloh: 2 x frühe Pomo unter Schutz

2020 hat die Denkmalpflege in Gütersloh gleich zwei römisch-katholische Kirchenbauten an der Schwelle zur Postmoderne im Blick: St. Bruder Konrad (1974) in Spexard und St. Marien (1977) in Avenwedde-Bahnhof. Bereits im Frühjahr diesen Jahres wurde die geplante Unterschutzstellung von St. Bruder Konrad (St. Konrad von Parzheim) samt Ausstattung und Gemeindezentrum bekannt. Der Bau wurde nach Entwürfen des Bielefelder Architekten Joachim Georg Hanke errichtet. 1979 erhielt der Turm, übernommen vom Vorgängerbau (1946/51), vom Bildhauer Otto Herbert Hajek seine bis zur nahen Autobahn hin markant sichtbare Haube.

Gütersloh, St. Bruder Konrad (Bild: Hewa, CC BY SA 3.0 oder GFDL, 2013)

Gütersloh-Spexard, St. Bruder Konrad (Bild: Hewa, CC BY SA 3.0 oder GFDL, 2013)

St. Marien entstand nach Plänen des Architekten Gisberth Hülsmann, der auch die liturgischen Orte entworfen hatte. In der Denkmalbegründung werden nicht allein die ortsgeschichtliche Bedeutung sowie die hohe künstlerische Qualität hervorgehoben. Darüber hinaus verkörpere der in den Boden eingetiefte, sich nicht über seine Umgebung erhebende Entwurf den Typus einer Diasporakirche. Zudem weise die Gestaltung bereits in Richtung Postmoderne. Gegen beide Unterschutzstellungen wurden weder von der Kommune noch von der Kirchengemeinde Bedenken angemeldet. (kb, 15.8.20)

Gütersloh-Avenwedde-Bahnhof, St. Marien (Bild: Hobusch, CC BY SA 4.0, 2016)

Gütersloh-Avenwedde-Bahnhof, St. Marien (Bilder: Hobusch, CC BY SA 4.0, 2016)

Titelmotiv: Gütersloh-Spexard, St. Bruder Konrad (Bild: Hagar66, CC BY SA 3.0 oder GFDL, 2009)

Bad Orb: Der Turm soll weg

Als die Touristen noch zahlreich in das wachsende Kurstädtchen Bad Orb kamen, brauchte man eine zweite römisch-katholische Kirche: St. Michael wurde 1964 nach Plänen des Kasseler Architekten Johannes Reuter fertiggestellt. Seitdem thront sie auf einer Anhöhe über dem Ort. Doch seit 2016 ist die Kirche geschlossen, denn der Turm musste wegen herabfallender Betonbrocken abgesperrt werden. Nach einer Begutachtung wurden die Kosten für eine (Beton-)Sanierung überschlagen und entschieden: Das lohnt sich nicht mehr! Selbst wenn man den Turm jetzt sanieren würde, so die Argumentation, müsste man ja irgendwann wieder Geld in die Hand nehmen – schließlich wurde der Turm schon einmal saniert.

Einen Bedarf für den zweiten Gottesdienstraum sieht man nicht mehr, dafür reiche die bestehende Kirche St. Martin. Gegenüber der „Fuldaer Zeitung“ erklärte Pfarrer Stefan Kümpel die weiteren Pläne für St. Michael: Zeitnah sollen der Turm abgerissen (die Abbruchgenehmigung steht allerdings noch aus) und das Kirchenschiff profaniert werden. Der Verbleib der Glocken ist geklärt, der Verkauf der Orgel soll eingeleitet werden. Von einem Abriss des Schiffs ist jedoch (noch) nicht die Rede, das sei „ultima ratio“. Man bevorzuge eine würdige Nachnutzung – etwa als Kolumbarium oder Kindergarten. (kb, 3.8.20)

Bad Orb, St. Michael (Bild: Jörg Braukmann, CC BY SA 4.0, 2020)

Titelmotiv: Bad Orb, St. Michael (Bilder: Titelmotiv: historische Postkarte; unten: Jörg Braukmann, CC BY SA 4.0, 2020)