Kein Geld für KWG?

Eigentlich war schon alles in Sack und Tüten: Für die 36 Millionen Sanierungskosten der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche wollte das Land etwas aus dem „Sondervermögen Infrastruktur der Wachsenden Stadt“ (Siwa) zuschießen. Doch just dieser Topf könnte nun zu mager ausfallen, wie die „Berliner Woche“ berichtet. Und das gefährdet auch den Bundeszuschuss von 16 Millionen Euro – für ein Wahrzeichen von Weltrang. 1895 von Franz Schwechten gestaltet, sollte sich Egon Eiermann der kriegszerstörten Kirche annehmen. Anfangs wurde der Abriss diskutiert, doch dann ließ sich der Architekt von der Bevölkerung überzeugen: Der „Hohle Zahn“, der historistische Kirchturm blieb als Mahnmal stehen. Ergänzt wurden „Lippenstift und Puderdose“, Schiff und Turm in moderner Wabenstruktur.

Im geteilten Berlin avancierte das Ensemble zum Wahrzeichen im damaligen Stadtzentrum, zu einem der wenigen funktionierenden Ruinen-Mahnmale. Erste Sanierungsarbeiten wurden bereits denkmalgerecht umgesetzt, doch vieles steht noch aus: eine Betonsanierung am Glockenturm, eine Restaurierung vieler Glaswaben, eine Modernisierung der Ausstellung im Ruinenteil, eine Umgestaltung des Foyers. Mit Blick auf die ursprünglich vorgesehene Kostenaufteilung (die Hälfte vom Bund, ein Viertel vom Land, ein Viertel von Kirche und Stiftungen) wird der Schwarze Peter für den aktuellen Engpass aktuell hin und her geschoben – noch ist das letzte Wort nicht gesprochen. (kb, 30.4.20)

Berlin, Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche (Bild: seier+seier, CC BY 2.0, via flickr.com)

Friedrichsdorf: Die Bonifatiuskirche tropft

In Friedrichsdorf wurde die katholische Kirche St. Bonifatius 1993 nach Plänen des Darmstädter Architekten Rolf Hoechstetter (* 1944) fertiggestellt. Nach seinem Studium in Darmstadt und Stuttgart hatte Hoechstetter 1974 ein eigenes Büro in Darmstadt eröffnet, lehrte später u. a. an der Hochschule in Trier. Die mehrfach ausgezeichnete Friedrichskirche umfängt mit Festsaal, das Pfarrhaus und Campanile programmatisch eine vielfach nutzbare Freifläche. Im Inneren wurden viele Ausstattungsdetails zur Bauzeit vom Aachener Bildhauer Ulrich Hahn gestaltet.

Jetzt steht – wie die Frankfurter Neue Presse berichtet – die Dachsanierung des postmodernen Kirchenbaus an, deren Kosten sich auf insgesamt 150.000 Euro belaufen sollen. Grund ist Sickerwasser am Oberlicht über dem Altarraum. Erschwert werden die geplanten Arbeiten durch den Dachaufbau: Der Ausbau der Steinwolle (zwischen einer dünnen Aluminiumschicht sowie der Dachhaut und Bitumen) muss mit hohen Sicherheitsvorkehrungen begleitet werden, um die Beteiligten vor möglicherweise krebserregenden Stoffen zu schützen. Zudem müsse das Aluminiumband am Dachrand verbreitert werden, um möglichen Wasserschäden an den Außenmauern vorzubeugen. Die Gemeinde hofft auf die Fertigstellung der Maßnahme Ende diesen Jahres. (kb, 25.4.20)

Friedrichsdorf, St. Bonifatius (Bild: foerderverein-bonifatius.de)

Köln-Lindenthal: Fritz-Schaller-Kirche vor dem Aus?

In Köln-Lindenthal konnte 1964 die Klosterkirche Vom Guten Hirten nach Plänen des Architekten Fritz Schaller (1904-2002) eingeweiht werden. Schaller hatte sich in Köln u. a. mit der Domplatte oder dem Wiederaufbau von St. Mauritius einen Namen gemacht. In Lindenthal boten die Schwestern vom Guten Hirten jungen Frauen in Nöten, z. B. bei ungeplanten Schwangerschaften. Ende der 1990er Jahre übergab die Gemeinschaft das Ensemble in die Nutzung der syrisch-orthodoxen Gemeinde.

Schon seit einigen Jahren wird über den Abriss des Kirchenbaus diskutiert: 1921 läuft der Mietvertrag der syrisch-orthodoxen Gemeinde mit dem Bistum aus, eine Verlängerung ist nicht in Sicht. Offen ist damit auch die Zukunft der Ausstattung aus der Bauzeit, darunter die Glasgestaltung des Künstlers Franz Pauli. Dessen Nachkommen fordern, wie die Deutsche Welle in dieser Woche berichtet, zumindest eine Dokumentation, besser eine Bergung der Fenster – im besten Falle einen Erhalt des Kirchenbaus samt Fenstern. Für den „Austausch von Kirchenkunst“ werde, so die Deutsche Welle weiter, gerade eine Homepage (www. kunstinventar.org, aktuell noch nicht aktiv) vorbereitet, die baldmöglichst freigeschaltet werden soll. (kb, 12.4.20)

Köln-Lindenthal, Klosterkirche Vom Guten Hirten (Bild: Niels Müller, ganzköln.de)