Kolumne

Taizé, Mittagsgebet (Bild: Christian Pulfrich, CC BY SA 4.0, 2015)

„Mit Fanta und mit Butterkeks“

Funny van Dannen hatte Recht, als er 1996 zur Gitarre sang: „Die Welt ist aus den Fugen“ – die kirchliche zumindest. Zum Jahresende kümmerte sich der Vatikan höchstpersönlich um die Frage „Wohnt Gott hier nicht mehr?“. Den Experten ging es um die leerstehenden Kirchen, zumindest die „historisch bedeutsamen“ unter ihnen. Fast zeitgleich kuschelten sich (van Dannen lässt grüßen) „Junge Christen“ in Madrid in nüchternen Messehallen zum Taizé-Treffen zusammen. Die Keimzelle ihrer Bewegung liegt im Burgund, in der Versöhnungskirche. Den dortigen Brüdern war der Bau 1962 etwas zu schroff geraten: Mit den Jahren wurde das betonierte Chorgestühl entfernt, eine Vorhalle mit Zwiebeltürmchen angefügt und der Altarraum mit bunten Tüchern aufgehübscht.

Eben jene Räume des 20. Jahrhunderts sind es, die am stärksten von der Finanz- und Mitgliederschwäche der beiden großen Konfessionen betroffen sind. Da wird gespart, umgebaut – und halbiert, um für den Kirchenrumpf (wie in Frankfurt oder Steinfurt) eine liturgische Grundversorgung aufrechterhalten zu können. Wenn es dann doch eine andere Nutzung sein soll, bevorzugt der Pästliche Kulturrat eine religiöse, kulturelle oder karitative Bestimmung. Bei einem geringen architektonischen Wert seien auch private Wohnzwecke denkbar. Nach der 14-seitigen Verlautbarung vom Dezember 2018 wäre der Verkauf erst die letzte Alternative, das Thema „Abriss“ wird umschifft. Grundsätzlich solle alles mit der zugehörigen kirchlichen wie weltlichen Gemeinde geplant und für die würdige Weitergabe (selbst moderner) liturgischer Gegenstände gesorgt werden.

All das ist nicht wirklich überraschend. So hatte die Presse einige Mühe, daraus mit Überschriften à la „Kein Nachtclub, keine Diskothek“ eine Schlagzeile zu basteln. Die römischen Feinheiten liegen zwischen den Zeilen: Zu Beginn des Kongresses richtete Papst Franziskus eine Botschaft an die Teilnehmer. Kirchen seien „heilige Zeichen“, die Sparprozesse ein „Zeichen der Zeit“. Damit war das Problem amtlich und ein ungewohnt weiter Rahmen abgesteckt. Bei der gelobten „religiösen“ Weiternutzung schweigen die Leitlinien zum Islam (also eher keine Moschee), sprechen aber positiv von „anderen christlichen Gemeinschaften“. Das adelt die neuen ökumenischen Mischnutzungen (wie in Herten oder Mettmann), die jedoch häufig Abriss und Neubau bedeuten – während zeitgleich bewährte Ökumenische Zentren ausgeschlichen werden. Da wünscht man sich ein wenig der kostengünstigen Fanta-und-Butterkeks-Pragmatik der jungen Taizé-Christen. Nur über die Sache mit den bunten Tüchern müssten wir noch mal reden … (1.1.19)

Karin Berkemann

Titelmotiv: Taizé, Mittagsgebet (Bild: Chiristian Pulfrich, CC BY SA 4.0, 2015, der Chorraum wurde 2018 neu gestatltet )