Paris, Cité Gagarine (Bild: historische Abbildung)

Cité Gagarine: Experiment beendet

In Paris endet dieser Tage ein jahrzehntelanges Experiment: 1963 hatte der russische Kosmonaut Juri Gagarin einen nach ihm benannten Wohnkomplex eingeweiht. Mit der Cité Gagarine wollte die Kommunistische Partei von Frankreich zumindest auf regionaler Ebene ein Zeichen setzen – ideologisch unterstützt durch den Nationalhelden des Großen Bruders. In 376 Wohnungen auf 13 Geschossen sollten vorwiegend Arbeiterfamilien einen sozial würdigen und gemeinschaftlich orientierten Platz finden. Für den Entwurf des T-förmigen Beton-Backsteingebäudes zeichneten die Architektenbrüder Henri und Robert Chevallier verantwortlich.

Ab den 1970er Jahren sank der Stern des ehrgeizigen Vorhabens mit dem Niedergang der Industrieansiedlungen in dieser Region von Paris. Der Wohnkomplex geriet zum sozialen Brennpunkt. In diesen Tagen wird die Cité Gagarine abgerissen. Noch bis kurz vor knapp hatten Initiativen vor Ort mit künstlerischen Interventionen um den Erhalt des Wohnkomplexes gerungen. Vergeblich, denn an die Stelle der Cité Gagarine soll – nach 16 Monate währenden Abbrucharbeiten – ein „grünes Viertel“ treten: mit 1.400 Wohnungen für eine ausnehmend großbürgerliche Zielgruppe. Gestern verabschiedeten sich Architekturfreunde und ehemalige Bewohner von der Cité Gagarine mit einer „Maxi-Fete“. (kb, 1.9.19)

Paris, Cité Gagarine (Bild: historische Abbildung)