Commerzbank-Hochhaus: Unheil droht

Trotz Denkmalschutz sieht es nicht gut aus für das Commerzbank-Hochhaus (1961-64) von Godber Nissen
Trotz Denkmalschutz sieht es nicht gut aus für das Commerzbank-Hochhaus (1964) von G. Nissen (Bild: Georg HH, CC BY-SA 3.0)

Die Commerzbank plant offenbar, ihre Zentrale in der Hamburger City aufzugeben. Der teils denkmalgeschützte Gebäudekomplex steht somit zur Disposition – und weckt Hoffnungen: Das Hambuger Abendblatt zitiert Grünen-Fraktionschef Michael Osterburg: „Ich bin erfreut über die Nachricht, dass der prominente Standort entwickelt werden soll. Es wäre toll, wenn dort Wohnungsbau realisiert werden könnte und das schöne, alte Gebäude erhalten bleibt.“ Damit meint der Politiker freilich nicht das 12-geschossige Hochhaus des Architektenduos Godber Nissen/Wilhelm Fritsche, sondern einen daneben stehenden Monumentalbau aus den 1910er-Jahren. Das eigentliche Kulturdenkmal ist aber das 1964 fertiggestellte Hochhaus. Doch scheint fraktionsübergreifend wenig Begeisterung für seinen Erhalt zu herrschen. Aus jeder Fraktion kommen Stimmen, welche die Entwicklungschancen des Geländes hervorheben, wenn der nachkriegsmoderne Gebäuderiegel weg wäre …

Ein Immobiliendienstleister startete im Auftrag der Commerzbank einen Investorenwettbewerb, in dem diverse Projektentwickler ihre Vorschläge für eine neue Nutzung der Fläche einreichen. Für das Gebäude des Tessenow-Schülers Nissen (1906-97) sieht es nicht gut aus. Der in Wladiwostok geborene Architekt und Hochschullehrer, der als 13-jähriger mit seinen Eltern nach Hamburg kam, entwarf zahlreiche radikal schlichte Verwaltungs- und Industriegebäude, darunter die Reemtsma-Hauptverwaltung in Hamburg (1954), die IHK in Düsseldorf (1957) und die Deutsche Botschaft in Stockholm (1960). (db, 10.6.15)