Le Corbusier vor dem Paravent in der Halle des Immeuble Molitor: bemalte, mit Beton hintergossene Welleternitplatten, ausgeführt als Prototyp einer Brise-soleil-Konstruktion (Bild: © Willy Rizzo, 1959)

Corbu hat Saison

Es wird Frühling – und zumindest in Zürich kann damit am Pavillon Le Corbusier (Höschgasse 8, 8008 Zürich) die Ausstellungssaison beginnen: Am 7. Mai 2021 startet die neue Schau „Le Corbusier und die Farbe“, die hier bis zum 28. November 2021 zu sehen sein wird. Mit Fotografien, Originalen, Plänen und großformatigen Installationen soll die Polychromie – als für den Schweizer Architekten raumbildendes und identitätsstiftendes Element – sinnfällig in Szene gesetzt werden. Denn Le Corbusier (1887–1965) konnte sich Baukunst ohne Farbe schlicht nicht vorstellen. „Ganz in weiss wäre das Haus ein Sahnetopf“, brachte er es 1926 auf den Punkt. Mal hob er mit einer Farbe einzelne Wandscheiben hervor, mal band er damit einen ganzen Raum zusammen. Nach dem Krieg verknüpfte er verschiedene Farbtöne zum Ornament, um damit materialgerechte Oberflächen wie Beton, Backstein oder Beton zu strukturieren. Um einen gleichbleibend hohen Qualitätsstandard zu gewährleisten, kooperierte Le Corbusier z. B. eng mit dem Basler Tapetenhersteller Salubra – für einen „Ölfarbenanstrich in Rollen“.

In seinen bekanntesten Werken, von der Kapelle in Ronchamp (1955) bis zum Philips-Pavillon an der Weltausstellung in Brüssel (1958) arbeitete Le Corbusier mit farbigem Glas bzw. Licht. Der Zürcher Pavillon bildet den Endpunkt dieser Entwicklung: Außen markieren bunte Emaillepaneele den Standort, im Inneren herrscht naturbelassenes Eichenholz vor. Innerhalb der Pavillonräume wird die neue Ausstellung um eine kleinere Präsentation ergänzt – mit Arbeiten des Zürcher Magnum-Fotografen René Burri (1933–2016), die Le Corbusier in den Jahren 1955 bis 1965 zeigen. Schon seit 1967 wird der Pavillon für thematische Ausstellungen genutzt. Seit die Stadt Zürich den Bau 2019 erworben hat, wird er vom dortigen Museum für Gestaltung bespielt. Begleitend zur Ausstellung ist eine Publikation erschienen, die im Museumsshop erhältlich ist. (kb, 28.4.21)

Reklamefoto für das Desing „Marmor I“ in horizontal versetzter Anordnung, um 1959, Möbel der Firma Idealheim AG, Basel (Bildquelle: ac 29, Internationale Asbestzement-Revue, 1962, © Salubra AG, Grenzach)

Le Corbusier anlässlich des am 12. Januar 1938 vom Ingenieur- und Architekten-Verein in der Schmiedstube in Zürich organisierten Vortrags „Les relations entre architecture et peinture“ (Bild: Gotthard Schuh, © gta Archiv/ETH Zürich, Arthur Rüegg)

Le Corbusier, Notizen zum Vortrag „Les relations entre architecture et peinture“, festgehalten auf den Rückseiten seiner Hochzeitsanzeige von 1930 (Bild: Privatsammlung, Zürich, © Fondation Le Corbusier, Paris)

Ost- und Nordfassade der Unité d’habitation in Marseille mit farbigen Loggien, 1951 (Bild: © Fondation Le Corbusier, Paris)

Le Corbusier, Loggien der Unité d’habitation in Marseille (Bild: © Arthur Rüegg)

Le Corbusier, Pavillon Le Corbusier Zürich, Detail der Fassade (Bild: © Foto: Georg Aerni)

Zürich, Pavillon Le Corbusier, Ausstellung „Le Corbusier und die Farbe“, Installation mit Pigmenten der ersten Salubrareihe von 1932 (Bild: Umberto Romito und Ivan Suta, 2021, Museum für Gestaltung Zürich/ZHdK)

Titelmotiv: Le Corbusier vor dem Paravent in der Halle des Immeuble Molitor: bemalte, mit Beton hintergossene Welleternitplatten, ausgeführt als Prototyp einer Brise-soleil-Konstruktion (Bild: © Willy Rizzo, 1959)