Bei ihren Recherchen zur Ausstellung „In the Middle Lane, the Grass Was Tall in the Summer“ stieß die Autorin und Kuratorin Agata Ciastoń auf große deutsch-polnische Geschichte, aber auch auf viele ganz menschliche Erinnerungen. Die heutige A4 entstand in den 1930er Jahren als Reichsautobahn 9 als Teil des wachsenden Verkehrsnetzes unter den Nationalsozialist:innen. Nach 1945 übernahm der polnische Staat das, so die Ausstellung, „Beton-Erbe“, nutzte es weiter und setzte es fort. Und genau in dieser ersten Phase des Stillstands nahmen die Menschen in Niederschlesien die nicht befahrenen Strecken in Besitz. Sie breiteten ihre Picknickdecke über die Betonplatten und die grasbewachsenen Mittelstreifen, fuhren Rad und pflückten Blumen.
Dieses Wechselbad aus Kriegsgeschichte und persönlichen Erinnerungen spannt die Ausstellung im Architekturmuseum von Wrocław (Breslau) zwischen zwei Annäherungsformen auf: Archivmaterialien wie Pläne, Karten und Fotografien stehen zeitgenössischen künstlerischen Werken gegenüber. So kommen die letzten fast 100 Jahre der Reichsautobahn 9 bzw. A4 mit all ihren gesellschaftlichen und politischen, baulichen und kulturlandschaftlichen Aspekten zur Geltung. Gezeigt werden Werke der Künstler:innen Ewa Axelrad, Alicja Bielawska, Emanuel Geisser und Kama Sokolnicka, Marlena Kudlicka, Natalia LL, Piotr P. Skiba und Łukasz Wojciechowski. Die Ausstellung „In the Middle Lane, the Grass Was Tall in the Summer“ ist in Wrocław (Breslau) noch zu sehen bis zum 6. September 2026. (kb, 10.8.26)

Blick in die Ausstellung „In the Middle Lane, the Grass Was Tall in the Summer“ im Architekturmuseum in Wrocław (Bild: Karin Berkemann, 2026)

A4 Wrocław–Legnica, Anschlussstelle Ujazd Górny/Udanin, russische Inschrift „Wir werden die Fahne des Sieges über Berlin hissen“, 1945 (Bild: Robert Niedźwiedzki, CC BY SA 3.0, 2010)
