Speer und Hitler (Bild: Bundesarchiv, Bild 146-1971-016-31 / CC-BY-SA 3.0)

Das Märchen vom guten Nazi

„Wenn Hitler Freunde gehabt hätte, dann wäre ich bestimmt einer seiner engen Freunde gewesen“, behauptete der frühere Rüstungsminister und erklärte Liebligsarchitekt des Diktators nach dem Krieg. Die Mittäterschaft an den nationalsozialistischen Verbrechen wies Albert Speer jedoch weit von sich. Ein Verführter sei er gewesen, unwissend über die Gräueltaten des Regimes und beseelt von der Größe der architektonischen Aufträge. Diese Deutung eigneten sich nach 1945 viele Deutsche an, nicht zuletzt, um die eigene NS-Vergangenheit zu relativieren. Eine Ausstellung in Prora räumt mit dem Mythos auf und beleuchtet die Vita Albert Speers nach den aktuellen Erkenntnissen der Forschung.

Die Ausstellung, die im letzten Jahr bereits im Nürnberger Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände zu sehen war, legt ihren Schwerpunkt auf die zweite Karriere Albert Speers. So machte der ehemalige Stararchitekt seine Erinnerungen mit Büchern und Vorträgen zu Geld – natürlich in einer von allen belastenden Details bereingten Form. Die Ausstellung kontrastiert sie mit den jüngsten Ergebnissen zeithistorischer Forschung, die Speers Selbstinszenierung als politisch naiver Künstler klar ins Reich der Legende verweisen. „Albert Speer in der Bundesrepublik. Vom Umgang mit deutscher Vergangenheit“ ist bis zum 30. August 2018 im alten Tanzsaal von Prora zu sehen. (jr, 31.5.18)

Speer und Hitler (Bild: Bundesarchiv, Bild 146-1971-016-31, CC BY SA 3.0)