Es ist eine Binse, dass zu viel zu schnell abgerissen wird. Schon lange bemühen sich Initiativen aus ökologischen (graue Energie) und ökonomischen (rechnet man mal alle gesellschaftlichen Folgekosten ein), aus sozialen (Milieuschutz) und baukulturellen (hübsch und alt) Gründen für eine neue Logik: Nicht der Erhalt, sondern der Abriss müsste begründet werden. Die gravierendsten Fälle sammelt und belegt inzwischen schon zum zweiten Mal eine Publikation: Das neue Schwarzbuch der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) ist da – in diesem Jahr liegt der Schwerpunkt bei den Bauten der Infrastruktur und in Zusammenhang mit den sog. Sondervermögen.
Die erfassten Verluste zeigen: Allein 2024/25 gingen mindestens 1.077 Denkmale verloren. In diesem Jahr birgt das Schwarzbuch einige Neuerungen: die Rubrik „fehlende Fachlichkeit“ beispielsweise, das Kapitel „Nachgeschaut“ zu Objekten aus dem ersten Schwarzbuch sowie gekennzeichnete Fälle, die im DSD-Meldeportal eingegangen sind. In der heutigen Pressekonferenz warnte die DSD noch einmal nachdrücklich davor, dass der vermeintliche Bürokratieabbau auf Ebene der Denkmalfachbehörden durch die in vielen Bundeländern laufenden Gesetzesnovellierungen das Gegenteil bewirke – dadurch gehen Denkmale verloren und Baukosten steigen.
Aus den eigenen Datenerhebungen bundesweit leitet die DSD Hauptgründe für Abrisse ab: Die angegebenen Punkte reichen von wirtschaftlicher Unzumutbarkeit über bauliche Probleme (darunter auch der Verlust der Denkmaleigenschaften nach ungenehmigten Baumaßnahmen) bis hin zu Brand. Zu den zentralen Forderungen der DSD zählen u. a. die Stärkung der denkmalfachlichen Ausbildung und der Denkmalfachbehörden sowie die transparente Erfassung von Denkmaldaten und Denkmalverlusten. Begleitet wurde die heutige Buchvorstellung von einer Kundgebung, einem symbolischen Trauerzug bis zum Brandenburger Tor, um auf die Missstände und Verluste in der Denkmalpflege hinzuweisen. Das diesjährige Schwarzbuch umfasst 324 Seiten, ist analog und als Download gratis verfügbar. (kb, 18.8.26)

Einer der Fälle des Schwarzbuchs: Monheim, Mack-Pyramide am Kieswerk 4 , 1991, Horst Schmitges – als Zeugnis der Postmoderne unter Denkmalschutz gestellt, bis 2025 überbaut, wieder aus der Denkmalliste ausgetragen (Bild: DiAuras, CC BY SA 4.0)
