Das Haupt-Sportgelände der Stadt Jena wurde im August 1924 eingeweiht. Seit 1939 ist es nach dem Physiker und Sozialreformer Ernst Abbe (1840-1905) benannt. Das FC Carl Zeiss Jena bestreitet im großen Stadion des Ernst-Abbe-Sportfelds seine Heimspiele, zu DDR-Zeiten spielte man noch im weitgehend unveränderten Bau. Er wurde im Lauf der Zeit an die Anforderungen angepasst – Carl Zeiss Jena war bis Anfang der 1980er Jahre mehrmaliger DDR-Meister und Pokalsieger, trug hier auch internationale Spiele aus. 1991 erwarb die Stadt die Sportanlage von der Carl-Zeiss-Stiftung. Und obwohl der FC Carl Zeiss Jena heute nur noch in der 4. Liga spielt, hat man das Sportfeld jüngst völlig umgestaltet. Die 1974 errichteten Flutlichtmasten fielen schon 2013, von 2020 bis 2023 wurde das einst offene Stadion zur Arena umgebaut. In diesem Zuge verschwanden das Marathontor und die bauzeitliche Anzeigetafel. Das 2024 offiziell eröffnete Stadion heißt nun „ad hoc Arena im Ernst-Abbe-Sportfeld“. Letztes Relikt der Originalanlage ist der Uhrenturm samt dem Rest des sogenannten T-Gebäudes. Zu sehen ist er indes kaum noch, der Neubau wurde ihm quasi vor die Nase gekoffert. Und nun ist ausgerechnet der (nicht denkmalgeschützte) Turm bedroht: Er ist Baufällig, das Geld für die Sanierung fehlt.
Ursprünglich war gar der Abriss des gesamten Komplexes geplant, dass der Turm als Wahrzeichen blieb, war reines Glück. Weder der Stadionbetreiber „elf5“ noch der FC Carl Zeiss Jena hatten ein Mitspracherecht: Eigentümer ist die Kommunale Immobilien Jena, der Verein ist Mieter. Mit einer Crowdfunding-Aktion soll der 101 Jahre alte Holzbau nun gerettet werden. Am 19. Juli ist das Projekt „crowdFANding – Stadionturm erhalten!“ gestartet, unterstützt durch die Stadtwerke Jena-Pößneck und deren Plattform „Jena-Crowd“. Ziel ist, die Sanierungskosten von rund 130.000,- Euro zu sammeln. Diese Summe wurde durch den Gutachter Ralph Partschefeld ermittelt, welcher die erforderlichen Maßnahmen nach mehrmaligen Begehungen zusammengefasst hat: „Durch die gestiegenen Material- und Aufwandskosten kommt man auf diesen Betrag. Uns ist vor allem wichtig, dass der Turm am Ende wieder aussieht wie in seiner Ursprungsform“, sagt der Gutachter. Immerhin zeigt die Rettungsaktion Wirkung: Über 44.000 Euro kamen bereits in den ersten Tagen zusammen. Siehe: Der schickste Stadionumbau hilft nix, wenn nicht ein Zeichen der Erinnerung und der Identität erhalten bleibt … (db, 22.7.25)
Jena, Stadionturm Ernst Abbe Sportfeld 2013 (Bild: Hobby-Fotograf2013, CC BY-SA 3.0)

