„Dit is Balin“: Das Haus Beerenstraße 31 in Zehlendorf ist abgerissen worden, obwohl es vor zwei Jahren unter Denkmalschutz gestellt wurde. Die kleine Villa, zwischen Expressionismus und Bauhaus angesiedelt, wurde 1926-28 für den Kaufmann Werner Kern nach Plänen von Bruno Ahrends (1878-1948) errichtet. Der gebürtige Berliner war auch Mitgestalter der „Weißen Stadt“ in Berlin-Reinickendorf, die seit 2008 UNSCO-Welterbe ist. Die heutige Dienstvilla des Bundespräsidenten in der Miquelstraße war 1911 sein Erstlingswerk unter eigenem Namen. 1938 floh Ahrends, der Jude war, nach Italien und von dort aus weiter nach Großbritannien. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog er nach Südafrika, wo er 1948 in Kapstadt starb. Sein letztes Gebäude wurde 1934 fertiggestellt.
Das „Haus Kern“ hatte die zuständige Berliner Denkmalbehörde lange nicht im Blick. Erst 2022 wurde der bis zum Auszug der letzten Eigentümer 2017 gepflegte Bau von den Fachleuten begutachtet und im Folgejahr unter Denkmalschutz gestellt. Das war aber leider zu spät: Das Grundstück war mittlerweile verkauft und der Bauantrag auf einen Neubau mit sechs Wohnungen bereits genehmigt. So überwogen die Wirtschaftsinteressen des Bauherrn und Haus Kern konnte – rechtlich völlig korrekt – nicht mehr vor dem Abriss bewahrt werden. Die einzige Auflage bevor der Bagger kam, war die archivalische Dokumentation des Ahrends-Baus. Es ist ein Debakel, ähnlich niederschmetternd wie 2021 der Abbruch der Villa Marlene Poelzig. (db, 9.9.25)
Berlin, Beerenstraße 31 2023 (Bild: Bildarbeiter, CC BY-SA 4.0)

