Nachdem (nicht nur) in NRW immer wieder die Wogen hoch schlugen, wenn es um eine Reform des Denkmalschutzgesetztes geht, hat das Thema jetzt auch deutlich hörbar Hessen erreicht. Die beiden dortigen Regierungsparteien CDU und SPD haben für den Landtag eine Gesetzesnovelle vorgelegt. Bürgernäher, effizienter und einfacher soll es werden, wenn Veränderungen an denkmalgeschützten Bauten anstehen. Von Vertrauen in die Bürger:innen und Kommunen ist die Rede, von schlankeren Entscheidungsprozessen, ohne an Schutzstatus zu verlieren. Sollten die Ämter z. B. einen Antrag auf Veränderung im Denkmal nicht innerhalb einer gewissen Frist bearbeitet haben, gelte die beantragte Maßnahme automatisch als genehmigt. Wiederkehrende Eingriffe, ebenso Anpassungen zugunsten von Barrierefreiheit und Klimaschutz, sollen erleichtert werden. Die wirtschaftliche Zumutbarkeit würde als Argument gestärkt, die Rolle des Landesdenkmalamts hingegen geschwächt. Denn die Fachbehörde soll sich lieber auf die Highlights wie Welterbestätten konzentrieren, den Rest regle die Denkmalschutzbehörde auf kommunaler Ebene.

Auf Seiten der FDP wurde Kritik laut, dass die geplante Reform nicht weit genug gehe. Statt pittoreske Denkmale schütze man aktuell vor allem verfallende, das Ortsbild störende Häuser. Wo es Not täte, sollten demnach Eigentümer:innen und Kommune selbst eine Unterschutzstellung aufheben können. Dabei fürchten Expert:innen, dass schon die CDU-SPD-Änderungsvorschläge zu weit gehen. Der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) sprach von einer drohenden Abrisswelle. Gerade die Nachkriegsmoderne mit ihrem oft noch schlechten Image bliebe so ungeschützt. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz verweist auf die mögliche Aushöhlung fachlicher Expertise. Aller Kritik zum Trotz wollen CDU und SPD ihren Gesetzesentwurf weitertragen, damit er schon zum Jahresbeginn 2027 in Kraft treten kann. (kb, 9.2.26)

Frankfurt, Olivetti-Türme (Egon Eiermann, 1972) (Bild: epizentrum, CC BY SA 3.0, 2013)

Eines von vielen Beispielen der denkmalgeschützten Nachkriegsmoderne in Hessen: Frankfurt, Olivetti-Türme (Egon Eiermann, 1972) (Bild: epizentrum, CC BY SA 3.0, 2013)

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