Kurz vor seinem 90. Geburtstag ist der Architekt Günther Moewes in diesen Tagen in Italien verstorben. Geboren 1935 in Hannover, studiert in Berlin und Hamburg, dürfte er seine größte bauliche Wirkung ab den späten 1960er Jahren durch seine Mitwirkung am Brockhouse-System entfaltet haben – ein kleinformatiger Stahlbaukasten, mit dem europaweit Schulen (wie die Deutsche Schule in Brüssel oder die Barkenberg-Schule in Wulfen), aber auch Universitäten (in York und Bath) und Bürgerhäuser errichtet wurden. Als Hochschullehrer prägte Moewes von 1966/71 bis 2002 in Dortmund ganze Generationen von Architekturstudierenden. Darüber hinaus forschte er als Wirtschaftswissenschaftler zur Vermeidbarkeit von Finanzkrisen.

Mit seiner Streitschrift „Weder Hütten noch Paläste“, 1995 erschienen, sprach Moewes früh die neuralgischen Punkte eines notwendigen ökologisch und sozial motivierten Umdenkens an, wie sie gerade wieder die aktuelle Debatte bestimmen. Bis zuletzt wirkte er publizistisch in seinen Lebensthemen zwischen Wirtschaft und Städtebau. Noch 2023 verteidigte er das „sanfte“ Baukastenprinzip, wie er es mit dem Brockhouse-System selbst mitgeprägt hatte, in einem Artikel für die Frankfurter Rundschau: Nicht nur ökonomisch und ökologisch, sondern auch durch eine größere gestalterische Ruhe mache dieser Ansatz bis heute Sinn. Dass er sich dabei auf das Prinzip der Märklin-Baukästen berief, hat die Sympathie der Verfasserin dieser Zeilen für sein Schaffen nur erhöht. (kb, 30.12.25)

Günther Moewes (BIld: Josef H. Neumann)

Günther Moewes (Bild: Josef H. Neumann)

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