Mit seinem Anspruch, Stadtentwicklung funktional und zugleich gestalterisch anspruchsvoll zu denken, hat er Frankfurt am Main in den 1980er Jahren geprägt: Hans-Erhard Haverkampf, 1940 in Mühlhausen/Thüringen geboren, gehörte für die SPD von 1975 bis 1989 dem Magistrat der Stadt Frankfurt am Main an. Zunächst war er Planungsdezernent, ab 1977 Baudezernent. In seine Amtszeit fielen unter dem CDU-Oberbürgermeister Walter Wallmann unter anderem die Entwicklung des Museumsufers, der Wiederaufbau der Alten Oper, die damalige Sanierung der Paulskirche sowie der Ausbau des innerstädtischen U-Bahn-Netzes und die Gestaltung der Einkaufsstraße Zeil – „Deutschlands erste postmoderne Fußgängerzone“ (2015 hat er mit moderneREGIONAL über dieses Projekt gesprochen).
Auch wenn man Hans-Erhard Haverkampf vor allem mit diesen urbanen Leuchtturmprojekten verbindet, gerieten ihm auch stadtgeschichtliche Details und vermeintliche Nebensächlichkeiten nie aus dem Blick: Sein Wohnhaus in der Seilerstraße war samt des kurzen Seitenarms der Straße Ende der 1970er eigentlich zum Abriss freigegeben. Er erwarb den spätklassizistischen Bau und ließ ihn sanieren, während die Nachbarschaft zu großen Teilen abgeräumt wurde. Nach seinem Ausscheiden aus dem Magistrat war Haverkampf bundesweit an zahlreichen Bauprojekten beteiligt, unter anderem am Neubau des Bundeskanzleramts in Berlin sowie am Bau des Denkmals für die ermordeten Juden Europas neben dem Brandenburger Tor. 2010 kehrte er nach einer Zeit in Wismar nach Frankfurt zurück und brachte seine Erfahrung erneut ins kulturelle und städtebauliche Leben seiner Wahlheimat ein, engagierte sich unter anderem für den Bau des Deutschen Romantik Museums und veröffentlichte zwei Romane. Bereits am 30. Juni ist Hans-Erhard Haverkampf im Alter von 85 Jahren gestorben. (db, 30.7.26)
Unter HE Haverkampf realisiert: Brockhaus-Brunnen (1984) auf der Frankfurter Zeil (Bild: Carsten Ratzke, CC0)
Titelbild: Hans-Erhard Haverkampf ca. 2014 (Bild: Privat)

