Er soll, so schreibt die Süddeutsche Zeitung, den Begriff des Stararchitektentum erfunden haben. In jedem Fall war er einer. Und auch unbestritten ist, auch wenn er es wohl ein wenig anders sah, dass er der Auslöser eines weltweiten Booms namens Bilbao-Effekt war. Nachdem 1997 sein futuristisch anmutendes, edel mit Titan verkleidetes Guggenheim-Museum in der nordspanischen, im Postindustrialismus versunkenen Hafenstadt eröffnet worden war, erlebt Bilbao aufgrund des architektonischen Wunderwerks einen Tourist:innenstrom, der auf diese Art zuvor noch nie durch ein Bauwerk ausgelöst worden war. Das Beispiel wurde zum Vorbild für viele weitere Städte, die sich neuen Glanz wünschten. Am offensichtlichsten ist die Kopie wohl im nordrhein-westfälischen Herford mit dem Bau des Museums Marta Herford umgesetzt worden.

Am 5. Dezember starb der amerikanische Architekt nun im Alter von 96 Jahren im kalifornischen Santa Monica. Die Liste seiner unverkennbaren Bauten ist lang, was erstaunlich ist, da kaum eines von ihnen unscheinbar ist und damit alle Projekte seines Büros zu den aufwändigeren Gebäuden gehören. Das war nicht immer so bei Gehry, der 1929 als Frank Owen Goldberg im kanadischen Toronto geboren wurde und sich sein Studium der Architektur in den frühen 1950er Jahren in L.A. als Truckfahrer finanzierte. Zunächst baute er unscheinbar, setzte dann in den 1970er Jahren zunehmend ungewöhnliche und alltägliche Materialien wie Sperrholz oder Wellblech ein, um seine zunehmend dekonstruktivistischen Formvorstellungen zu realisieren. Mit skulpturalen Bauten wie „Binaculars“ in Venice, L.A., das er Ende der 1980er Jahre mit Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen entworfen hatte oder dem Wohnhaus Norton (1984), ebenfalls in Venice, L.A. realisierte er typisch postmoderne Bauten. Seine metallisch-glänzenden, tanzenden Betonbauten für Bilbao, Düsseldorf oder Prag machten ihn dann in den 1990er Jahren zu dem Stararchitekten, der mit seiner großen baulichen Aktivität bis zuletzt einen schillernden Gehry-Effekt in zahlreiche Städte brachte. (pk, 8.12.25)

Düsseldorf, Neuer Zollhof 1–3, Medienhafen, Architekt Frank Gehry, 1996–1999 (Bild: Fundistephan, Public Domain, 2005)

Düsseldorf, Neuer Zollhof 1–3, Medienhafen, Architekt Frank Gehry, 1996–1999 (Bild: Fundistephan, Public Domain, 2005)

Anmelden

Registrieren

Passwort zurücksetzen

Bitte gib deinen Benutzernamen oder deine E-Mail-Adresse an. Du erhältst anschließend einen Link zur Erstellung eines neuen Passworts per E-Mail.