Der Gummineger muss gehn

Graz, Gummi-Neger (Bild: D. Bartetzko)
Ein Grazer Traditionsgeschäft: der Gummineger (Bild: D. Bartetzko)

Bitte mailen Sie uns nicht! Der Gummineger ist keine politisch bedenkliche Sprachschöpfung der Redaktion, sondern ein Laden in Graz. Vor gut hundert Jahren wurde er für Kautschukprodukte („Gummi“) aus Afrika („Neger“) in der Grazer Herrengasse gegründet und 1926 kam ein Laden in der Annenstraße hinzu. Zeitweise umfasste die Produktpalette allerlei Nützliches vom Parfüm bis zur Puppe. In den letzten Jahren hatte sich der Familienbetrieb auf maßgeschneiderte Schaumstoffprodukte spezialisiert.

In Mainz muss die Dachdeckerfirma Ernst Neger mit Kritik kämpfen, weil das Firmenlogo des Familienbetriebs einen hammerschwingenden „Eingeborenen“ (hier sind die Anführungszeichen wirklich mal angebracht) zeigt. In Graz erklärt der Gummi-Neger-Geschäftsführer Heinz Siegl den – für unsere politisch korrekten Ohren anstößigen – Ladennamen historisch: Man grenzte sich vom Konkurrenzladen ab, der seinen Kautschuk aus Amerika bezog und sich Gummi-Indianer nannte. Siegl sieht das Ganze pragmatisch: „Früher war Gummi Neger noch ein geschützter Name!“, zitiert ihn das Onlineportal Annenpost. „Aber ich zahle nichts mehr ein, denn wer würde sich heute noch freiwillig so nennen?“ Dass das Traditionsgeschäft nun seinen eigenen Ausverkauf organisiert, hat aber keine politischen Gründe. Altersbedingt will der 72-jährige Siegl sein Metier künftig nur noch als Hobby für Stammkunden betreiben. (db/kb, 8.1.16)